Kindle-E-Book-Reader mit Touchs­creen Schnelltest

Als Amazon im vergangenen Jahr seine neuesten Kindle-Reader vorstellte, blieben die Varianten mit Touchs­creen zunächst der amerikanischen Kund­schaft vorbehalten. Jetzt gibt es den Kindle Touch auch in Deutsch­land. test.de vergleicht ihn mit dem einfacheren Kindle.

Gewohnte Stärken und Schwächen

Viele grund­legende Stärken und Schwächen teilt der neue Kindle Touch mit seinem kleinen Bruder, den Amazon weiterhin für 99 Euro anbietet: Das E-Ink-Display ist gestochen scharf und auch bei sehr heller Umge­bung bestens lesbar – ein großer Vorteil gegen­über Tablet-Rechnern wie dem Apple iPad. Die Akku­lauf­zeit rechnet sich in Wochen, nicht wie bei Smartphones oder Tablets in Stunden. Auch der Kindle Touch fügt sich komfortabel in Amazons E-Book-Angebot ein: Die Grund­version für 129 Euro lädt und synchronisiert Bücher wie der einfachere Kindle über lokale WLan-Funk­netze mit der Amazon-Cloud. Die teurere „3G“-Version für 189 Euro tut dies zusätzlich per UMTS-Mobil­funk. Und wie alle Kindle-Geräte ist auch der Kindle Touch ziemlich exklusiv auf Inhalte von Amazon fest­gelegt: Er beherrscht nicht das bei europäischen E-Book-Anbietern verbreitete EPub-Format. Und er unterstützt nur den Kopier­schutz von Amazon, nicht den von der Konkurrenz genutzten von Adobe. Für Bezahl-Bücher der meisten andere E-Book-Anbieter ist der Kindle damit kaum brauch­bar.

Der Touchs­creen macht Vieles bequemer...

Kindle-E-Book-Reader mit Touchs­creen Schnelltest

Per Finger­zeig geht vieles leichter.

Definitionen im einge­bauten Wörter­buch ruft der Nutzer auf, indem er den Finger auf das unbe­kannte Wort legt (links). Auf der virtuellen Tastatur (rechts) schreibt es sich per Berühr­bild­schirm viel flüssiger als beim Kindle ohne Touchs­creen.

Der Name sagt es schon: Der wichtigste Unterschied zwischen Kindle und dem 30 bis 90 Euro teureren und rund 50 Gramm schweren Kindle Touch ist dessen berühr­empfind­licher Bild­schirm. Der bringt klare Vorteile: Das Bedienmenü, das einge­baute Wörter­buch und die Such- und die Kommentar­funk­tion hand­haben sich über den Touchs­creen weit flüssiger als mit den wenigen Tasten des Kindle. Notizen, Such­begriffe oder WLan-Pass­wörter kann der Nutzer auf der virtuellen Tastatur des Kindle Touch wesentlich bequemer eintippen. Und auch der Kauf von Amazon-E-Books direkt vom Gerät ist so wesentlich besser zu hand­haben.

... Touchs­creen hat aber auch Nachteile

Doch ausgerechnet beim Lesen kann die neue Gestensteuerung auch stören. Amazon hat dem Kindle Touch nämlich die seitlichen Tasten zum Umblättern genommen. Geblättert wird durch leichtes Antippen des Bild­schirms. Dabei gibt es unterschiedliche Gesten zum Umblättern einzelner Seiten oder ganzer Kapitel. Im Praxis­test kam es öfters vor, dass Nutzer versehentlich weiterblätterten. Das kann besonders dann nerven, wenn der Leser ungewollt ein ganzes Kapitel weiterblättert. Denn dann findet er unter Umständen nicht mehr so leicht zu seiner letzten Position zurück. Vielleicht kann Amazon dieses Problem durch ein Software-Update noch entschärfen. In der derzeitigen Version ist jedenfalls ein gewisses Fingerspitzengefühl beim Schmökern ange­zeigt.

Mehr Speicher – und jetzt auch Musik

Auch der Kindle Touch ist nicht mit Speicherkarten erweiter­bar. Allerdings hat er mehr als doppelt so viel freien internen Speicher wie die Variante ohne Touchs­creen: drei Gigabyte. Statt über 1000 kann der Nutzer hier so über 3000 Bücher mit sich herum­tragen – diesen Wunsch werden wohl nur wenige hegen. Eine andere Anwendung: Anders als der Kindle hat der Kindle Touch auch einen MP3-Spieler. Der gibt Musik und Hörbücher über einen kleinen internen Laut­sprecher oder über einen Kop­fhörer­ausgang wieder. Diese Funk­tion ist noch als vorläufige Version („Beta-Version“) ausgewiesen, funk­tioniert im Test aber ohne größere Probleme. Musikdateien können dabei einfach per USB-Kabel vom Kindle auf den PC kopiert werden. Allerdings scheinen drei Gigabyte Speicher für Musik wiederum nicht besonders viel. Je nach Dateiformat passen darauf um die 30 bis 50 Musik-Alben. Wer unterwegs auf eine größere Musik­auswahl zugreifen will, kann auf einer größeren Speicherkarte, wie sie die meisten Smartphones und Multimediahandys akzeptieren, deutlich mehr Musik unterbringen.

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