Kinder­zuschlag von der Familien­kasse Anspruch, Antrag, Voraus­setzungen

Kinder­zuschlag von der Familien­kasse - Anspruch, Antrag, Voraus­setzungen
Kinder­geld­zuschlag von der Familien­kasse. Er bringt Familien eine monatliche Entlastung von bis zu 205 Euro. © Westend61 / Nasos Zovoilis

Familien mit geringem Einkommen können neben dem Kinder­geld einen Kinder­zuschlag bekommen. Wir erklären, welche Voraus­setzungen gelten und wie er beantragt wird.

Was ist der Kinder­zuschlag?

Der Kinder­zuschlag von bis zu 205 Euro pro Kind und Monat ist eine zusätzliche Leistung für einkommens­schwache Familien, die Kinder­armut verringern und die Teilhabe am gesell­schaftlichen Leben fördern soll. Eltern können ihn bekommen, wenn sie genug für sich selbst verdienen, aber ihr Einkommen nicht für ihre gesamte Familie reicht. Im Juni 2021 wurde der Zuschlag bundes­weit für 767 000 Kinder und Jugend­liche ausgezahlt, im Februar 2021 waren es noch 685 000. Der Bedarf hat sich in letzter Zeit also stark erhöht.

Zusätzlicher Vorteil der Unterstüt­zungs­leistung: Wer den Kinder­zuschlag bezieht, ist von Kita­gebühren befreit. Schul­kinder bekommen außerdem kostenloses Mittag­essen und haben Anspruch auf das Schulbe­darfs­paket in Höhe von 150 Euro pro Schul­jahr. Darüber hinaus können Eltern die tatsäch­lichen Fahrt­kosten zur Schule erstattet bekommen.

Beim Kinder­zuschlag sind die starren Einkommens­höchst­grenzen seit Januar 2020 weggefallen, wodurch mehr Eltern anspruchs­berechtigt sind. Der Zuschlag wird ab dem Monat der Antrag­stellung gewährt und zusammen mit dem Kinder­geld ausgezahlt.

Tipp: Ob Ihr Antrag Erfolg hat, können Sie online bei der Arbeitsagentur prüfen.

Weitere Hilfen bei geringem Einkommen

Wohn­geld.
Wer wenig Einkommen hat, sollte Wohngeld beantragen. Ob und wie viel Wohn­geld gewährt wird, hängt neben der Höhe des Einkommens auch vom Wohn­ort und der Höhe der Miete ab.
Über­schuldung.
Häufen sich aufgrund nied­riger Einkünfte unbe­zahlte Rechnungen, können Menschen in eine finanzielle Schieflage geraten, aus der sie scheinbar nur schwer wieder heraus­finden. Welche Möglich­keiten es gibt, steht in unserem Special Überschuldung.
Arbeits­losengeld II.
Bei sehr geringen Einkünften besteht möglicher­weise ein ergänzender Anspruch auf Arbeitslosengeld II, umgangs­sprach­lich auch „Hartz IV“ genannt. Arbeits­losengeld II wird beim Jobcenter beantragt. Bei Bezug von Arbeits­losengeld II wird kein Kinder­zuschlag mehr ausgezahlt, denn dann bekommen Familien auch für Kinder einen Regel­satz ausgezahlt.

Diese Voraus­setzungen müssen für den Kinder­zuschlag erfüllt sein

Eltern, die nur über ein geringes Einkommen verfügen, haben Anspruch auf den Kinder­zuschlag. Wer wenig verdient, sollte diesen Anspruch prüfen. Das sind die Voraus­setzungen:

  • Eltern beziehen Kinder­geld und das Brutto­einkommen beträgt bei Eltern­paaren mindestens 900 Euro pro Monat, bei Allein­erziehenden mindestens 600 Euro.
  • Sie beziehen kein Arbeitslosengeld II.
  • Das Kind ist unter 25 Jahre alt und lebt im Haushalt der Eltern.
  • Es ist nicht verheiratet oder verpart­nert (einge­tragene Lebens­part­nerschaft).

Für die Entscheidung über den Antrag kommt es auf die Einkommens­verhält­nisse in den letzten sechs Monaten vor Antrags­stellung an. Bei Miet­wohnungen sind die Wohn­kosten im Antrags­monat maßgeblich, bei Wohn­eigentum wird aus den monatlichen Kosten im Kalender­jahr vor Antrags­stellung ein Durch­schnitts­wert ermittelt.

So wirken sich Einkommen und Vermögen auf den Kinder­zuschlag aus

Das Einkommen und Vermögen der Eltern und des Kindes werden auf den Kinder­zuschlag ange­rechnet – aber in unterschiedlichem Umfang.

  • Eigenes Einkommen des Kindes wie Waisenrente oder Unterhalt wird nur zu 45 Prozent ange­rechnet. Beispiel: Das Kind erhält Unterhalt in Höhe von 300 Euro. Davon werden nur 45 Prozent auf den Kinder­zuschlag ange­rechnet, also 135 Euro. Der Kinder­zuschlag beträgt in diesem Fall 70 Euro (205 Euro minus 135 Euro).
  • Vermögen des Kindes wird voll auf den Kinder­zuschlag ange­rechnet, sofern es die Frei­betrags­grenze von 3 850 Euro über­schreitet. Das gilt übrigens für alle Mitglieder des Haus­halts.
  • Auch das Einkommen der Eltern spielt eine Rolle. Dazu gehören etwa Einnahmen aus selbst­ständiger und nicht­selbst­ständiger Arbeit, Arbeitslosengeld oder Krankengeld und Elterngeld. Als Vermögen gelten abzüglich fester Frei­beträge etwa Bargeld, Spar­guthaben und Wert­papiere. Welche Frei­beträge im Einzelnen gelten, können Antrags­steller im Merkblatt Kinderzuschlag der Familien­kassen nach­lesen.

Notfall-Kinder­zuschlag in der Corona-Krise

Leichterer Zugang.
Mit dem ersten Sozial­schutz-Paket, das im April 2020 in Kraft getreten ist, wurde der Zugang zum Kinder­zuschlag vereinfacht. Wer wegen der Corona-Pandemie weniger verdient, etwa weil er nur Kurz­arbeitergeld bekommt, sollte seinen Anspruch auf den Notfall-Kinder­zuschlag prüfen. Ob ein Anspruch besteht, finden Familie mithilfe des „KiZ-Lotsen“ der Familien­kassen heraus. Den Antrag können sie online stellen. Die Regelung für den Notfall-Kinder­zuschlag gilt befristet bis zum 31. Dezember 2021.
Antrags­prüfung.
Für den Notfall-Kinder­zuschlag müssen Antrag­steller seit dem 1. April 2020 nur noch das Einkommen des letzten Monats vor der Antrags­stellung nach­weisen. Außerdem wird das Vermögen nicht geprüft.
Verlängerung.
Eltern, die den Höchst­satz von 205 Euro bereits erhalten, bekommen eine auto­matische Verlängerung der Leistung für weitere sechs Monate. Sie müssen keinen neuen Antrag stellen und keine neuen Nach­weise vorlegen.

So stellen Sie den Antrag auf den Kinder­zuschlag

Den Antrag auf Kinder­zuschlag gibt es auf den Seiten der Familienkasse. Dort können Sie ihn direkt online beantragen. Die Familien­kasse entscheidet auch, ob und in welcher Höhe er bewil­ligt wird. Sofern Sie mit dem Bescheid nicht einverstanden sind, können Sie inner­halb eines Monats nach Bekannt­gabe der Entscheidung in Form des Bescheids Wider­spruch bei der Familien­kasse einlegen. Bleibt sie bei ihrer Entscheidung, können Sie ebenfalls inner­halb eines Monats nach Bekannt­gabe der Entscheidung in Form des Wider­spruch­bescheids Klage beim Sozialge­richt erheben.

So lange kann der Kinder­zuschlag bezogen werden

Die Familien­kasse bewil­ligt den Kinder­zuschlag für sechs Monate. Der Bewil­ligungs­zeitraum beginnt mit dem Monat, in dem der Antrag gestellt wird. Ist der Bewil­ligungs­zeitraum abge­laufen, muss der Kinder­zuschlag neu beantragt werden. In der Regel zahlt die Familien­kasse den Kinder­zuschlag bis zur Voll­jährigkeit des Kindes – genauso wie das Kinder­geld, das aber unter bestimmten Voraus­setzungen auch länger bezogen werden kann (mehr dazu im Special Kindergeld ab 18: Kindergeld für junge Erwachsene).

An diese Regeln müssen Sie sich während des Bezugs des Kinder­zuschlags halten

Wer den Kinder­zuschlag bekommt, hat bestimmte Mitwirkungs­pflichten. Verletzt er sie, muss er mit Sanktionen rechnen.

Ganz wichtig ist es, der Familien­kasse jede Veränderung der Lebens­umstände zu melden, zum Beispiel wenn jemand auszieht oder ein weiteres Kind geboren wurde. Für die Veränderungs­mitteilung stellen die Familien­kassen online ein Formular bereit. Wird die Familien­kasse verspätet oder gar nicht über Veränderungen, die wichtig für den Anspruch auf den Kinder­zuschlag sind, informiert, muss möglicher­weise zu Unrecht erhaltenes Geld zurück­gezahlt werden. Außerdem drohen Geld­strafen und in besonders schweren Fällen strafrecht­liche Konsequenzen.

Dieses Special ist im Juni 2020 auf test.de erschienen. Wir haben es im August 2021 aktualisiert.

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