Klimabewusste Flugreisen Meldung

Das Beste fürs Klima wäre, gar nicht mehr zu fliegen. Flugzeuge verursachen immerhin rund 10 Prozent der globalen Klimaerwärmung. Doch nicht jeder kann oder will auf das Flugzeug verzichten - besonders bei weiten Entfernungen. Während Schiffe rund eine Woche für die Fahrt über den Atlantik brauchen, legen Flieger die gleiche Strecke in 7-8 Stunden zurück. Für Menschen, denen die Folgen ihres Fliegens nicht egal sind, gibt es verschiedene gemeinnützige und profitorientierte Organisationen, bei denen sie für ihre „Klimasünden“ bezahlen können. test.de gibt einen Überblick.

Bleibende Schäden

Grundsätzlich kann niemand die durch einen Flug angerichteten Umweltschäden ungeschehen machen. Die ausgestoßenen Schadstoffe wie Kohlendioxid (CO2) und Stickoxide bleiben bis zu 100 Jahre in der Atmosphäre. Darüber hinaus lassen die Kondensstreifen und Schleierwolken die von der Erde reflektierten Sonnenstrahlen schlechter abziehen. Folge: Die Erde heizt sich auf. Diese Klimaschäden lassen sich nur ausgleichen, indem an anderer Stelle weniger Klimakiller freigesetzt werden.

Zu viel Kohlendioxid

Wie viele Schadstoffe beim Flug entweichen, hängt von mehreren Faktoren ab: Entfernung, Flughöhe, Flugzeugtyp sowie Anzahl der Passagiere. Mit den Rechnern auf den Internetseiten der meisten Umweltorganisationen kann jeder selbst ermitteln, wieviel CO2 während seines Fluges ausgestoßen wird. Beispiele: Auf der Strecke von Hamburg nach München setzt ein Flugzeug pro Person 170 Kilogramm Kohlendioxid frei, die Bahn 34 Kilogramm. Bei einem Flug von Frankfurt in die Dominikanische Republik entstehen dagegen rund 2,8 Tonnen CO2 - pro Passagier. Zum Vergleich: Um die Klimaerwärmung in verträglichen Grenzen zu halten, dürfte jeder Mensch im Schnitt nur 3 Tonnen CO2 pro Jahr verursachen. Wer einmal in die Karibik und zurück jettet, hat sein klimaverträgliches Jahresbudget somit schon deutlich überschritten. Hinzu kommen in der Regel noch Emissionen durch Haushaltsgeräte, Computer und Autofahren.

Freiwillige Abgaben

Für jede Tonne CO2 berechnen die Klimaschutz-Agenturen eine freiwillige Abgabe zwischen 9 und 60 Euro. Dieses Geld fließt in Klimaschutzprojekte, die möglichst die gleiche Menge Kohlendioxid einsparen sollen. Die Organisation Atmosfair beispielsweise, bei der unter anderem die Bundesregierung ihre Dienstreisen klimatisch neutralisiert, liefert Solarenergie an 18 indische Großküchen, die bisher mit umwelt- und gesundheitsbelastendem Dieselöl oder Holz heizten. So sparen sie bis zum Jahr 2012 rund 4 000 Tonnen CO2 ein. Myclimate dagegen vermeidet den Einsatz fossiler Brennstoffe unter anderem durch Windenergieanlagen auf Madagascar oder Strom aus Methan in Südafrika. Native Energy baut alternative Energieanlagen in Indianer-Reservaten in den USA. Bei Projekten zur Aufforstung des Regenwaldes wie zum Beispiel von Co2ol gehen die Expertenmeinungen auseinander. Auf der einen Seite binden Bäume CO2 nicht dauerhaft. Brennt der Wald ab, entweicht der gespeicherte Kohlenstoff wieder als Kohlendioxid-Emission. Auf der anderen Seite können Bäume sehr lange leben und bieten einen Lebensraum für Pflanzen und Tiere.

Für ein sauberes Gewissen

So unterschiedlich wie die unterstützten Klimaschutzprojekte, so unterschiedlich sind auch die Organisationen selbst. Manche Rechner sind ungenau oder kalkulieren den Schadstoffausstoß zu niedrig. Andere legen sich nicht auf Klimaschutzstandards fest und lassen ihre Projekte nicht von unabhängigen Kontrolleuren prüfen. Auch der Preis je Tonne Kohlendioxid geht zum Teil stark auseinander. So berechnet die gewinnorientierte Climate Company den Spitzensatz von 59,90 Euro für eine eingesparte Tonne CO2. Davon fließt jedoch nur ein Drittel in emissionsreduzierende Projekte. Den Rest verbucht das Unternehmen unter anderem für Werbung, Verwaltungskosten und als Gewinn.

Fazit

Wer eine dieser Klimaorganisationen mit einer freiwilligen Abgabe unterstützen möchte, sollte sich vorher also gut über das Programm informieren. Ein einheitliches Gütesiegel für die Ablasshändler gibt es bisher nicht. Eine Orientierung verschafft jedoch die Tabelle. Trotzdem: Der moderne Ablass ist nur die zweitbeste Lösung. Wesentlich besser ist es, selbst klimaschädliches Verhalten zu vermeiden.

Tabelle: Klimaschutz-Agenturen im Überblick
Tipps:
 Für den Klimaschutz im Alltag

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