Kinder­zähne brauchen starke Pflege. Viele Zahn­cremes schützen sehr gut vor Karies. Einige enthalten jedoch zu wenig oder gar kein Fluorid. Farben und Glitzer haben ihren Preis.

Gerade noch bekämpfen sich die Kinder in einer Berliner Kita mit Plastik-Licht­schwertern. Dann hat der Spaß ein Ende. Die Erzieherin ruft zum Hände­waschen und Zähneputzen. Dem Kampf um die Galaxis folgt der am Wasch­becken. So gut wie Licht­schwerter liegen die Zahnbürsten nicht in der Hand. Immerhin schmeckt der süße Klecks Kinder­zahnpasta. Die Mädchen und Jungs lutschen die Zahn­creme gern ab, wollen Nach­schlag, als wäre es Nachtisch. Sie kauen auf der Bürste herum und prusten das Wasser gegen den Spiegel.

In der Kita sollen sich die Steppkes zumindest ans Zähneputzen gewöhnen. Zuhause müssen die Eltern darauf achten, dass die Zähne der Kleinen richtig sauber werden. Gründliche Pflege muss sein – ab dem ersten Milchzahn. Gemein­samer Spaß, Hilfe und gelegentliche Belohnungen moti­vieren die Kinder, Tipps.

Video: Mit Kindern Zähne putzen

Auch von der Zahn­creme hängt viel ab. Sie soll schme­cken und muss zuver­lässig schützen. Wir haben 17 Kinder­zahnpasten für Milchzähne und 12 Juniorzahnpasten mit höherem Fluorid­gehalt für bleibende Zähne geprüft. Viele schützen sehr gut vor Karies. Fluorid ist dafür unerläss­lich. Zwei Kinder­zahnpasten fallen durch, weil sie keines enthalten. Bei drei Juniorzahnpasten fanden die Tester nur eine befriedigende Menge Fluorid. Problematisch sind Zink­zusätze in fünf Produkten. Teil­weise schreiben die Anbieter absurde Werbe­versprechen auf die Packungen. Wir haben auch das bewertet.

Kinder- und Juniorzahn­cremes unterscheiden sich im Fluorid­gehalt. Laut Deutscher Gesell­schaft für Zahn-, Mund- und Kieferheil­kunde sollen Kinder­zahn­cremes maximal 500 ppm (parts per million, Teile pro Million) Fluorid enthalten. Das ist viel weniger als in Erwachsenenzahn­cremes. Die Fluorid­gehalte sollen das Risiko für weiße Schmelz­flecken, die Fluorose, senken und die Gesundheit nicht gefährden. Für erste Vergiftungs­erscheinungen müsste ein Sechs­jähriger, der 20 Kilo wiegt, den ganzen Inhalt einer Tube für Erwachsene schlu­cken. In den USA und Groß­britannien enthalten Kinder­zahn­cremes sogar mehr als 500 ppm Fluorid.

Kunter­bunte Anreize. Besonders in Kinder- und Juniorzahn­cremes kommen Farb­stoffe zum Einsatz, aber auch Glitzer und Streifen.

Kunter­bunte Anreize. Besonders in Kinder- und Juniorzahn­cremes kommen Farb­stoffe zum Einsatz, aber auch Glitzer und Streifen.

Juniorzahnpasten sind noch recht neu auf dem Markt. Sie schme­cken meist milder als Zahn­cremes für Erwachsene. Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren können mit ihnen die bleibenden Zähne und noch vorhandene Milchzähne putzen. Juniorzahnpasten enthalten mehr Fluorid als Kinder­zahnpasten – im Test zwischen 970 und den in Deutsch­land maximal erlaubten 1 500 ppm Fluorid. Ihr Fluorid­gehalt sollte so hoch sein wie für Erwachsene, damit die Zähne sehr gut vor Karies geschützt sind. Der Zahn­schmelz der bleibenden Zähne des Wechsel­gebisses ist noch weich.

Bei Juniorzahnpasten bewerten wir, wie sie Verfärbungen entfernen. Auch ältere Kinder nehmen Nahrung zu sich, die Zähne verfärbt, etwa Curry oder Eis­tee.

Tipp: Zahlreiche weitere wert­volle Informationen rund um die Zahn­pflege finden Sie in unserem großen FAQ Zahnreinigung.

Weleda und Lavera mangelhaft

Insgesamt 13 der 17 geprüften Kinder­zahn­cremes schützen sehr gut vor Karies durch Fluorid. Die beiden Produkte von Putzi enthalten ausschließ­lich Natrium­monofluorp­hosphat, ein Fluorid, das als weniger wirk­sam gilt als Natrium­fluorid. Ihr Karies­schutz ist gut. Die Anbieter der Zahngele von Weleda und Lavera verzichten ganz auf Fluoride. In der Karies­prophylaxe und damit im Test insgesamt schneiden die beiden Gele mangelhaft ab.

Die Junior­produkte Sensident Junior von Müller und die beiden K-Classic-Junior von Kauf­land enthalten weniger als 1 000 ppm Fluorid. Sie schützen nur befriedigend. Fast alle anderen Juniorzahn­cremes bewahren Zähne sehr gut vor Karies, eine schützt gut.

Übrigens: Für Kinder mit ersten bleibenden Zähnen muss es nicht unbe­dingt eine Juniorzahnpasta sein. Sie können auch die Universalz­ahncreme ihrer Eltern verwenden, wenn sie den Geschmack mögen. Die kostet oft auch deutlich weniger. Kinder und Jugend­liche sollten aber generell keine Zahnpasta mit Zink­zusatz verwenden.

Zink gehört nicht in Kinder­produkte

Die Kinder­zahnpasten Today Milchzähne von Rewe und die beiden Perlodent-Produkte von Ross­mann enthalten Zink. Ebenso die Juniorzahnpasten der beiden Anbieter. Den übrigen Zahn­cremes wurde kein Zink zugesetzt. Für den menschlichen Körper ist das Spuren­element Zink in geringen Mengen notwendig. In Zahnpasten und Mund­wässern einge­setzt, wirkt es gegen Plaque, Zahn­stein, Mund­geruch und Zahn­fleisch­entzündungen. Kinder und Jugend­liche nehmen aber meist bereits über die Nahrung die empfohlene Tages­höchst­menge an Zink auf.

Das Bundes­institut für Risiko­bewertung empfiehlt, dass Mund­hygiene­produkte für Kinder wie Zahnpasta und Mund­wasser zink­frei sein sollten. Über­dosierungen, die gesund­heits­schädlich sein können, soll damit vorgebeugt werden. Wir haben die Zahnpasten von Rewe und Ross­mann wegen ihres Zink­zusatzes abge­wertet.

Teurer Glitzer mit Geschmack?

Die Preisspanne für die Kinder­zahnpasten reicht von 65 Cent pro 100 Milliliter bei den Discounter-Eigenmarken über 2 bis 3 Euro bei den Marken­produkten bis zur teuersten Naturkosmetiktube von Weleda mit 7,90 Euro je 100 Milliliter.

Ärgerlich für Eltern: Viele Anbieter erheben verglichen mit den Erwachsenen-Zahn­cremes (Tabelle Noch zu haben: Universalzahnpasten für Erwachsene) offensicht­lich einen Kinder­zuschlag. Ross­mann, dm, Lidl und Kauf­land verlangen pro 100 Milliliter Zahn­creme fast den doppelten Preis, Signal und Theramed für das Kinder­produkt sogar mehr als das Doppelte. Elmex für Kinder hingegen kostet weniger als Aronal und Elmex für Erwachsene.

Himbrom­beer­orangengrütze

Was ist denn das? Manche Zahn­cremes schme­cken für Kinder anders, als Anbieter sagen.

Kinder nehmen den Geschmack von Zahnpasta unterschiedlich wahr. Ihr Geschmacks­empfinden entwickelt sich erst nach und nach. Wir haben fünf Kinder gebeten, zu erzählen, was sie schme­cken. Das Aroma von Odol-med3 beschrieb ein Kind zum Beispiel als „Rote Grütze“ – statt „mild-mint“, wie es auf der Tube steht. Weleda bewirbt sein Produkt mit: „Kinder mögen den angenehmen Geschmack natürlicher ätherischer Öle.“ Drei Kinder hingegen sagten: „Bittere Medizin“, „Zitrone“ und „scharfe Lakritze“. Süße Zahnpasten kamen gut an. Sie können aber die Lust auf noch mehr Süßes wecken.

Zuckerfreie Zahnpasta

Kontrollieren. Beginnen Kinder selbst zu putzen, steigt das Kariesrisiko. Eltern sollten nach­putzen – bis ins höhere Grund­schul­alter.

Teils werben die Anbieter mit Selbst­verständlich­keiten. „Ohne Zucker“ steht auf der Dentalux von Lidl und der Putzi mit Erdbeer­geschmack. Zucker gehört in keine Zahnpasta. „Frei von Azofarb­stoffen“ ist auf Kauf­land-Zahn­cremes zu lesen. Das wirkt, als sei der Anbieter umsichtiger als andere. Tatsäch­lich sind bestimmte Azofarb­stoffe verboten, aber auch andere Hersteller verwenden sie nicht. „Frei von“ Silikonen und Paraf­finen schreibt Lavera. Auch diese Stoffe haben nichts in Zahnpasten zu suchen. Für solche Angaben gab es Abzüge in der Wertung.

Die besten elektrischen Zahnbürsten für Kinder und Erwachsene finden Sie im Produktfinder Zahnbürsten, Zahnpasten für empfindliche Zähne und mit Weiß­macher-Auslobung sowie Tipps für die Zahn­pflege im Produktfinder Zahnpasta.

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