Klimafonds Schnelltest

Den Schnellzug TGV baut Alstom aus Frankreich. Die Aktie steckt in vielen Klimafonds.

Klimafonds sind der letzte Schrei. Finanztest hat die neuen Angebote unter die Lupe genommen und festgestellt, dass altgediente Ökofonds längst am Klimaschutz verdienen.

Es wird wärmer auf der Welt. Um durchschnittlich zwei Grad wird sich die Atmosphäre unvermeidbar aufheizen, heißt es. Höchste Zeit, den Ausstoß von Treibhausgasen zu verringern. Darüber sind sich alle einig. Doch während die Politiker noch reden, schafft die Wirtschaft Fakten.

Die Finanzhäuser werfen Fonds und Zertifikate auf den Markt, mit denen private Anleger „vom Klimawandel profitieren“ können, so die Werbung. Die Fonds investieren in die Branche der erneuerbaren Energien und in Firmen, die dafür sorgen, dass der Kohlendioxidausstoß geringer wird – Hersteller von Dämmstoffen oder Luftfiltersystemen zum Beispiel.

Verkaufsschlager

Klimafonds Schnelltest

Der französische Stromkonzern EdF zählt zu den größten Positionen im Klimafonds von KBC. Atomstrom ist umstritten, obwohl kein CO2 anfällt.

Alles nur ein Marketing-Gag? Nein, behauptet Nicolas Huber, der den neuen DWS Klimawandelfonds managt. „Ausschlaggebend sind finanzielle Argumente“, sagt er. Die Unternehmen haben erkannt, dass sie viel Geld verbrennen, wenn sie weiter so viel Energie verbrauchen wie bisher. Je mehr sie sparen, desto höher ist am Jahresende ihr Gewinn – und die Rendite für die Anleger. „Klimaschutz mit gleichzeitigem Renditepotenzial“ stellt denn auch die Fondsgesellschaft Swisscanto den Käufern des Swisscanto Equity Fund Climate Invest in Aussicht.

Ökofonds haben großen Zulauf: Um 4 Milliarden Euro stieg im ersten Quartal das Fondsvolumen der 143 im deutschsprachigen Raum zugelassenen ethisch-ökologischen Fonds, hat das Institut für Ökologie und Unternehmensführung in Östrich-Winkel ausgerechnet.

Geld regiert auch die USA, das Land der höchsten CO2-Emissionen pro Kopf weltweit. „Die amerikanischen Firmen sind weiter als der amerikanische Präsident“, sagt Christian Zimmermann von Pioneer Investments. Er zeichnet für den Fonds Pioneer Global Ecology verantwortlich, den früheren Activest Eco Tech. „Wer sich ökologisch aufstellt, hat einen Wettbewerbsvorteil.“

Das Energiesparen senkt nicht nur Kosten, sondern kurbelt auch die Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten und Technologien an. Davon profitieren die Hersteller – und mit ihnen die Anleger.

Der Pioneer Global Ecology steht seit Jahren im Finanztest-Dauertest in der Spitzengruppe der Aktienfonds Welt. Zurzeit investiert er überwiegend in Windkraft und Wasseraufbereitung – kaum anders als die neuen Klimawandelfonds. „Alle, die sich öko auf die Fahne geschrieben haben, haben Klima drin“, sagt Manager Zimmermann.

Dem kann Andreas Knörzer von Sarasin nur zustimmen: „Wir machen schon seit 14 Jahren Klimawandelfonds, wir nennen das nur nicht so“, sagt er. Die Schweizer Bank Sarasin gehört im deutschsprachigen Raum zu den führenden Anbietern nachhaltiger Geldanlagen.

Öko hat viele Farben

Die Vorstellung davon, was gut für Umwelt und Anleger ist, gehen weit auseinander. Was ökologisch, sozial und ethisch ist, interpretiert jeder Anbieter anders.

Das fängt schon bei den Branchen an, die mitmachen dürfen. Manche Fondsmanager geben allen Unternehmen eine Chance, auch Öl-, Luftfahrt- oder Minenkonzernen – solange sie ihr Geschäft so sauber wie möglich betreiben und in ihrer Branche eine Vorreiterrolle einnehmen.

Andere schließen Firmen, deren Produkte die Umwelt schädigen, von vornherein aus. Der Fonds LBBW Global Warming zum Beispiel kauft keine Aktien von Öl-, Transport- und Logistikunternehmen. „Nur Eisenbahn ist erlaubt“, sagt Manager Wolfgang Schrage.

Der Pioneer Global Ecology, der weltweit und nicht nur in der Umweltbranche nach Aktien sucht, beteiligt sich nicht an Firmen, die gegen Menschen- und Arbeitsrechte verstoßen, Waffen produzieren oder Drogen. Manager Zimmermann verlässt sich dabei auf das Urteil der Münchner Ratingagentur Oekom.

Sarasin geht noch weiter und schließt auch Atomkraft aus. „Ökologisch orientierte Anleger wollen keine Kernenergie“, sagt der Nachhaltigkeitsexperte Knörzer.

In einigen Klimafonds finden sich allerdings Unternehmen, die ihr Geld mit Atomstrom verdienen. „Derzeit ist Atomkraft eine Möglichkeit, auf CO2- Emissionen zu verzichten“, sagen die Befürworter. „Viel zu gefährlich“, wenden die Gegner ein, „und das Problem der Endlagerung ist auch nicht gelöst.“

Der elfköpfige Anlageausschuss des weltweit anlegenden Fonds Ökovision schließt nicht nur Atomenergie aus, sondern nimmt sämtliche sozialen und ökologischen Aspekte genau unter die Lupe. „Nach unserem Verständnis erfüllen wir eine gesellschaftspolitische Aufgabe“, sagt der Erfinder des Fonds, Alfred Platow.

Gleich welche Maßstäbe die Fondsgesellschaften anlegen, nachhaltig ist eine Geldanlage nur, wenn sie außer ökologischen, ethischen und sozialen auch ökonomische Ansprüche erfüllt: Sie muss sich lohnen.

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