Mehr Grünes für die Welt. Würden die Erdbe­wohner deutlich mehr Pflanzen­kost und weniger Fleisch verzehren, könnten bis zu 10 Milliarden Menschen satt werden.

Gesund und zugleich klimafreundlich essen? Das könnte für manchen ein Vorsatz für 2020 werden. Um dem eigenen Körper und dem Planeten Gutes zu tun, raten Wissenschaftler zur „Planetary Health Diet“. test.de stellt sie vor.

Gesünder essen – mit gewaltigem Effekt

Essen für 10 Milliarden Menschen

Die gute Nach­richt inmitten der hitzigen Debatten um die Zukunft des Planeten lautet: Es ist möglich, 10 Milliarden Menschen bis zum Jahr 2050 gesund zu ernähren, ohne dass die Erde dadurch Schaden nimmt. Von allein wird das allerdings nicht passieren: Die Menschheit müsste dafür ihr Ernährungs­verhalten stark ändern, vor allem Bewohner wohl­habender Länder. Sie müsste der „Planetary Health Diet“ folgen, einer Art Welt­retter-Speiseplan. Empfohlen wird er von der Eat-Lancet-Kommis­sion, der Experten der gemeinnützigen Stiftung Eat und des Medizin-Fach­blatts The Lancet angehören. Sie erarbeitete Ziel­vorgaben für eine gesunde Ernährung und nach­haltige Lebens­mittel­produktion.

Die klima­schädliche Seite der Land­wirt­schaft

Nach Angaben des Welt­klimarats verursacht die Land­wirt­schaft derzeit etwa 31 Prozent aller welt­weiten Treib­hausgase. Eine Schlüssel­rolle dabei spielen Lachgas und Methan, die beide um ein Vielfaches klima­schädlicher wirken als das allseits bekannte Kohlen­dioxid. Lachgas entsteht etwa, wenn stick­stoff­haltige Dünge­mittel zum Einsatz kommen. Methan bildet sich unter anderem durch Fermentations­prozesse im Magen von Wieder­käuern – Rind­fleisch hat darum grund­sätzlich eine schlechte Ökobilanz.

Viel Grünes, deutlich weniger Fleisch

Die Haupt­empfehlung des Welt­retter-Speiseplans: Der Verzehr von Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Nüssen müsste sich verdoppeln. Der Konsum von rotem Fleisch und Zucker müsste sich dagegen mehr als halbieren. Pro Tag und Person werden 2 500 Kalorien veranschlagt – das entspricht einem hohen Energiebedarf. Wer etwa einen Bürojob hat, braucht weniger Kalorien am Tag. Das gilt auch für Frauen. Die Gesamt­kalorien könnten unter anderem auf 230 Gramm Voll­korn­produkte entfallen, auf 300 Gramm Gemüse, 75 Gramm Hülsen­früch­te – aber nur auf knappe 14 Gramm Rind, Lamm oder Schwein. Wie die wissenschaftlichen Ziel­vorgaben der Kommis­sion im Einzelnen aussehen, zeigt ihr Speiseplan (siehe unten).

Ernährungs­bedingten Krankheiten vorbeugen

Der Effekt könnte laut der Eat-Lancet-Kommis­sion gewaltig sein: Ein Wechsel von den jetzigen, teils ungesunden Ernährungs­weisen hin zur Planetary Health Diet könnte verhindern, dass jähr­lich 11 Millionen Menschen an ernährungs­bedingten Krankheiten sterben. Und der schonendere Umgang mit natürlichen Ressourcen könnte drastischen Umwelt­schäden vorbeugen. Dafür brauche es neben der Umsetzung des Speiseplans aber weitere Maßnahmen – wie eine verbesserte Lebens­mittel­herstellung, etwa durch einen spar­sameren Einsatz von Dünger und Wasser, sowie eine Halbierung der Lebens­mittel­abfälle und -verschwendung.

Linsen und Nüsse kommen noch zu kurz

Die Ernährungs­pyramide der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) stimmt im Ansatz mit der Planetary Health Diet über­ein: reichlich Obst und Gemüse, rotes Fleisch und Wurst nur in Maßen, wenig Süßes und wenig gesättigte Fette. Hülsenfrüchte und Nüsse weist die Pyramide aber nicht gesondert auf. Die DGE und andere Fachgesell­schaften wollen ihre Empfehlungen über­prüfen.

Gar nicht so schwer: Flexitarier werden 

Über­wiegend vegetarisch speisen, sich nur ab und an ein Schnitzel leisten – Gelegen­heits­vegetarier, auch Flexitarier genannt, machen das längst so. Wem Ideen für abwechs­lungs­reiche vegetarische Gerichte fehlen, kann sich von den Kochbüchern der Stiftung Warentest inspirieren lassen.

Tipp: Die Stiftung Warentest veröffent­licht regel­mäßig Unter­suchungen, die bei einer Umstellung zu einer weniger fleisch­betonten Ernährung helfen können – darunter Tests von Kokosöl, vegetarischer Wurst, Sojadrinks oder Nahrungsergänzungsmitteln für Vegetarier und Veganer.

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Tabelle: Der Speiseplan für Welt­retter

Lebens­mittel­gruppe

So viele Gramm können Sie am Tag essen (mögliche Spann­breite)

So viele Kalorien nehmen Sie am Tag auf

Lebens­mittel­gruppe

So viele Gramm können Sie am Tag essen (mögliche Spann­breite)

So viele Kalorien nehmen Sie am Tag auf

Getreide_100.png

Voll­korn­getreide
(Reis, Weizen, Mais und andere)

232

811

Kartoffel_100.png

Knollen- oder stärke­gehaltiges Gemüse
(Kartoffeln und Maniok)

50
(0–100)

39

Moehren_100.png

Gemüse
(alle Gemüsesorten)

300
(200–600)

78

Apfel_100.png

Obst
(alle Obst­sorten)

200
(100–300)

126

Milch_100.png

Milch­produkte
(Voll­milch oder der Voll­milch entsprechende Produkte)

250
(0–500)

153

Eiweiß­quellen

Kuh_100.png

Rind, Lamm und Schwein

14
(0–28)

30

Huhn_100.png

Huhn und andere Geflügel­arten

29
(0–58)

62

Eier_100.png

Eier

13
(0–25)

19

Fisch_100.png

Fisch

28
(0–100)

40

Huelsenfruechte_100.png

Hülsenfrüchte

75
(0–100)

284

Nuesse_100.png

Nüsse

50
(0–75)

291

Zugesetzte Fette

oel_100.png

Ungesättigte Fette

40
(20–80)

354

Gesättigte Fette

11,8
(0–11,8)

96

Zugesetzter Zucker

Zucker.png

Alle zugesetzten Zucker

31
(0–31)

120

    Quelle: Eat-Lancet-Kommis­sion, 2019.

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