Kleidung mit UV-Schutz Test

Bei vielen T-Shirts vermindert sich der UV-Schutz, wenn sie gedehnt oder nass werden. Mitunter wird falsch deklariert. Die Labelvielfalt ist verwirrend.

Wer jemals in der Wüste war, weiß nicht nur einen guten Turban zu schätzen. Er versteht auch die Vorliebe der Beduinen für kräftige Farben. Denn nichts schützt besser vor der Sonne als ein Gewand aus dichtem, dunklen Tuch.

Generell bietet jedes Textil einen gewissen Schutz vor den ultravioletten Strahlen der Sonne, Polyesterfaser besser als Baumwolle. Inzwischen bietet der Handel spezielle UV-Schutz-Kleidung an. Wir haben eine bunte Mischung solcher Outdoorhemden und -blusen für Erwachsene sowie T-Shirts und Kopfbedeckungen für Kinder gekauft und den Sonnenschutz geprüft.

Meist schützt allein der Stoff

Fast alle Kleidungsstücke im Test erreichen den UV-Schutz allein durch Material, Farbe und Konstruktion des Stoffes, also ohne nachträgliche chemische Ausrüstung. Nur Columbia verwendete zusätzlich optische Aufheller als UV-Blocker, wie sie auch in Vollwaschmitteln zu finden sind.

Während es bei den Kindermützen für den UV-Schutz des Stoffes „gute“ und „sehr gute“ Noten gibt, sind die Ergebnisse bei der Outdoorkleidung und den Kinder-T-­Shirts oft unterdurchschnittlich (siehe Testtabellen Kleidung mit UV-Schutz und Kinderkopfbedeckung mit UV-Schutz). Zwei Produkte landen sogar bei „mangelhaft“: das Outdoorhemd von Fjällräven und das Kinder-T-Shirt von Sanetta. Sie bieten keinen besseren Sonnenschutz als ein herkömmliches helles Hemd oder T-Shirt. Beide werden aber als spezielle UV-Schutzkleidung verkauft – das Fjällräven-Hemd sogar für sportliche 90 Euro. Das ist nicht nur ärgerlich, sondern gefährlich, weil sich Verbraucher mit dieser vermeintlichen Schutzkleidung sicher fühlen und daher bei intensiver Sonnenstrahlung Hautschäden riskieren. Deshalb heißt auch das Urteil für die Deklaration des UV-Schutzes bei ihnen „mangelhaft“. Das Gleiche gilt für das T-Shirt von Hess Natur und das Hemd von Maul: Sie schützen zwar besser vor der Sonne, halten den ausgelobten UV-Schutzfaktor aber auch nicht ein.

Deklariert wird der UV-Schutz meist mit dem Kürzel UPF (Ultraviolet Protection Factor). Ein UPF von 50+ zum Beispiel besagt, dass der Stoff weniger als ein Fünfzigstel der UV-Strahlung durchlassen soll, also maximal 2 Prozent. 98 Prozent der UV-Strahlung werden abgeblockt. Gleichzeitig gibt der UPF Orientierung für die Aufenthaltsdauer in der Sonne: Wer ohne Schutz nach etwa 10 Minuten einen Sonnenbrand bekommt, kann in einem Hemd mit UPF 50+ mindestens 50 Mal so lange in der Sonne bleiben, ohne dass die Haut Schaden nimmt, also etwa 500 Minuten oder rund acht Stunden. So weit die Theorie.

Normen sind halbherzig

Das Problem: Der deklarierte UV-Schutzfaktor gilt meist nur für den ungedehnten, trockenen Stoff im Neuzustand. So gibt es die Australisch-neuseeländische Norm vor, nach der die meisten UV-Schutztextilien ausgelobt sind. Auch die Europäische Norm EN 13758 ermittelt den UPF unter diesen halbherzigen Bedingungen. Das ist vor allem bei Kinderkleidung problematisch: Beim Spielen und Buddeln spannt sich der Stoff an den Schultern und wird auch mal nass, was den UV-Schutz stark beeinträchtigen kann. Bei elastischer Maschenware wie T-Shirts ist der Effekt viel größer als bei gewebten Hemden. Gedehnter elastischer Stoff lässt mehr Licht durch. Feuchtigkeit lässt Baumwolle aufquellen und wirkt wie ein Brennglas auf der Haut. Allerdings kann sie den UV-Schutz auch erhöhen, wenn der Stoff bei Nässe dunkler erscheint. Auch Waschen kann den UV-Schutz mindern, weil der Stoff ausdünnt, oder steigern, weil sich die Maschen zusammenziehen.

Zwar kann ein nach Australisch-neuseeländischer Norm ausgelobtes Textil auch in der Praxis vor Sonne schützen – das hat der Test gezeigt –, allerdings ist kein Verlass darauf. Im Extremfall schrumpft der Schutzfaktor beim Tragen von über 80 im ungedehnten Zustand durchs Dehnen auf 8 zusammen, wie beim Sunsible Kinder-T-Shirt.

Was „sehr gut“ bedeutet

Mehr Sicherheit bietet Kleidung, die den UV-Standard 801 auslobt. Er ermittelt den Schutzfaktor unter Tragebedingungen: Gemessen wird zusätzlich am nassen, gedehnten, gewaschenen und gescheuerten Stoff, zertifiziert wird der niedrigste erreichte Wert. Die Kindermützen von Hyphen und Pickapooh, die den UV-Standard 801 als Einzige im Test anwenden, liegen jedenfalls vorn. Noch ist dieser Standard, der von einem deutsch-österreichisch-schweizerischen Verbund von Prüfinstituten entwi­ckelt wurde, aber nur selten zu finden.

Bei der Bewertung der Produkte haben wir uns an den Normen orientiert. „Sehr gut“ war ein Hemd, wenn es einen UPF von mindestens 80 hatte, der höchsten Deklaration des UV-Standards 801. Personen mit sehr empfindlicher Haut, also vor allem Kinder, können sich damit bei hoher Sonnenintensität fast sieben Stunden in der Sonne aufhalten, ohne einen Sonnenbrand zu bekommen. „Gut“ war der UV-Schutz eines Textils mit mindestens UPF 50, der höchsten Stufe des Australisch-neuseelän­di­schen Standards. Ein „Befriedigend“ gab es bei einem UPF von über 40, der EN-13758-Mindestanforderung für UV-Schutzkleidung. „Mangelhaft“ hieß es bei den Outdoorhemden bei einem UPF unter 15 und bei Kinderkleidung unter 20.

Bei den Kindermützen haben wir zusätzlich das Design beurteilt. Wichtig ist, dass Nacken und Ohren bedeckt sind und der Schild lang genug ist, um die Nase zu beschatten. Die meisten Mützen sind „gut“, nur bei Sunblock, Sunkids und Tchibo reicht der Nackenschutz nicht aus, sobald die Kleinen den Kopf nach vorn neigen.

Wenn es der Haut zu viel wird

Bei Kindern ist der Sonnenschutz überaus wichtig, denn sie sind besonders gefährdet. Bis zum 18. Lebensjahr bekommen sie oft mehr als die Hälfte ihrer gesamten Lebensdosis an ultravioletter Strahlung ab, weil sie den Großteil ihrer Zeit im Freien verbringen. Zugleich ist ihre Haut bis etwa zum 12. Lebensjahr viel empfindlicher als die der Erwachsenen. Jeder Sonnenbrand fügt ihr erheblichen Schaden zu und erhöht das Risiko, später Hautkrebs zu bekommen.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 140 000 Menschen neu an einem Hauttumor. Das sind sechsmal mehr als 1970. Hauptursache ist das geänderte Freizeitverhalten mit Sonnenurlaub, Outdoor-Aktivitäten und Solarium rund ums Jahr. Wer sich nach Monaten im Büro ins Sonnenbad begibt, sollte es langsam angehen lassen. Die allseits geschätzte Bräune ist bereits ein Zeichen dafür, dass es der Haut zu viel wird.

Entscheidend ist die Dosis

Dennoch: Der Mensch braucht Sonne – für die Seele ebenso wie für den Körper, etwa zur Produktion von lebenswichtigem Vitamin D3. Entscheidend ist jedoch die Dosis. Eine Viertelstunde Sonnenlicht am Tag reicht zum Beispiel für den Vitaminhaushalt aus, sagen Fachleute. Zu viel Sonne schadet der Gesundheit. Eine Überdosis UV-Strahlung kann sowohl Sonnenbrand als auch Hautkrebs verursachen.

Die einfachste und sicherste Form des Sonnenschutzes besteht darin, sich umsichtig zu verhalten. Dazu gehört zum Beispiel, die knallige Mittagssonne zwischen 11 und 15 Uhr zu meiden und ein wirkungsvolles Sonnenschutzmittel zu benutzen (siehe Test Sonnenschutzmittel). Dass Textilien einen noch effektiveren Sonnenschutz bieten können, hat dieser Test gezeigt.

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