Klima und Geld­anlage Meldung

Keine Zukunft: Das 1926 in Betrieb gegangene, von RWE Power betriebene Braunkohle­kraft­werk in Nord­rhein-West­falen soll bis 2018 still­gelegt sein.

Der Klimagipfel in Paris hat weitreichende Beschlüsse gefasst – für viele Anleger Anlass, sich Gedanken über Umwelt­schutz zu machen. Einige verzichten aus ethischen Gründen darauf, in Aktien von Energie- oder Rohstoff­konzernen zu investieren. Andere haben Zweifel an deren wirt­schaftlicher Zukunft und vermeiden Investments aus Angst vor Verlusten. test.de erläutert die Hintergründe und gibt Anlagetipps – nicht nur für Ökos.

Das Zwei-Grad-Ziel

Um Treib­hausgase wie Kohlen­dioxid (CO2) einzusparen, müssten die Menschen auf fossile Brenn­stoffe wie Kohle, Öl und Gas möglichst verzichten. Tun sie das, lohnen sich auch die Geschäfte von Unternehmen der Energie- und Berg­baubranche nicht mehr, was Auswirkungen auf deren Aktienkurs hat – so die These. Wenn sich die Erde um höchs­tens zwei Grad erwärmen soll, dann dürfen bis 2050 wohl nur ungefähr 20 Prozent der bekannten Reserven an Öl, Kohle und Gas verbrannt werden. Zu diesem Ergebnis kommt eine gemein­same Studie der Umwelt­organisation Carbon Tracker und der London School of Economics. Das Zwei-Grad-Ziel – höchs­tens zwei Grad mehr als vor der Industrialisierung – wurde auf dem Klimagipfel 2010 in Cancún offiziell anerkannt. Seither fehlte es an konkreten Vorgaben zur Umsetzung – die erhoffen sich Klima­schützer vom jetzigen Gipfel in Paris.

Die CO2-Blase

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Wenn Anleger fossilen Energien den Geldhahn zudrehen: der Podcast mit Finanztest-Redak­teurin Karin Baur.

Wenn 80 Prozent der bekannten Reserven im Boden bleiben müssten, dann wären die Aktien von Energie- und Berg­baukonzernen womöglich überbewertet – eine klassische Preisblase. Die These ist allerdings mit einigen Unsicherheiten behaftet: Erstens ist nicht klar, wie viel CO2 einge­spart werden muss, um das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen. Die Schät­zungen schwanken stark. Zweitens weiß keiner, ob und inwieweit die Informationen in den Aktien­kursen schon einge­preist sind.

Allianz will nicht mehr in Kohle investieren

Einige Anleger haben den Ausstieg schon beschlossen. Die Allianz hat kurz vor Beginn des Pariser Gipfels verkündet, dass sie mit Blick auf das Zwei-Grad-Ziel und die ökonomischen Risiken „keine kohlebasierten Geschäfts­modelle“ mehr finanzieren will. Aktien von Unternehmen, die mehr als 30 Prozent ihres Umsatzes mit dem Kohle­abbau oder der Energie­erzeugung mit Kohle erzielen, sollen verkauft werden. Es handelt sich um ein Volumen von 225 Millionen Euro. Anleihen im Wert von 3,9 Milliarden Euro sollen auslaufen. Auch andere große Investoren hatten schon ihren Rück­zug erklärt, etwa der Norwegische Pensions­fonds und sogar der Rockefeller Brothers Fund, dessen Vermögen unter anderem aus Ölgeschäften stammt.

Fonds für private Anleger

Auch private Anleger können klimafreundlich investieren, etwa mit dem Fonds Ökovision von Ökoworld. Der Fonds investiert welt­weit in Aktien und hat in in unserem Test von ethisch-ökologischen Aktienfonds am besten abge­schnitten. Er erfüllt alle klimarelevanten Kriterien, das heißt er schließt alle Unternehmen aus, die Kohle­kraft­werke betreiben, finanzieren, Kohle fördern oder mit Kohle­strom handeln. Außerdem investiert der Ökovision gezielt in erneuer­bare Energien. In der Fonds-Bewertung von Finanztest hat er derzeit 3 Punkte, das ist Durch­schnitt. Auch der Fonds Green Effects, der Titel des Natur­aktien­index‘ (NAI) kauft, erfüllt die Klima-Kriterien. Für eine Bewertung ist er jedoch zu klein. Mit vier Punkten eine über­durch­schnitt­liche Finanztest-Bewertung hat der Fonds Triodos Sustainable Equity, der allerdings weniger streng zu Werke geht. Er erlaubt etwa die Finanzierung von Kohle­kraft­werks­neubauten und die Förderung von Erdöl. Neu ist ein börsen­gehandelter Indexfonds (ETF), der Amundi MSCI World Low Carbon. Er investiert welt­weit, schließt aber einen Teil der Aktien mit den höchsten Treib­hausgas­emissionen aus.

Tipp: In der Unter­suchung der ethisch-ökologischen Aktienfonds finden Sie eine Über­sicht über die besten Fonds für Klimafreunde.

Saubere Zins­angebote

Eine Alternative zu Fonds sind Tages­geld, Fest­geld oder Spar­briefe. Auch hier können Anleger klimafreundlich sparen, beispiels­weise indem sie ihr Geld zu einer der ethisch-ökologischen Banken bringen. Welche es gibt und wie lukrativ ihre Zins­angebote sind, zeigt unser Produktfinder ethisch-ökologische Geldanlage, der immer zum Monats­anfang aktualisiert wird. Auch einige herkömm­liche Banken und Sparkassen bieten klimafreundliche Spar­anlagen an. Das Geld fließt gezielt in Umwelt­projekte, zum Beispiel die Finanzierung erneuer­barer Energien oder Energieeffizienz. Mehr über klimafreundliche Spar­angebote finden Sie bei der Verbraucherzentrale Bremen. ­

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