Der Kinder­geld­zuschlag von der Familien­kasse bringt eine monatliche Entlastung von bis zu 185 Euro.

Familien mit geringem Einkommen können neben dem Kinder­geld eine weitere finanzielle Unterstüt­zung von der Familien­kasse bekommen: den Kinder­zuschlag. Dieser bringt nicht nur eine monatliche Entlastung von bis zu 185 Euro, sondern noch andere Vorteile wie etwa die Befreiung von Kita­gebühren oder kostenlose Schul­mittagessen. Wir erklären, wie der Kinder­zuschlag beantragt wird und welche Voraus­setzungen Antrag­steller dafür erfüllen müssen.

Was ist der Kinder­zuschlag?

Der Kinder­zuschlag von bis zu 185 Euro pro Kind und Monat ist eine zusätzliche Leistung für einkommens­schwache Familien, die Kinder­armut verringern und die Teilhabe am gesell­schaftlichen Leben fördern soll. Eltern können ihn bekommen, wenn sie genug für sich selbst verdienen, aber ihr Einkommen nicht für ihre gesamte Familie reicht.

Ein weiterer Vorteil: Wer den Kinder­zuschlag bezieht, ist von Kita­gebühren befreit. Schul­kinder bekommen außerdem kostenloses Mittag­essen und haben Anspruch auf das Schulbe­darfs­paket in Höhe von 150 Euro pro Schul­jahr. Darüber hinaus können Eltern die tatsäch­lichen Fahrt­kosten zur Schule erstattet bekommen.

Beim Kinder­zuschlag sind die starren Einkommens­höchst­grenzen seit Januar 2020 weggefallen, wodurch mehr Eltern anspruchs­berechtigt sind. Der Zuschlag wird ab dem Monat der Antrag­stellung gewährt und zusammen mit dem Kinder­geld ausgezahlt.

Tipp: Ob Ihr Antrag Erfolg hat, können Sie online bei der Arbeitsagentur prüfen.

Weitere Hilfen bei geringem Einkommen

Wohn­geld. Wer wenig Einkommen hat, sollte Wohngeld beantragen. Ob und wie viel Wohn­geld gewährt wird, hängt neben der Höhe des Einkommens auch vom Wohn­ort und der Höhe der Miete ab.

Über­schuldung. Häufen sich aufgrund nied­riger Einkünfte unbe­zahlte Rechnungen, können Menschen in eine finanzielle Schieflage geraten, aus der sie scheinbar nur schwer wieder heraus­finden. Welche Möglich­keiten es gibt, steht in unserem Special Überschuldung.

Arbeits­losengeld II. Bei sehr geringen Einkünften besteht möglicher­weise ein ergänzender Anspruch auf Arbeitslosengeld II, umgangs­sprach­lich auch „Hartz IV“ genannt. Arbeits­losengeld II wird beim Jobcenter beantragt. Bei Bezug von Arbeits­losengeld II wird kein Kinder­zuschlag mehr ausgezahlt, denn dann bekommen Familien auch für Kinder einen Regel­satz ausgezahlt.

Diese Voraus­setzungen müssen für den Kinder­zuschlag erfüllt sein

Eltern, die nur über ein geringes Einkommen verfügen, haben Anspruch auf den Kinder­zuschlag. Wer wenig verdient, sollte diesen Anspruch prüfen. Das sind die Voraus­setzungen:

  • Eltern beziehen Kinder­geld und das Brutto­einkommen beträgt bei Eltern­paaren mindestens 900 Euro pro Monat, bei Allein­erziehenden mindestens 600 Euro.
  • Sie beziehen kein Arbeitslosengeld II.
  • Das Kind ist unter 25 Jahre alt und lebt im Haushalt der Eltern.
  • Es ist nicht verheiratet oder verpart­nert (einge­tragene Lebens­part­nerschaft).

Für die Entscheidung über den Antrag kommt es auf die Einkommens­verhält­nisse in den letzten sechs Monaten vor Antrags­stellung an. Bei Miet­wohnungen sind die Wohn­kosten im Antrags­monat maßgeblich, bei Wohn­eigentum wird aus den monatlichen Kosten im Kalender­jahr vor Antrags­stellung ein Durch­schnitts­wert ermittelt.

So wirken sich Einkommen und Vermögen auf den Kinder­zuschlag aus

Das Einkommen und Vermögen der Eltern und des Kindes werden auf den Kinder­zuschlag ange­rechnet – aber in unterschiedlichem Umfang.

  • Eigenes Einkommen des Kindes wie Waisenrente oder Unterhalt wird nur zu 45 Prozent ange­rechnet. Beispiel: Das Kind erhält Unterhalt in Höhe von 300 Euro. Davon werden nur 45 Prozent auf den Kinder­zuschlag (185 Euro) ange­rechnet, also 135 Euro. Der Kinder­zuschlag beträgt in diesem Fall 50 Euro.
  • Vermögen des Kindes wird voll auf den Kinder­zuschlag ange­rechnet, sofern es die Frei­betrags­grenze von 3 850 Euro über­schreitet. Das gilt übrigens für alle Mitglieder des Haus­halts.
  • Auch das Einkommen der Eltern spielt eine Rolle. Dazu gehören etwa Einnahmen aus selbst­ständiger und nicht­selbst­ständiger Arbeit, Arbeitslosengeld oder Krankengeld und Elterngeld. Als Vermögen gelten abzüglich fester Frei­beträge etwa Bargeld, Spar­guthaben und Wert­papiere. Welche Frei­beträge im Einzelnen gelten, können Antrags­steller im Merkblatt Kinderzuschlag der Familien­kassen nach­lesen.

Notfall-Kinder­zuschlag in der Corona-Krise

Leichterer Zugang. Mit dem ersten Sozial­schutz-Paket, das im April 2020 in Kraft getreten ist, wurde der Zugang zum Kinder­zuschlag vereinfacht. Wer wegen der Corona-Pandemie weniger verdient, etwa weil er nur Kurz­arbeitergeld bekommt, sollte seinen Anspruch auf den Notfall-Kinder­zuschlag prüfen. Ob ein Anspruch besteht, finden Familie mithilfe des „KiZ-Lotsen“ der Familien­kassen heraus. Den Antrag können sie online stellen. Die Regelung für den Notfall-Kinder­zuschlag gilt befristet bis zum 30. September 2020.

Antrags­prüfung. Für den Notfall-Kinder­zuschlag müssen Antrag­steller seit dem 1. April 2020 nur noch das Einkommen des letzten Monats vor der Antrags­stellung nach­weisen. Außerdem wird das Vermögen nicht geprüft.

Verlängerung. Eltern, die den Höchst­satz von 185 Euro bereits erhalten, bekommen eine auto­matische Verlängerung der Leistung für weitere sechs Monate. Sie müssen keinen neuen Antrag stellen und keine neuen Nach­weise vorlegen.

So stellen Sie den Antrag auf den Kinder­zuschlag

Den Antrag auf Kinder­zuschlag gibt es auf den Seiten der Familienkasse. Dort können Sie ihn direkt online beantragen. Die Familien­kasse entscheidet auch, ob und in welcher Höhe er bewil­ligt wird. Sofern Sie mit dem Bescheid nicht einverstanden sind, können Sie inner­halb eines Monats nach Bekannt­gabe der Entscheidung in Form des Bescheids Wider­spruch bei der Familien­kasse einlegen. Bleibt sie bei ihrer Entscheidung, können Sie ebenfalls inner­halb eines Monats nach Bekannt­gabe der Entscheidung in Form des Wider­spruch­bescheids Klage beim Sozialge­richt erheben.

So lange kann der Kinder­zuschlag bezogen werden

Die Familien­kasse bewil­ligt den Kinder­zuschlag für sechs Monate. Der Bewil­ligungs­zeitraum beginnt mit dem Monat, in dem der Antrag gestellt wird. Ist der Bewil­ligungs­zeitraum abge­laufen, muss der Kinder­zuschlag neu beantragt werden. In der Regel zahlt die Familien­kasse den Kinder­zuschlag bis zur Voll­jährigkeit des Kindes – genauso wie das Kinder­geld, das aber unter bestimmten Voraus­setzungen auch länger bezogen werden kann (mehr dazu im Special Kindergeld ab 18: Kindergeld für junge Erwachsene).

An diese Regeln müssen Sie sich während des Bezugs des Kinder­zuschlags halten

Wer den Kinder­zuschlag bekommt, hat bestimmte Mitwirkungs­pflichten. Verletzt er sie, muss er mit Sanktionen rechnen.

Ganz wichtig ist es, der Familien­kasse jede Veränderung der Lebens­umstände zu melden, zum Beispiel wenn jemand auszieht oder ein weiteres Kind geboren wurde. Für die Veränderungs­mitteilung stellen die Familien­kassen online ein Formular bereit. Wird die Familien­kasse verspätet oder gar nicht über Veränderungen, die wichtig für den Anspruch auf den Kinder­zuschlag sind, informiert, muss möglicher­weise zu Unrecht erhaltenes Geld zurück­gezahlt werden. Außerdem drohen Geld­strafen und in besonders schweren Fällen strafrecht­liche Konsequenzen.

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