Ohne lange suchen zu müssen, finden Fotofreunde gute vollautomatische Kleinbild-Sucher­kameras mit Zoomobjektiv zu passablen Preisen zwischen 85 und 305 Euro.

Jahrzehntelang waren Kleinbild-Sucherkameras unangefochtene Nummer eins bei Fotoapparaten. Im letzten Jahr fielen sie erstmals hinter die unaufhaltsam vorpreschenden digitalen Kameras auf Rang zwei zurück. Die Spitze werden sie wohl nie wieder zurückerobern. Doch im Unterschied zu den kaum mehr gefragten APS-Apparaten finden analoge Kleinbild-Suchermodelle immer noch genügend Freunde, die sich für sie begeistern. Und das sind nicht nur Computermuffel, die einer Digitalkamera wenig abgewinnen können.

Vor allem preisbewusste Konsumenten bevorzugen nach wie vor Kleinbildkameras mit dem Negativformat 24 x 36 Millimeter. Denn im Preis sind sie bisher unschlagbar. Das heißt: Bei vergleichbarer Qualität und Ausstattung kosten analoge Modelle mit Durchsichtsucher nicht einmal halb so viel wie ihre filmlosen digitalen Brüder.

Wir untersuchten jetzt 18 vollautomatische Kleinbild-Sucherfabrikate zwischen 85 und 305 Euro. Alle haben ein Zoomobjektiv: sieben mit zwei- bis dreifachem und elf mit drei- bis annähernd fünffachem Brennweitenbereich beziehungsweise Zoomfaktor (siehe Tabelle unter „Ausstattung/Technische Merkmale“). Der Zoom – die stufenlos veränderbare Brennweite – erweitert den Blickwinkel und ermöglicht verschiedene Perspektiven: von Weitwinkel- (28 bis 38 Millimeter Brennweite) über Porträt- (70 bis 110 Millimeter) bis zu Teleaufnahmen (115 bis 160 Millimeter).

Hinter dem Zoomobjektiv steckt eine geballte Ladung Elektronik. Sie steuert fast alle Kamerafunktionen, liest zum Beispiel die Filmempfindlichkeit ab, regelt die Belichtung, stellt die Entfernung ein, schaltet bei unzureichendem Licht den eingebauten Blitz ein, transportiert den Film weiter und spult ihn am Ende wieder zurück. Freilich fehlt immer noch die oft beschworene Motivklingel, sodass der Fotograf seine Motive weiterhin allein suchen muss. Außerdem kommt er nicht umhin, für den Schnappschuss einen Finger zum Auslösen zu krümmen.

Meist scharfe Fotos

Wer einen Blick für attraktive Fotomotive hat, kann sie gewöhnlich auch problemlos scharf ins Bild setzen. Denn auf die automatische Entfernungseinstellung, den bequemen Autofokus, ist in der Regel bei sämtlichen Testmodellen Verlass. Nur wenige haben bei Dämmerlicht etwas Mühe, scharf zu stellen. Die Schärfe hängt jedoch nicht nur von der Genauigkeit des Autofokussystems ab, sondern hauptsächlich von der Güte des Objektivs. Und hier zeigten sich einige beachtenswerte Unterschiede bei den verschiedenen Brennweiten. So bilden zum Beispiel Yashica EZ 105, Pentax Espio 140 V und Olympus mju III 120 bei längster Brennweite sowie Fujifilm Zoom Date 160 S im mittleren Porträtbereich nur „ausreichend“ scharf ab. Konica Z-up 150 e kassierte in der Teleeinstellung sogar ein „Mangelhaft“. Deshalb konnten diese fünf Fabrikate trotz sonst überwiegend positiver Testergebnisse keine „gute“ Bildqualität mehr erzielen. Letztlich wurden sie aber immerhin noch mit „befriedigend“ bewertet. Ganz knapp schrammte übrigens Konica Z-up 80 e am Endurteil „gut“ vorbei. Schuld daran war ihre relativ schwierige Handhabung.

Kaum Belichtungsprobleme

Bei der im Wesentlichen sehenswerten Bildqualität bleiben noch ein paar Unzulänglichkeiten zu erwähnen. Auffällig sind zum Beispiel einige Verzeichnungen bei kürzester Brennweite (Weitwinkel), die grundsätzlich ebenso systembedingt sind wie etliche Reflexe bei Gegenlichtaufnahmen. Erfreulich dagegen, dass die automatischen Belichtungssysteme mehrheitlich „sehr gut“ funktionieren. Doch nur fünf Produkte verfügen über eine manuelle Belichtungskorrektur. Sie kann bei problematischen Lichtverhältnissen, beispielsweise bei krassen Kontrasten, welche die Automatik überfordern, zu besseren Fotos führen.

Von der Kamera verursachte Fehlbelichtungen können meistens durch den großen Belichtungsspielraum der Filme oder im Entwicklungslabor ausgeglichen werden. Farbnegativfilme verzeihen besonders Überbelichtungen bis zu drei Blenden- oder Zeitstufen. Unterbelichtungen verkraften sie längst nicht so gut, wie wir bei unseren Filmtests wiederholt festgestellt haben.

Apropos Filme: Angesichts der in dieser Kamerakategorie prinzipiell arg lichtschwachen Zoomobjektive sollten möglichst hoch lichtempfindliche Filme verwendet werden, mindestens 200 ISO. Vorteilhafter sind etwas teurere 400- oder gar 800-ISO-Fabrikate. Bei den niedrig empfindlichen 100-ISO-Filmen stoßen die Apparate an trüben Tagen zu schnell an ihre Grenzen. Und selbst der stärkste Blitz kann da nichts retten.

Vorwiegend positive Einbaublitze

Von den in die Kompaktkameras eingebauten Miniblitzgeräten darf man nicht zu viel erwarten: Das Blitzlicht reicht bei Weitwinkelstellung des Objektivs bestenfalls an die acht Meter, bei Telestellung lediglich bis rund drei Meter. Weiter entfernte Sehenswürdigkeiten sind also nicht mehr klar zu erkennen. Dafür werden die Aufnahmen indes fast immer gleichmäßig ausgeleuchtet, dunkle Bildecken oder -ränder sind selten.

Leider bieten aber nur vier Kameras „sehr gute“ Rote-Augen-Reduzierungsvorkehrungen (Vorblitze oder Lampenlicht): Leica C 2, Olympus mju III Wide 100, Jenoptik Jencompact JC 46 d und Konica Z-up 150 e. Am schwächsten („ausreichend“) reduzierten Yashica EZ 105 und Olympus mju III 120 die unschönen blutroten Pupillen bei geblitzten Porträts. Insgesamt verdienten die Einbaublitze recht günstige Beurteilungen.

Mittelmäßige Handhabung

Etwas enttäuschende Ergebnisse lieferten dagegen die Handhabungsprüfungen. Trotz aller komfortablen Automatik kam in diesem Testabschnitt keine Kamera über ein „Befriedigend“ hinaus. Wie aus der Tabelle hervorgeht, hapert es mitunter an der Gebrauchsanleitung, an der Handlichkeit beim Fotografieren und am Film- oder Batteriewechsel. Pluspunkte sammelten aber die meisten Modelle mit ihren erstaunlich genauen Suchern – obwohl sie natürlich nicht an die präzisen Spiegelreflexsucher des gleichnamigen Kameratyps heranreichen, die jedes Motiv so exakt zeigen, wie es dann auch auf dem Film und auf dem späteren Foto oder Dia erscheint.

Auf die Handhabung wirken sich oft auch Größe und Gewicht einer Kamera aus. Und das hängt zum erheblichen Teil von der Ausstattung, nicht zuletzt von der Länge des Zoomobjektivs ab. Alle getesteten Geräte sind jedoch so kompakt, dass sie bequem in die Jackentasche passen. Außerdem sind sie leicht genug für längere Fototouren: Sie wiegen schnappschussbereit zwischen 183 Gramm (Konica Z-up 80 e) und 280 Gramm (Jenoptik Jencompact JC 46 d). Damit können die Kleinbildkameras locker mit ihren inzwischen beliebteren digitalen Konkurrenten Schritt halten.

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