Lieblos gebaut, schlampig verarbeitet, schnell kaputt: Viele Kinder­fahr­räder enttäuschen. 16 Modelle hat die Stiftung Warentest getestet. Keines ist gut. Manchmal bleibt sogar die Sicherheit auf der Strecke. Drei Fahr­räder können sich beim Bremsen über­schlagen. Auch modisches Zubehör wie Zug­stangen, Kupp­lungen und Trailer bringen weder Spaß noch Sicherheit. test.de sagt, wie Sie trotzdem ein ordentliches Kinder­rad finden.

Nach 3 000 Kilo­metern kaputt

Gute Kinder­fahr­räder gibt es nicht. Zumindest nicht in diesem Test. 16 Modelle hat die Stiftung Warentest ins Rennen geschickt: Straßenräder für Sechs- bis Zehnjäh­rige. Mit 20-Zoll-Reifen, 3-Gang-Schaltung (ein Rad mit 6-Gang-Ketten­schaltung), Schutz­blechen, Gepäck­träger und Licht. Sieben kleine Tester fuhren die Räder im Praxis­test. Angeleitet von fünf Erwachsenen. Ergebnis: Nur ein einziges Rad fährt annähernd gut. Das Puky Cyke Alu für 300 Euro. Das hätte ein gutes Rad werden können. Fehl­anzeige. Beim Belastungs­test im Labor riss der Rahmen nach einer simulierten Fahr­leistung von etwa 3 000 Kilo­metern. Bei weiterer Belastung kann der Rahmen an dieser Stelle brechen. Halt­barkeit: nur ausreichend.

Für Kinder zu schwer

Schade um das Puky Cyke. Es ist ansonsten solide gemacht: Reifen und Felgen und Gepäck­träger sind stabil, der Rahmen ist kindgerecht konstruiert und die Bremsen funk­tionieren sehr gut. Die meisten anderen Kinder­räder sind Mittel­maß. Sie fahren nur befriedigend. Mal passt der Rahmen nicht zum kleinen Radler, mal ist der Sattel unbe­quem, mal kommen die Kinder mit dem Rad nicht richtig klar. Schwer sind die Kinder­räder oben­drein. Das gilt aber auch für das Puky. Gewicht der Räder: fast 12 bis 14 Kilogramm. Für sechs- bis zehnjäh­rige Kinder ist das zu viel. Sie können die Räder nicht über die Kellertreppe tragen.

Lieblos gemacht

Am Preis allein kann die schlechte Qualität nicht liegen. Die getesteten Markenräder kosten bis zu 380 Euro. Dafür sollten sich gute Räder bauen lassen. Allerdings gibt es einen Trend zum Billigrad. Viele Kinder­räder sind lieblos zusammen­geschraubt. Oft werden minderwertige oder nicht kindgerechte Teile verbaut. Beispiel: Gepäck­träger. Die haben oft nur eine Strebe und halten kaum was aus. Für Kinder unge­eignet: Schließ­lich fahren hinten oft Freunde mit. Was für Erwachsene durch­geht, kann für Kinder voll daneben sein. Das gilt etwa für die Bremsen.

Beim Bremsen blockiert das Rad

Alle Anbieter verbauen in den Kinder­rädern aggressive V-Brakes für Erwachsene. Diese Bremsen packen bissig zu. Schon bei geringem Druck auf den Brems­hebel. Bei einer Notbremsung kann das Vorderrad bei drei Modellen sogar blockieren. Selbst der manchmal einge­baute Brems­kraft­modulator verhindert das nicht. Folge: Kind und Fahr­rad über­schlagen sich. Die Gefahr besteht bei den Kinder­rädern Kettler Dumbo 2, Otto Hanseatic und Scott Radical EQ 200. Test­urteil: mangelhaft.

Gespanne fahren schlecht

Auch das modische Zubehör zum Koppeln zweier Fahr­räder kann im Test nicht punkten. Die Idee: Ein Erwachsener zieht das Kinder­fahr­rad hinter sich her. Der kleine Passagier kann selber treten. Ist das Kind müde, lässt es sich einfach ziehen. Fünf Systeme hat die Stiftung Warentest exemplarisch untersucht: Drei verschiedene Kupp­lungen und zwei so genannte Fahr­radtrailer mit integriertem Kinder­rad. Wie bei den Kinder­fahr­rädern mit finanzieller Unterstüt­zung der Europäischen Kommis­sion. Doch ob Zug­stange, Kupp­lung oder Fahr­radtrailer: Die Gespanne aus Erwachsenen- und Kinder­fahr­rad fahren schlecht. Das Kinder­rad pendelt nach links und rechts. Das Gespann schwankt.

Fahr­radtrailer unsicher

Die Fahr­radtrailer von ZEG und Tchibo sind sogar ausgesprochen gefähr­lich. Das Material wird müde. Im Test brach die Verbindung zum Zugfahr­rad schon nach kurzer Zeit. Die Folge: Das im Trailer integrierte einrädrige Kinder­rad macht sich selbst­ständig. Kinder haben keine Chance, sich auf dem abge­brochenen Trailer zu halten. Im Verkehr wäre das lebens­gefähr­lich. Beide Anbieter haben ihre Trailer nach dem Test der Stiftung Warentest sofort zurück­gerufen.

Augen auf beim Kauf

Da es keine guten Kinder­fahr­räder von der Stange gibt, ist das wache Auge beim Kauf besonders wichtig. Wer etwas mehr Geld anlegt, kann den einen oder anderen Mangel durch Nach­rüstung beheben. Lenkergriffe mit Prall­schutz oder ein stabiler Gepäck­träger kosten nicht die Welt. Stiftung Warentest online gibt Tipps zum Fahr­radkauf.

Komplett + Inter­aktiv:Test Kinderfahrräder aus der Zeitschrift test
Test Fahr­radhelme:Guter Schutz für wenig Geld

Dieser Test wurde von der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher­schutz der Europäischen Kommis­sion gefördert.

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