Kinderwagen: 10 von 14 „mangelhaft“

Kinderwagen sind Hightech-Geräte, für die Eltern ganz schnell hunderte von Euro loswerden. Schließlich wollen sie nur das Beste für ihr Kind. Der aktuelle Test aber zeigt: Das Beste können sie lange suchen. 10 von 14 Wagen sind mangelhaft. Kein einziger ist gut.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test Kinderwagen.

Kinderwagen 09/2009

  • ABC Design Turbo 6S Hauptbild ABC Design Turbo 6S
  • Babywelt Pro 4 S Hauptbild Babywelt Pro 4 S
  • Brio Go Hauptbild Brio Go
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Keiner ohne Schadstoffe

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Die 14 getesteten Kinderwagen sind teuer. Kosten: zwischen 249 und 910 Euro. Ihr Geld wert sind sie meist nicht. Keiner ist gut. Keiner ist schadstofffrei. Keiner ist wirklich kindgerecht.

PAK und Phthalate

In gleich zehn Wagen stecken so viele Schadstoffe, dass sie insgesamt mangelhaft abschneiden. So fanden die Tester in Griffen, Gurten, Bezügen und Regenhauben unter anderem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Phthalate (Weichmacher). Diese kritischen Substanzen sind teilweise krebserregend und gefährden die Fort­pflanzung. Dabei scheint kein Schadstoff aus technischer Sicht notwendig. Denn: Keinen fanden die Prüfer in allen Wagen gleichermaßen.

Branche muss handeln

Doch auch wenn die nach­ge­wiesenen Schadstoffe nicht akut gefährlich sind: Bei einer längeren Be­las­tung drohen gesundheitliche Schäden. Um so ärgerlicher ist es, dass das Testergebnis noch miserabler als beim Buggytest von 2006 ist – da waren von fünfzehn Buggys im Prüfpunkt Schadstoffe wenigstens fünf gut. Doch offenbar sah sich die Branche nach diesen alarmierenden Resultaten und der folgenden Kritik von Medien und Verbrauchern nicht zum Handeln gezwungen. Jetzt müssen die Anbieter dringend nachbessern!

Puppenkinderwagen ist sicherer

Die Anbieter sollten nachbessern, machen sich aber nicht strafbar: Sie müssen sich bisher nur an Vorschriften bezüglich einiger Schwermetalle halten. Nicht aber an die strengeren Vorschriften für Spielzeug, die zum Beispiel auch Grenzwerte für einige Phthalate beinhalten. Das ist paradox: Der Schadstoffgehalt von Puppen­kinder­wagen ist demnach weitergehend geregelt als der für den, in dem das Kind selbst sitzt. Im Test sind die Prüfer jedoch davon ausgegangen, dass Kinder zu ihrem Kinderwagen genauso Kontakt wie zu ihrem Spielzeug haben. Sie nehmen Bezugs­stoffe, Griffe und Regenhauben in Hand und Mund. Auch Eltern kommen ständig in Kontakt mit Griffen und Stoffen. Da die untersuchten Kinder­wagen verkehrs­fähig sind, haben Eltern leider nicht ohne weiteres das Recht, bereits gekaufte Wagen wegen eines zu hohen Schadstoffgehalts zurückzugeben oder um­zu­tauschen. Sie können jedoch auf Händler und Anbieter zugehen und auf deren Kulanz hoffen. Möglicherweise tauschen sie belastete Bauteile aus.

Wenig kindgerecht

Neben der Schadstoffbelastung haben alle getesteten Kinderwagen ein weiteres Manko: Sie sind wenig kindgerecht. Denn auch in diesem Prüfpunkt ist keiner sehr gut oder gut. Die Sitze sind oft zu klein und zu schmal, große Kleinkinder passen nicht mehr hinein. Die Lehnen sind häufig zu niedrig. Tragetaschen oder -wannen sind zu kurz und zu eng. Durch den Emmaljunga-Regenschutz regnet es sogar rein. Der Herlag-Wagen hat gar keinen Regenschutz.

Bugaboo und Teutonia vorn

Der Cameleon von Bugaboo und der Teutonia Mistral S liegen im Test vorn. test-Qualitätsurteil: befriedigend. Note: 3,2. Die Vorteile des Bugaboo: Er ist leicht, gut an Bordsteinkanten, nach dem Umbau fürs Fahren im Sand geeignet und sehr klein zusammenklappbar. Seine Nachteile: Im Kindbereich sind Phthalate (Weichmacher). Der Wagen ist mit 910 Euro das teuerste Modell im Test, seine Erstmontage ist langwierig, beim Lösen der Handbremse besteht Prellungsgefahr, der Korb ist klein und das Multifunktionsgelenk des Schwenk­schiebers hält hohen Belastungen nicht stand. Der Teutonia Mistral S (550 Euro) ist solide und schwer. Er sieht im Gegen­satz zum Bugaboo in puncto kindgerechte Gestaltung, Handhabung und Schadstoffe etwas schlechter aus. Beim Lösen der Handbremse besteht ebenso Prellungsgefahr, beim Zusammenklappen droht der Fuß gequetscht zu werden.

Noch einmal befriedigend

Der Zekiwa Alu-Cross ist der dritte Kinderwagen im Test, der befriedigend ab­ge­schnitten hat. Note: 3,3. Er ist mit 299 Euro relativ günstig, aber schwer. Vorteil: Auf Wald­bo­den macht sich der Zekiwa gut. Nachteile: Die Tragetasche ist sehr klein, der Sitz durchweg wenig geeignet. In den Textilien steckt etwas Form­aldehyd. Der am wenigsten schadstoffbelastete Wagen im Test ist der Hartan Topline S (550 Euro). Er schneidet aber insgesamt nur ausreichend (Note: 3,8) ab.

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