Kleinbild-Farbfilme Test

Die meisten der 25 getesteten Farbnegativ- und Diafilme bestachen durch ihre gute Farbwiedergabe und hohe Schärfe. 10 waren letztlich aber nur „befriedigend“.

Aus dem Volk der Dichter und Denker ist längst ein Volk der Reisenden und Knipser geworden. Das zeigt auch die Flut der Fotos, die jede Urlaubsreise dokumentieren: Onkel Otto am Orinoko, Tante Tanja in Tansania. Und trotz der fortschreitenden Digitalisierung mit Chips und Pixeln hat der gute alte Chemiefilm keineswegs ausgedient: Rund 187 Millionen Filme wurden vergangenes Jahr in Deutschland belichtet. Der Löwenanteil von 87 Prozent entfiel auf Farbnegativfilme, während Diafilme sich mit mageren 7 Prozent bescheiden mussten. Den Rest teilten sich Sofortbildfilme (4 Prozent) und Schwarzweißfilme (2 Prozent). Mit 5,25 Milliarden bunten Papierabzügen wurde wieder ein neuer Rekord aufgestellt.

Ähnlich wie die noch recht jungen APS-Filme befinden sich die klassischen Diafilme zahlenmäßig weiter auf dem absteigenden Ast. Dennoch haben wir sie nach vier Jahren erstmals wieder getestet. Denn gerade ambitionierte Fotoamateure mit Spiegelreflexausrüstung – von Profis ganz zu schweigen – schwören nach wie vor auf die 24 x 36 Millimeter kleinen transparenten Bilder, die erst auf der Leinwand groß herauskommen. Da wird der aufwendige Aufbau von Projektor und Leinwand gern in Kauf genommen. Schneller und überall vorzeigbar sind die Papierfotos der Farbnegativfilme, die auch den Schwerpunkt unserer Untersuchung bilden. Selbstverständlich lassen sich auch von Dias Papiervergrößerungen anfertigen. Die sind aber teurer und sehen lange nicht so brillant aus wie die ursprünglichen Diapositive.

Dias oder Papierbilder?

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Zunächst einmal unterscheiden sich die beiden Filmarten im Namen auf der Verpackung: Diafabrikate enden meist auf „chrome“, der griechischen Bezeichnung für Farbe, Negativfilme auf „color“ (lateinisch). Diese Begriffe führen meist alle fünf Filmhersteller im Schilde – Agfa, Ferrania, Fujifilm, Kodak und Konica, ebenso die anderen Marken, die von diesen Firmen stammen. Fachleute nennen den Diafilm übrigens Farbumkehrfilm: Beim Entwickeln entstehen zuerst negative Aufnahmen, die dann in positive (Diapositive) „umgekehrt“ werden.

Beide Filmtypen gibt es mit verschiedenen Lichtempfindlichkeiten – angegeben in ISO-Zahlen (International Standard Organization), zum Beispiel 100, 200 oder 400. Das entspricht den altbekannten ASA-Werten (American Standard Association). Dabei ist die jahrelang übliche DIN-Bezeichnung in GRAD (21°, 24°, 27°) fast in Vergessenheit geraten. Je größer die Zahl, desto empfindlicher ist der Film, sprich, desto weniger Licht braucht er beim Fotografieren. Das ermöglicht kürzere Verschlusszeiten oder kleinere Objektivblenden und hat praktische Vorteile: Die Verwacklungsgefahr sinkt, die Schärfentiefe steigt.

Bei den Negativfilmen hat sich 200 ISO zum Standard entwickelt: Der Fotofreund benutzt inzwischen zu rund 70 Prozent Streifen mit dieser Empfindlichkeit. Die früheren Favoriten, die 100er Filme, werden heutzutage viermal weniger in die Kamera eingelegt. Etwa fünf Prozent der verkauften Farbnegativfilme sind höher empfindliche 400er Fabrikate, die mit nur einem Viertel der Lichtmenge auskommen, die ein 100er Film für ausreichend helle Fotos benötigt. Dem einzigen Testfilm mit ISO 1600 (Fujicolor Superia 1600) reicht sogar ein Sechzehntel des Lichts. Er ist deshalb besonders für Aufnahmen in der Dämmerung prädestiniert. Selbst romantische Szenen bei Kerzenschein lassen sich damit stimmungsvoll einfangen.

Schön scharf

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Dieser Vorteil hat freilich seinen Preis. Mit fast sieben Euro kostet der 1600er Fujicolor durchschnittlich doppelt so viel wie ein 400er und dreimal so viel wie manch 200er Negativfilm. Dafür muss man jetzt auch keine deutlich geringere Schärfe mehr in Kauf nehmen, wie es vor einiger Zeit bei hoch empfindlichen Filmen noch der Fall war. Im Test hinterließ der Superia 1600 immerhin einen „befriedigenden“ Schärfeeindruck (Note 3,1) und kam damit sogar an die beiden 400er Filme von Ferrania und Konica heran.

Am schärfsten bei den 400er Negativfilmen sind AS Fotoland von Schlecker, Club Color von Bertelsmann, Fujicolor Superia X-TRA und Agfa Vista (jeweils Note 2,2), bei den 200ern mit klarem Abstand Fujicolor Superia (Note 1,7) und Kodak Farbwelt (Note 1,8).

Praktisch alle Fabrikate haben in den letzten Jahren erfreuliche Fortschritte gemacht. Sie sind immer feinkörniger geworden und bieten ein höheres Auflösungsvermögen. Das ist auch noch das entscheidende Plus der analogen Fotografie gegenüber der digitalen. Sie erlaubt nicht nur gestochen scharfe Bilder im 9x13- oder 10x15-Format, sondern auch ansehnliche Vergrößerungen bis hin zu Postern, auf denen bloß bei genauerer Betrachtung eine gröbere Körnigkeit zu entdecken ist.

Unschlagbar in der Schärfe sind allerdings meis die Diafilme. Da schoss der Fujichrome Sensia 200 mit der Bestnote 1,2 den Vogel ab. Er wirkt sogar noch eine Idee schärfer als der Klassensieger in der 100er Gruppe, der ebenfalls sehr gute Fujichrome Sensia 100 (Note 1,3). Dagegen enttäuschte hier Ferrania Solaris Chrome 100 mit nur „befriedigender“ Schärfe. Er wurde mit 3,1 sogar eine ganze Stufe schlechter benotet als der „gute“ 400er Fujichrome Sensia.

Farbstiche fast Fehlanzeige

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Im wichtigen Prüfpunkt Farbwiedergabe gefielen die meisten Filme des Tests – mehr oder weniger. Gefordert waren vor allem originalgetreue Farben, die objektiv mit Messungen und subjektiv durch fünf erfahrene Prüfpersonen bewertet wurden. Etwas negativ aus dem Rahmen fiel ausgerechnet der mit 7,65 Euro teuerste Diafilm Kodak Elite Chrome 400, bei dem wir einen deutlichen Rotstich feststellten. Wer auf Naturtreue pfeift und satte warme Farben liebt, greift aber vielleicht gerade deshalb zu diesem Fabrikat. Vor Jahren häufig beobachtete (kalte) Grün- oder Blaustiche sind mittlerweile von der Bildfläche verschwunden. Es sei denn, im Fotolabor wurde geschludert. Der Einfluss des Labors beim Entwickeln der Filme ist nicht zu unterschätzen. Speziell die Abzüge von Negativfilmen können durch den Printer ziemlich verpfuscht werden. Zumal in Ferienzeiten, wenn im automatisierten Großlabor Hochbetrieb herrscht und die manuelle Endkontrolle zu wünschen übrig lässt. Dann sieht vielleicht der blaue Bikini von Tante Tanja eher grünlich aus oder die weiße Hose von Onkel Otto grau.

Andererseits lassen sich bei Negativfilmen leichte Farbstiche im Labor zumindest bei Nachbestellungen wieder ausgleichen, vor allem aber falsch belichtete Aufnahmen retten. Denn im Unterschied zu Diafilmen, die immer sehr genau belichtet werden müssen, um optimale Dias zu erhalten, haben Negativfabrikate einen stattlichen Belichtungsspielraum. Das heißt, sie verzeihen relativ starke Fehlbelichtungen durch den Fotografen.

Vornehmlich Überbelichtungen stecken sie recht locker weg: Abweichungen von drei Blenden- oder Zeitstufen (+9 GRAD) sind in der Bildqualität kaum merkbar. Bei Unterbelichtungen ist dagegen schon ab einer Blendenstufe (–3 GRAD) mit Qualitätseinbußen zu rechnen – die Fotos erscheinen zu dunkel. Einige der untersuchten Diafilme verkraften freilich nicht einmal diese geringe Differenz zur Normalbelichtung, insbesondere nicht Kodak Elite Chrome 400. Dafür können Onkel Otto oder Tante Tanja ihn aber getrost um anderthalb Stufen (+4,5 GRAD) überbelichten. Die Dias werden trotzdem nicht zu hell.

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