Kinderwagen Kombis Test

Die variablen Kinderwagen setzen sich gegen Buggys und „Sportwagen“ durch. Aber von den 17 Modellen im Test werden nur drei ihrem Namen gerecht.

Es ist teuer und aufwändig, wenn der Nachwuchs schon nach wenigen Monaten aus seinem ersten fahrbaren Untersatz herauswächst. Die Lösung des Problems heißt „Multifunktionswagen“: Für das Liegealter sollten sich ausreichend dimensionierte und stabile Babyschalen auf das Fahrgestell montieren lassen. Und für das Sitzalter müssen die Abmessungen immer noch stimmen – von anpassbaren Fußstützen bis zur ausreichend hohen Rückenlehne bei genügender Sitzbreite für die notwendige Bewegungsfreiheit. Ein schwenkbarer Schie­begriff, zumin­dest jedoch ein drehbarer Aufsatz, sollte zum Multifunktionssystem gehören. Das ist offensichtlich viel verlangt, denn diesem Anspruch genügen ganze drei Modelle, nämlich die von Emmaljunga, Teutonia und Hartan. Aber auch diese wenigen echten Multifunktionskinderwagen warten überwiegend mit Mittelmaß und Detailschwächen auf, womit sie nicht über ein „Befriedigend“ im Qualitätsurteil hinauskommen. Einen zum Fahrgestell passenden Autokindersitz bieten übrigens nur drei Hersteller an.

Zu wenig Platz

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Wendige Stadtflitzer: die Buggys Chicco C1 und Peg Perego Pliko P3.

Im wahrsten Sinne zu kurz kommen die Kleinsten: Die meisten Liegeschalen und alle Softtaschen beurteilten die Fachleute als zu eng. Nur bei Emmaljunga und Teutonia gab es ein „Gut“, weil die Maße stimmten. Tragetaschen ernteten zusätzliche Kritik, weil sie zu weich und schlecht zu befestigen oder zum Tragen des Kindes ungeeignet sind. Probleme mit den Maßen ergeben sich auch für Kinder im Sitzalter. Offensichtlich werden Liegeschalen und Sitze zwar norm-, doch nicht unbedingt kindgerecht produziert. Das fällt auch bei den Fußstützen auf, die bei Quinny, Chicco und Peg Perego nur aus einem Vorsprung oder Trittbrettchen am Rahmen des Wagens bestehen. Bei Babywelt dagegen hat man in diesem Punkt offensichtlich nachge­dacht: Das Modell Oregon 4 unterstützt das sitzende Kind mit einer dreistufig in der Höhe verstellbaren Fußstütze.

Zu wenig Schutz

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Dreirädrige Modelle waren nicht immer leichter zu manövrieren als vierrädrige Wagen.

Als „mangelhaft“ erwiesen sich sechs der inzwischen vorgeschriebenen Gurtsysteme: Die Prüfer beurteilten sie als unübersichtlich, schlecht befestigt oder sogar als untauglich, etwa beim Peg Perego, wo das Kind nur im Beckenbereich gesichert wird. Für die Autofahrt der Kleinsten bietet Peg Perego ein Rückhaltesystem für die Babyschale an. Gegen diese Beförderungsart haben Experten jedoch wegen der Stauchgefahr der Halswirbelsäule vor allem beim Seitenaufprall des Autos erhebliche Bedenken.

Mängel bei der Feststellbremse

Kinderwagen Kombis Test

In Bedienungsanleitungen der Kinderwagen nicht empfohlen: „Kiddy boards“

Vorgeschrieben ist für alle Kinderwagen eine feststellbare Bremse, die den Wagen auch auf abschüssigem Gelände sicher hält. Diese seit vielen Jahren üblichen Bremsen haben an unseren Testwagen nicht immer einwandfrei funktioniert: Bei den Modellen von Emmaljunga, Babywelt, Herlag, Hoco und Knorr muss man darauf achten, dass der Bremshebel fest einrastet. Knokin kombiniert die Handbremse mit der Feststellbremse. Aber der Bedienungsknopf am Handhebel rastet sehr schlecht ein.

Fragwürdiges Zubehör

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Zusätzliche Handbremsen sollten nicht die Funktion der Feststellbremse übernehmen.

Viele Hersteller werben inzwischen mit zusätzlichen Handbremsen, die den Wagen aus zu schneller Fahrt abbremsen sollen. Abgesehen davon, dass sie den Wagen nicht automatisch stoppen, sobald der Handgriff entgleitet, waren unsere Erfahrungen mit dem so komfortabel scheinenden Zubehör durchweg schlecht: Die Wirkung war unzuverlässig und ungleichmäßig, Bremshebel waren unhandlich. Und wenn man sich auf die Handbremse als Feststellbremse verlässt, kann es sogar gefährlich werden.

Auch die Wartungsfreundlichkeit der zusätzlichen Handbremsen hält sich in engen Grenzen: Die Bremskraft muss gelegentlich an einem Bremskraftverteiler ein- und nachgestellt werden, und der liegt im Straßenschmutzbereich. Zudem lässt die überflüssige Bremse den Wagen um etwa zwei Kilogramm schwerer, aber natürlich nicht billiger werden. Also Hände weg von Handbremsen!

Anstelle solchen Scheinkomforts, zu dem wir auch Luftbereifungen zählen, hätten wir uns bei den Multifunktionswagen eine Qualität gewünscht, die wir mit „gut“ bewerten können.

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