Klimafreundlich essen

Der Speiseplan für Welt­retter

01.05.2021
Klimafreundlich essen - So genießen Sie nach­haltig
Mehr Grünes für die Welt. Würden die Erdbe­wohner deutlich mehr Pflanzen­kost und weniger Fleisch verzehren, könnten bis zu 10 Milliarden Menschen satt werden. © shutterstock, Getty Images [M]

Um dem eigenen Körper und dem Planeten Gutes zu tun, raten Wissenschaftler zur „Planetary Health Diet“. test.de stellt sie vor.

Inhalt

Gesünder essen – mit gewaltigem Effekt

Essen für 10 Milliarden Menschen

Die gute Nach­richt inmitten der hitzigen Debatten um die Zukunft des Planeten lautet: Es ist möglich, 10 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 gesund zu ernähren, ohne dass die Erde dadurch Schaden nimmt. Von allein wird das allerdings nicht passieren: Die Menschheit müsste dafür ihr Ernährungs­verhalten stark ändern, vor allem Bewohner wohl­habender Länder. Sie müsste der „Planetary Health Diet“ folgen, einer Art Welt­retter-Speiseplan. Empfohlen wird er von der Eat-Lancet-Kommis­sion, der Experten der gemeinnützigen Stiftung Eat und des Medizin-Fach­blatts The Lancet angehören. Sie erarbeitete Ziel­vorgaben für eine gesunde Ernährung und nach­haltige Lebens­mittel­produktion.

Die klima­schädliche Seite der Land­wirt­schaft

23 Prozent aller welt­weiten Treib­hausgas-Emissionen wurden nach Angaben des Welt­klimarats von 2007 bis 2016 durch die Land­wirt­schaft, Forst­wirt­schaft und andere Formen der Land­nutzung durch den Menschen verursacht. Eine Schlüssel­rolle bei der Land­wirt­schaft spielen Lachgas und Methan, die beide um ein Vielfaches klima­schädlicher wirken als das allseits bekannte Kohlen­dioxid. Lachgas entsteht etwa, wenn stick­stoff­haltige Dünge­mittel zum Einsatz kommen. Methan bildet sich unter anderem durch Fermentations­prozesse im Magen von Wieder­käuern – Rind­fleisch hat darum grund­sätzlich eine schlechte Ökobilanz.

Viel Grünes, deutlich weniger Fleisch

Die Haupt­empfehlung des Welt­retter-Speiseplans: Der Verzehr von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen müsste sich verdoppeln. Der Konsum von rotem Fleisch und Zucker müsste sich dagegen mehr als halbieren. Pro Tag und Person werden 2 500 Kalorien veranschlagt – das entspricht einem hohen Energiebedarf. Wer etwa einen Bürojob hat, braucht weniger Kalorien am Tag. Das gilt auch für Frauen. Die Gesamt­kalorien könnten unter anderem auf 230 Gramm Voll­korn­produkte entfallen, auf 300 Gramm Gemüse, 75 Gramm Hülsen­früch­te – aber nur auf knappe 14 Gramm Rind, Lamm oder Schwein. Wie die wissenschaftlichen Ziel­vorgaben der Kommis­sion im Einzelnen aussehen, zeigt ihr Speiseplan (siehe unten).

Ernährungs­bedingten Krankheiten vorbeugen

Der Effekt könnte laut der Eat-Lancet-Kommis­sion gewaltig sein: Ein Wechsel von den jetzigen, teils ungesunden Ernährungs­weisen hin zur Planetary Health Diet könnte verhindern, dass jähr­lich 11 Millionen Menschen an ernährungs­bedingten Krankheiten sterben. Und der schonendere Umgang mit natürlichen Ressourcen könnte drastischen Umwelt­schäden vorbeugen. Dafür brauche es neben der Umsetzung des Speiseplans aber weitere Maßnahmen – wie eine verbesserte Lebens­mittel­herstellung, etwa durch einen spar­sameren Einsatz von Dünger und Wasser, sowie eine Halbierung der Lebens­mittel­abfälle und -verschwendung.

Empfehlungen ähneln sich

Die Ernährungs­pyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) stimmt im Ansatz mit der Planetary Health Diet über­ein: reichlich Obst und Gemüse, rotes Fleisch und Wurst nur in Maßen, wenig Süßes und wenig gesättigte Fette. Laut der DGE liegen die empfohlenen Lebens­mittel­mengen im Bereich der Orientierungswerte der DGE.

Gar nicht so schwer: Flexitarier werden 

Über­wiegend vegetarisch speisen, sich nur ab und an ein Schnitzel leisten – Gelegen­heits­vegetarier, auch Flexitarier genannt, machen das längst so. Wem Ideen für abwechs­lungs­reiche vegetarische Gerichte fehlen, kann sich von den Kochbüchern der Stiftung Warentest inspirieren lassen.

Tipp: Die Stiftung Warentest veröffent­licht regel­mäßig Unter­suchungen, die bei einer Umstellung zu einer weniger fleisch­betonten Ernährung helfen können – darunter Tests von Veggie-Brotaufstrichen, Vegetarischer Wurst, Haferdrinks, Nahrungsergänzungsmitteln für Vegetarier und Veganer.

Tabelle: Der Speiseplan für Welt­retter

Lebens­mittel­gruppe

So viele Gramm können Sie am Tag essen (mögliche Spann­breite)

So viele Kalorien nehmen Sie am Tag auf

Getreide_100.png

Voll­korn­getreide
(Reis, Weizen, Mais und andere)

232

811

Kartoffel_100.png

Knollen- oder stärke­gehaltiges Gemüse
(Kartoffeln und Maniok)

50
(0–100)

39

Moehren_100.png

Gemüse
(alle Gemüsesorten)

300
(200–600)

78

Apfel_100.png

Obst
(alle Obst­sorten)

200
(100–300)

126

Milch_100.png

Milch­produkte
(Voll­milch oder der Voll­milch entsprechende Produkte)

250
(0–500)

153

Eiweiß­quellen

Kuh_100.png

Rind, Lamm und Schwein

14
(0–28)

30

Huhn_100.png

Huhn und andere Geflügel­arten

29
(0–58)

62

Eier_100.png

Eier

13
(0–25)

19

Fisch_100.png

Fisch

28
(0–100)

40

Huelsenfruechte_100.png

Hülsenfrüchte

75
(0–100)

284

Nuesse_100.png

Nüsse

50
(0–75)

291

Zugesetzte Fette

oel_100.png

Ungesättigte Fette

40
(20–80)

354

Gesättigte Fette

11,8
(0–11,8)

96

Zugesetzter Zucker

Zucker.png

Alle zugesetzten Zucker

31
(0–31)

120

Quelle: Eat-Lancet-Kommis­sion, 2019.

01.05.2021
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