Klimafreundlich essen

Der Speiseplan für Welt­retter

Klimafreundlich essen - So genießen Sie nach­haltig
Mehr Grünes für die Welt. Würden die Erdbe­wohner deutlich mehr Pflanzen­kost und weniger Fleisch verzehren, könnten bis zu 10 Milliarden Menschen satt werden. © shutterstock, Getty Images [M]

Um dem eigenen Körper und dem Planeten Gutes zu tun, raten Wissenschaftler zur „Planetary Health Diet“. test.de stellt sie vor.

Inhalt

Gesünder essen – mit gewaltigem Effekt

Essen für 10 Milliarden Menschen

Die gute Nach­richt inmitten der hitzigen Debatten um die Zukunft des Planeten lautet: Es ist möglich, 10 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 gesund zu ernähren, ohne dass die Erde dadurch Schaden nimmt. Von allein wird das allerdings nicht passieren: Die Menschheit müsste dafür ihr Ernährungs­verhalten stark ändern, vor allem Bewohner wohl­habender Länder. Sie müsste der „Planetary Health Diet“ folgen, einer Art Welt­retter-Speiseplan. Empfohlen wird er von der Eat-Lancet-Kommis­sion, der Experten der gemeinnützigen Stiftung Eat und des Medizin-Fach­blatts The Lancet angehören. Sie erarbeitete Ziel­vorgaben für eine gesunde Ernährung und nach­haltige Lebens­mittel­produktion.

Die klima­schädliche Seite der Land­wirt­schaft

23 Prozent aller welt­weiten Treib­hausgas-Emissionen wurden nach Angaben des Welt­klimarats von 2007 bis 2016 durch die Land­wirt­schaft, Forst­wirt­schaft und andere Formen der Land­nutzung durch den Menschen verursacht. Eine Schlüssel­rolle bei der Land­wirt­schaft spielen Lachgas und Methan, die beide um ein Vielfaches klima­schädlicher wirken als das allseits bekannte Kohlen­dioxid. Lachgas entsteht etwa, wenn stick­stoff­haltige Dünge­mittel zum Einsatz kommen. Methan bildet sich unter anderem durch Fermentations­prozesse im Magen von Wieder­käuern – Rind­fleisch hat darum grund­sätzlich eine schlechte Ökobilanz.

Viel Grünes, deutlich weniger Fleisch

Die Haupt­empfehlung des Welt­retter-Speiseplans: Der Verzehr von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen müsste sich verdoppeln. Der Konsum von rotem Fleisch und Zucker müsste sich dagegen mehr als halbieren. Pro Tag und Person werden 2 500 Kalorien veranschlagt – das entspricht einem hohen Energiebedarf. Wer etwa einen Bürojob hat, braucht weniger Kalorien am Tag. Das gilt auch für Frauen. Die Gesamt­kalorien könnten unter anderem auf 230 Gramm Voll­korn­produkte entfallen, auf 300 Gramm Gemüse, 75 Gramm Hülsen­früch­te – aber nur auf knappe 14 Gramm Rind, Lamm oder Schwein. Wie die wissenschaftlichen Ziel­vorgaben der Kommis­sion im Einzelnen aussehen, zeigt ihr Speiseplan (siehe unten).

Ernährungs­bedingten Krankheiten vorbeugen

Der Effekt könnte laut der Eat-Lancet-Kommis­sion gewaltig sein: Ein Wechsel von den jetzigen, teils ungesunden Ernährungs­weisen hin zur Planetary Health Diet könnte verhindern, dass jähr­lich 11 Millionen Menschen an ernährungs­bedingten Krankheiten sterben. Und der schonendere Umgang mit natürlichen Ressourcen könnte drastischen Umwelt­schäden vorbeugen. Dafür brauche es neben der Umsetzung des Speiseplans aber weitere Maßnahmen – wie eine verbesserte Lebens­mittel­herstellung, etwa durch einen spar­sameren Einsatz von Dünger und Wasser, sowie eine Halbierung der Lebens­mittel­abfälle und -verschwendung.

Empfehlungen ähneln sich

Die Ernährungs­pyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) stimmt im Ansatz mit der Planetary Health Diet über­ein: reichlich Obst und Gemüse, rotes Fleisch und Wurst nur in Maßen, wenig Süßes und wenig gesättigte Fette. Laut der DGE liegen die empfohlenen Lebens­mittel­mengen im Bereich der Orientierungswerte der DGE.

Gar nicht so schwer: Flexitarier werden 

Über­wiegend vegetarisch speisen, sich nur ab und an ein Schnitzel leisten – Gelegen­heits­vegetarier, auch Flexitarier genannt, machen das längst so. Wem Ideen für abwechs­lungs­reiche vegetarische Gerichte fehlen, kann sich von den Kochbüchern der Stiftung Warentest inspirieren lassen.

Tipp: Die Stiftung Warentest veröffent­licht regel­mäßig Unter­suchungen, die bei einer Umstellung zu einer weniger fleisch­betonten Ernährung helfen können – darunter Tests von Veggie-Brotaufstrichen, Vegetarischer Wurst, Haferdrinks, Nahrungsergänzungsmitteln für Vegetarier und Veganer.

Tabelle: Der Speiseplan für Welt­retter

Lebens­mittel­gruppe

So viele Gramm können Sie am Tag essen (mögliche Spann­breite)

So viele Kalorien nehmen Sie am Tag auf

Getreide_100.png

Voll­korn­getreide
(Reis, Weizen, Mais und andere)

232

811

Kartoffel_100.png

Knollen- oder stärke­gehaltiges Gemüse
(Kartoffeln und Maniok)

50
(0–100)

39

Moehren_100.png

Gemüse
(alle Gemüsesorten)

300
(200–600)

78

Apfel_100.png

Obst
(alle Obst­sorten)

200
(100–300)

126

Milch_100.png

Milch­produkte
(Voll­milch oder der Voll­milch entsprechende Produkte)

250
(0–500)

153

Eiweiß­quellen

Kuh_100.png

Rind, Lamm und Schwein

14
(0–28)

30

Huhn_100.png

Huhn und andere Geflügel­arten

29
(0–58)

62

Eier_100.png

Eier

13
(0–25)

19

Fisch_100.png

Fisch

28
(0–100)

40

Huelsenfruechte_100.png

Hülsenfrüchte

75
(0–100)

284

Nuesse_100.png

Nüsse

50
(0–75)

291

Zugesetzte Fette

oel_100.png

Ungesättigte Fette

40
(20–80)

354

Gesättigte Fette

11,8
(0–11,8)

96

Zugesetzter Zucker

Zucker.png

Alle zugesetzten Zucker

31
(0–31)

120

Quelle: Eat-Lancet-Kommis­sion, 2019.

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8 Kommentare Diskutieren Sie mit

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Lilo1982 am 08.01.2022 um 12:22 Uhr
Eiweiß ist nicht gleich Eiweiß

Mir fehlt bei dieser Betrachtung der Hinweis auf die unterschiedliche Wertigkeit von pflanzlichem und tierischem Eiweiß. Ich habe meine vegetarische Ernährung ohne hochverarbeitete Veggie-Burger u.ä. wieder aufgegeben, nachdem im Krankenhaus ein hochgradiger Eiweißmangel festgestellt wurde. Wer nicht jeden Tag ordentlich Hülsenfrüchte futtern mag (ist ja u.U. nicht gerade sozialverträglich), muss da wirklich aufpassen. Mir wurde es zu schwierig und es schmeckte dann auch nicht mehr...

peikifex am 16.05.2021 um 08:25 Uhr
Früher oder später muss man sich damit

Früher oder später muss man sich damit auseinandersetzen.
Wer sich die Meldungen der vergangenen Tage einmal angesehen hat, dem ist bei ein wenig nachrechnen klar, dass man pro Person noch ungefähr 50-80 Tonnen CO2 als Restbudget hat, wenn das Klima auch nur halbwegs stabilisiert werden soll. Der deutsche Durchschnitt liegt übrigens so bei 10+ Tonnen CO2 pro Jahr und Person.
Wer sich dazu noch fragt, woher der Planet unsere Lebensweise insgesamt nehmen soll, der stellt auch hier fest, dass wir 3-4 mal so viel verbrauchen wie es überhaupt gibt.
Es geht also schon länger nicht mehr um neue Smartphones, Fernseher, Autos und auch nicht um neue Klamotten.
Es wird um unser Überleben gehen.
Je schneller wir begreifen, dass man Geld nicht essen kann, um so besser.
Ich habe aber meine Zweifel.

lekanor am 02.05.2021 um 12:09 Uhr
"15 Prozent Treib­hausgas durch Ernährung"

"15 Prozent der Treib­hausgas-Emissionen pro Bundes­bürger und Jahr verursacht die Ernährung" - dies möchte ich nochmal rausstreichen, da der Untertitel ganz oben scheinbar leicht überlesen wird. Schaut man sich einige Balken an so sieht man eine erhebliche Möglichkeit der Verringerung der Emissionen bei der Ernährung, so dass ein Großteil der 15% wegfallen könnte!
Zum Thema Fisch: Hier ist zu beachten, dass die Fischbestände wohl weitgehend vor dem Zusammenbruch stehen (https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/fischerei/index.html). Man sollte also für sich prüfen ob ein etwaiger Schritt weg vom Fleisch nicht direkt zu pflanzlichen Produkten gehen könnte.
Auch der Hinweis auf die Art der Verpackung/Lagerung ist hilfreich, insgesamt ein schöner Artikel zur Schaffung von Aufmerksamkeit und Aufklärung. Danke!

flo232017 am 01.05.2021 um 07:45 Uhr
Landwirtschaft ersetzen

Man kann nur hoffen, dass die Landwirtschaft bald durch eine effizientere Produktion in Bioreaktoren ersetzt wird. Wie im Artikel richtig gezeigt, verteilt Bio das Problem nur anders auf den Feldern. Das Buch "Vom Ende der Landwirtschaft" ist ein guter Einstieg in die Thematik. Sich weniger tierisch zu ernähren, ist auf jeden Fall sinnvoll. Vielleicht mit mehr Fisch als Fleisch, Fisch (aus Wildfang!) muss nicht gehalten werden und überdüngt nicht die Gewässer.

Baldrius am 30.04.2021 um 18:32 Uhr
Artikel geht am eigentlichen Problem vorbei

Der Artikel soll nur das Gewissen mancher beruhigen, eine alternative ist es aber nicht.
Ich fände es besser, wenn die Leute essen was ihnen gut tut und was ihnen schmeckt.
Wenn man unbedingt was für die Umwelt tun will, dann sollte man sich saisonal ernähren. Es gibt genügend alternativen dazu.
Wer braucht schon Erdbeeren im Winter oder Knoblauch aus China?
Auch halte ich die Bio/Vegan/Tierwohl Siegel für sinnbefreit, denn wer genauer hinschaut, hat das nichts mit Bio oder Tierwohl zu tun. Es macht mehr Sinn, keinen indrustiellerzeugten/ -verarbeiteten Müll zu essen. Denn dabei bleibt Qualität auf der Strecke.