Kindermatratzen Test

Alle getesteten Schlafunterlagen für die Kleinen und ganz Kleinen sind bequem und haltbar, aber nur eine ist insgesamt „gut“. Sie heißt Dornröschen.

Wie ein Käfer auf dem Rücken liegt das Baby in der ersten Zeit im Bettchen. Es kann sich nicht umdrehen, wenn es ungemütlich wird. Umso wichtiger ist eine vernünftige Schlafun­terlage. Immerhin verbringen Kinder im ersten Lebensjahr mehr als 14 Stunden am Tag mit Schlafen und auch im Vorschulalter oft noch mehr als 10.

Doch Kindermatratzen müssen noch einiges mehr bieten als Liegekomfort: Halt geben zum Beispiel bei den ersten stapfenden Stehversuchen. Und später dürfen die Matratzen nach dem Hüpfen nicht gleich durchhängen. Außerdem sollte ihr Bezug waschbar sein, weil immer auch mal etwas danebengehen kann.

Während bei Erwachsenen immer noch Federkernmatratzen beliebt sind, spielen sie in Kinderbetten keine große Rolle. Die meistgekaufte Schlafunterlage für Kinder in der Standardgröße 0,70 mal 1,40 Meter ist die Schaumstoffmatratze. Davon haben wir neun Modelle getestet, außerdem zwei mit Latex- und eine mit latexiertem Kokoskern.

Nicht zu hart, nicht zu weich

Matratzen für Erwachsene müssen im Liegen die natürliche Wirbelsäulenkrümmung unterstützen. Kindermatratzen haben es hier nicht nur wegen des geringeren Gewichts der Kleinen leichter: Die Wirbelsäule von Kleinkindern ist noch gerade, die doppelt S-förmige Krümmung entwickelt sich erst später. Die Matratze sollte dem kleinen Körper aber genug Halt geben und zugleich Bewegungsfreiheit lassen. Ist die Matratze zu weich, sinkt das Kind zu tief ein, ist sie zu hart, stützt sie zu wenig und drückt an einigen Stellen.

Alle zwölf getesteten Matratzen bieten ordentliche Liegeeigenschaften. Alles in allem knapp „gut“ schneiden in diesem Punkt allerdings nur die Dornröschen von MFO und Easy Premium Air von Easy Baby ab. Aber auch die anderen sind nur wenig schlechter: Sie schaffen beim Liegen ein gutes „Befriedigend“ (siehe Tabelle).

Matratze erst auslüften lassen

Einige Abwertungen gab es in puncto Umwelt und Gesundheit. So fanden wir bei der Matratze von Easy Baby krebserzeugende Stoffe in der ungeöffneten Verpackung: Trichlorethen und Tetrachlorethen. Auf Trichlorethen stießen wir auch bei der Paidi-Latex-Matratze. Tetrachlorethen entwich ausgerechnet auch beim Öffnen der Verpackung der Öko-Matratze von Hess Natur.

Nach 24 Stunden waren die krebserzeugenden Stoffe in der Raumluft nicht mehr nachweisbar. Doch im Kinderzimmer haben sie schlicht gar nichts zu suchen. Matratzen sollten eigentlich noch in der Fabrik ausgelüftet werden. Solange das aber nicht funktioniert, müssen Eltern Matratzennamen wie „Easy Premium Air“ wohl frei mit „einfach erst lüften“ übersetzen. Auf der Verpackung fehlt solch ein Hinweis allerdings.

Die Paidi-Matratze verströmte neben dem Trichlorethen auch hohe Mengen an anderen organischen Verbindungen, die zwar nicht krebserzeugend sind, aber die Atemwege reizen können. Außerdem fiel die Matratze durch einen intensiven stechenden Geruch auf, der mehr als einen Tag lang anhielt. Auch die Modelle von Concord und Ikea rochen anfangs stark muffig und fettig, waren aber frei von gesundheitlich bedenklichen Stoffen. Eine erfreuliche Nachricht: Anders als im letzten Kindermatratzentest vor knapp zehn Jahren fanden wir dieses Mal keine problematischen Flammschutzmittel, Pestizide oder Weichmacher.

Überzeugt hat uns die Haltbarkeit der im Schnitt nur etwa zehn Zentimeter dicken Matratzen. Die harte Prüfung, 15 000 Walzgänge mit einer 40-Kilo-Walze, bestanden fast alle „sehr gut“. Der Test simuliert einen ungefähr fünfjährigen Gebrauch. Das Ergebnis weist darauf hin, dass die Kindermatratzen im echten Leben durchaus noch länger halten können. Allein wegen der Körpergröße dürfte aber nach fünf oder spätestens sechs Jahren der Wechsel auf eine große Matratze anstehen. Das Kind sollte nach oben und unten zehn Zentimeter Platz haben. Ist die 1,20-Meter-Marke überschritten, wird es auf der 1,40-Meter-Matratze also eng. Aus hygienischen Gründen sollte die Matratze dann aber nicht an andere Kinder „weitergereicht“ werden.

Unterschiedliche Seiten überflüssig

Für die Messungen haben wir Kinder im Alter von sechs Monaten und fünf Jahren die Matratzen ausprobieren lassen. Trotz ihres Gewichts- und Größenunterschieds liegen Säuglinge und Kleinkinder auf ein und derselben Unterlage gleich gut. Sie sinken immer gleich tief ein – beim größeren Kind wird das Gewicht einfach auf eine größere Fläche verteilt. Zwei unterschiedliche Matratzenseiten, wie sie bei vier Produkten angepriesen werden, sind deshalb überflüssig. Bei Zöllner, Paradies und Aro Artländer steht der Härteunterschied ohnehin nur auf dem Papier und lässt sich in der Praxis nicht wiederfinden. Bei der Matratze von Alvi ist die „mittelweiche Babyseite“ in Wahrheit sehr weich und in den Liegeeigenschaften deutlich schlechter als die „Juniorseite mit fester Schaumpolsterung“.

Sinnvoll ist dagegen eine trittfeste Kante am Matratzenrand, wie sie sieben der Produkte im Test haben. Beim Tapsen durchs Bett kann sie verhindern, dass die kleinen Füße eingeklemmt werden oder durch die Gitterstäbe abrutschen.

In den Werbeaussagen zeigen sich die Anbieter einmal mehr von ihrer poetischen Seite. Was man sich zum Beispiel unter einem „hervorragenden, soften, fließenden, kernweichen Griff“ vorzustellen hat, weiß wohl nur die Firma Aro Artländer selbst. Ebenso unklar bleibt, was sie mit der „Heilkraft der Wüstenlilie“ und dem „vitalisierenden, antiseptischen Effekt durch Enzyme“ meint. Der laut Anbieter mit Aloe Vera behandelte Bezug kommt in der Regel überhaupt nicht mit der Haut in Kontakt und kann deshalb keine Heilkraft entfalten. Regelmäßig gewaschen werden sollte er so oder so – das ersparen auch die „Enzyme“ nicht.

Viele Anbieter bezeichnen ihre Matratzen als „ideal für Allergiker“ oder „allergikerfreundlich“. Das ist übertrieben. Keine der Matratzen oder der mitgelieferten Bezüge kann die Hausstaubmilbe als Allergieauslöser auf Dauer aus ihrem liebsten Lebensraum, dem Bett, fernhalten. Kindern mit einer Hausstauballergie helfen spezielle Allergikerbezüge, sogenannte Encasings (test 3/03).

Immerhin sind alle Matratzenbezüge im Test waschbar. Bei einigen kann das Wiederbeziehen allerdings in eine Strapaze ausarten. Der Ikea-Bezug läuft beim Waschen ein. Da er zudem nur auf einer kurzen Seite zu öffnen ist, lässt er sich schwer wieder auf den Kern zwängen.

Kein Plastik oder Gummi unterlegen

In puncto Wärmetransport und Feuchteregulierung schneiden alle Matratzen im Test gut ab. Von zusätzlichen Bezügen aus Kunststoff oder Gummimatten als Unterlage zum Schutz der Matratze raten Kinderärzte ab. Zum einen, weil das Schlafklima sich dadurch stark verschlechtern kann und die Kinder in ihrem Schweiß liegen. Zum anderen könnte solch eine Versiegelung der Matratzenoberfläche dazu führen, dass Babys ihr ausgeatmetes Kohlendioxid (CO2) wieder einatmen. Diese sogenannte CO2-­Rückatmung gilt als ein Risikofaktor für den plötzlichen Kindstod.

Drei Anbieter im Test werben damit, dass ihre Matratzen über Löcher und Kanäle verfügen, die das Risiko der CO2-­Rückatmung reduzieren. Auch andere Matratzen haben solche Löcher und Kanäle. Ob dadurch das Risiko des plötzlichen Kindstods gesenkt werden kann, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Fest steht, dass die Wahl der Matratze nicht der wichtigste Aspekt der Vorbeugung ist (siehe „So schläft das Baby sicher“). Als der größte vermeidbare Risikofaktor gilt neben dem Rauchen der Eltern die Bauchlage des Kindes. Babys sollten daher möglichst auf dem Rücken im Bett liegen – wie ein Käfer.

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