Wohin mit dem Sitz?

„Kinder nach hinten“ war früher die goldene Regel. Dann galt der Beifahrersitz eine Zeit lang als besser. Heute geht der Trend wieder nach hinten. test.de sagt, warum.

Hinten ist sicher

Gut fixiert in Kinder­sitzen fahren Kinder in der hinteren Sitzreihe sicher. Babys entgegen­gesetzt der Fahrt­richtung, größere Kinder mit Blick nach vorn. Babyschalen sind rück­wärts gerichtet konstruiert. Bei einem Aufprall ist die empfindliche Hals­wirbelsäule der Kleinen so besser geschützt. Vorteil der hinteren Plätze: Hier gibt es Isofix-Ösen, Kinder­sicherungen und kein Problem mit dem Airbag.

Tipp: Wenn Sie noch auf der Suche nach einem guten Auto­kinder­sitz sind: Der Produktfinder Autokindersitze bietet Ihnen Testbe­richte, Preise und Fotos für alle 442 Auto­kinder­sitze, die die Stiftung Warentest seit 2007 getestet hat. Hier finden Sie den besten Kinder­sitz für Ihr Auto. Preise, Fotos und Ausstattungs­merkmale sind kostenlos. Die ausführ­lichen Test­ergeb­nisse und Test­urteile sind kosten­pflichtig.

Rück­wärts ist sicher

Unfall­forscher empfehlen rück­wärts gerichtete Sitze auch für ältere Kinder – etwa bis vier Jahre. In Skandinavien sind solche Sitze längst üblich. Deutsche Eltern zögern noch. Die rück­wärts gerichteten Sitze brauchen mehr Platz. Der Einbau in Kleinwagen ist schwierig. Oft muss der Beifahrersitz ganz nach vorne rücken. Hat das Auto nur drei Türen, ist der rück­wärts­gerichtete Kinder­sitz schwer zugäng­lich. Die Mühe aber, zahlt sich aus: durch mehr Sicherheit.

Airbag abschalten

Für kleine Kinder ist auch der Beifahrersitz sicher. Doch hier gibt es mehr Tücken. Zunächst den Airbag. Der wäre für Babys eine tödliche Falle. Bei einem Aufprall würde der explodierende Luft­sack das Kleinkind in seinem Sitz förmlich erschlagen. Deshalb gilt: Airbag abschalten, solange ein rück­wärts­gerichteter Kinder­sitz montiert ist. Ohne Airbag ist der Vordersitz für kleine Kinder sicher. Vorteil: Der Fahrer hat Blick­kontakt mit dem Kind. Das birgt aber auch Gefahren. Viele Eltern lassen sich durch ihr Kind ablenken. Die Aufmerk­samkeit des Fahrers sollte vor allem dem Verkehr gehören.

Ältere Kinder nach hinten

Ältere Kinder reisen hinten sicherer. Der Beifahrersitz kommt zwar in Frage, ist aber nicht ideal. Gegen den Beifahrersitz sprechen Airbag und Gurt­kraft­begrenzer. Diese Sicherungs­einrichtungen sind auf Erwachsene optimiert. Der Gurt­kraft­begrenzer schützt bei einem Aufprall vor Schlüssel­bein- und Rippenbruch. Er nimmt Spannung aus dem Gurt. Ein Nachteil, wenn der Gurt einen Kinder­sitz hält.

Opel steigt aus

Für den Beifahrersitz sprechen der höhen­verstell­bare Gurt und die Kopf­stützen vorn – das galt eine Zeit lang als Vorteil. Heute geht der Trend wieder nach hinten. Beispiel Opel. Der Hersteller empfiehlt den Beifahrersitz nur noch für Babyschalen. Ältere Kinder in Kinder­sitzen der Gruppen II und III (15 bis 25 kg bzw. 25 bis 36 kg Körpergewicht) sollen hinten fahren.

Airbag wieder an

Wer viele Kinder im Auto unterbringen will, der braucht mitunter auch den Beifahrersitz für Kinder, die in Fahrt­richtung sitzen. Lassen Sie den Airbag in diesem Fall ange­schaltet. Schieben Sie den Beifahrersitz zurück. Kind und Kinder­sitz dürfen sich nicht im Explosions­bereich des Airbags befinden.

Vordersitz nimmt Platz weg

Ein vorwärts gerichteter Kinder­sitz auf dem Beifahrersitz hat einen entscheidenden Nachteil: Der weit zurück­geschobene Vordersitz raubt hinten den Platz. Oben­drein läuft der Gurt nicht mehr optimal. Bei vier- und fünf­türigen Autos steht die B-Säule mit der Gurt­ver­ankerung so weit vorn, dass der Gurt bei zurück geschobenem Sitz nur noch schlecht durch den Kinder­sitz läuft. Fazit: Auch für ältere Kinder ist der Beifahrersitz nur ein Notsitz.

Dieser Artikel ist hilfreich. 5075 Nutzer finden das hilfreich.