Monsterbacke, Bärchenwurst, Krokokäse und Co. – Kinder lieben sie. Doch spezielle Fertigprodukte für den Nachwuchs sind überflüssig, oft auch zu süß und fett, angereichert mit überdosierten Vitaminen und vielen Aromastoffen.

Natürlich bekommt man die Kleinen auch ohne Biene Maja oder Frootloops groß. Aber die Kinder lieben nun einmal die oft mit Farb- und Aromastoffen aufgepeppten Produkte – auch wegen der bunten Bilder auf der Verpa­ckung. Manchmal ist sogar ein kleines Geschenk dabei. Kein Wunder, dass die Kinder quengeln und die Eltern kaufen.

Außerdem ist den Eltern das Beste oft gerade gut genug. Lebensmittelskandale haben aber viele verun­sichert. Weil sie ihre Kinder gesund ernähren wollen, sind Eltern da schnell von Kinderprodukten überzeugt, wenn die noch mit Vitaminen und Mineralstoffen angereichert sind.

Übergewicht: Eine Epidemie

Kinderlebensmittel Test

Die Wahrheit ist: Vitamine sind meist überdosiert, Kalziumzusätze bringen oft nicht viel. Gleichzeitig werden reichlich Zucker, Fett und Kalorien aufgetischt. Und die tragen zum rapide wachsenden Übergewicht auch in jungen Jahren bei. Bis zu 20 Prozent der Kinder gelten – je nach Alter – als übergewichtig. Experten sprechen bereits von einer Epidemie. Übergewicht hat viele Gründe: Bewegungsmangel, Veranlagung, soziale Ursachen, falsche Ernährungsgewohnheiten. Aber egal, welche Gründe es sind: Immer läuft es darauf hinaus, dass die Kinder mehr essen, als ihnen gut tut.

Dem wachsenden Übergewicht will auch der vzbv (Verbraucherzentrale Bundesverband) unter anderem mit Tipps zum bewussten Umgang mit Werbung begegnen. Die „Kinderkampagne“ wird von der Stiftung Warentest unterstützt (siehe „Werbung und Wahrheit“).

Kinderlebensmittel: 40 im Test

Kinderlebensmittel Test

Höchstens 10 Prozent davon sollte Süßes sein. So können Sie kalkulieren:
Hundert Kalorien stecken in etwa einer Kugel Eiscreme, einem kleinen Stückchen Obstkuchen, vier Butterkeksen, zwei Esslöffel Marmelade, 30 Gramm Fruchtgummis, 20 Gramm Schokolade.

Das Angebot an Lebensmitteln, deren Aufmachung sich speziell an Kinder richtet, ist groß: von der Fertigsuppe über Cerealien, Snacks und Süßigkeiten bis zu speziellen Ketchups. Wobei Frühstückscerealien zu den am stärksten bearbeiteten Lebensmitteln zählen. Anders die Fertiggerichte im Test, die außerdem vergleichsweise wenig Aroma- und Zusatzstoffe haben. Wir haben 40 Kinderlebensmittel eingekauft, mit denen man die fünf Mahlzeiten eines Tages wenigstens teilweise bestreiten könnte. Als Vergleich diente selbst Zubereitetes, wie es für eine gesunde Kinderkost empfohlen wird. Zum Frühstück beispielsweise zwei bis drei Esslöffel Haferflocken mit ein paar Esslöffeln Cornflakes und Milch. Molkereiprodukte wurden mit einer Fruchtjoghurtmischung ver­glichen, Fertiggerichte mit Selbstge­kochtem wie Fleischklößchen mit Tomatensoße. Beurteilt wurde gemäß den Empfehlungen des Forschungsinstituts für Kinderernährung.

Pflanzliches: Zu wenig

Reichlich Gemüse, Obst und auch Getreideprodukte – das sollte Kernstück jeder Ernährung sein. Schön wärs. Grünzeug gibt es bei diesen Produkten nur in relativ geringen Mengen, und dann zusammen mit viel Fett. Zum Beispiel Käp'n Iglo Pastalini: rund 17 Gramm Fett und 430 Kilokalorien pro Portion. Das macht bei einem Schulanfänger schon knapp ein Drittel seines täglichen Kalorienkontos aus.

Selbst Cornflakes und Co. enthalten vergleichsweise wenig Getreide. Und das, obwohl auf den Packungen Tiger und andere Figuren in Körnigem regelrecht baden. Dafür gibt es reichlich Zucker – bis zu 42 Prozent (Aldi Knusperkrone und Nestlé Cookie Crips). Unsere Cornflakes-Haferflocken-Mischung ist zwar kalorienreicher, hat aber auch mehr wichtige Nähr- und vor allem Ballaststoffe sowie deutlich weniger Zucker. Fazit für die Fertigcerealien: fürs Frühstück nicht geeignet.

Betrachtet man die Flakes aber als Süßigkeit, könnte man ihnen sogar einiges abgewinnen: Sie sind fettarm, enthalten Getreide, und die Milch dazu ist ein besserer Beitrag zur Kalziumversorgung als manche Snacks, die mit Milch werben.

Vitamine: Überflüssig

Fast 40 Prozent der Produkte sind üppig mit Vitaminen angereichert. Das machen die Packungsangaben deutlich, die sich auf den Tagesbedarf von Erwachsenen beziehen. Kinder brauchen aber weniger. So verspeist ein Schulan­fänger zum Frühstück mit einer Portion Cornflakes schon bis zu drei Viertel des gesamten Tagesbedarfs an einigen Vitaminen.

Dabei werden den Cerealien Vitamine zugesetzt, die natürlicherweise nicht enthalten wären. Häufige weitere Beigaben: Kalzium oder Eisen. Das Frühstück als Vitamintablette für die Kleinen?

Solche Vitaminisierung ist überflüssig, weil der Nachwuchs hierzu­lande gut genug ernährt ist. Sie ist in stark Gezuckertem sogar unerwünscht. Denn indem die Vitaminisierung Gesundes suggeriert, fördert sie Ungesundes, nämlich den sowieso zu hohen Zuckerverzehr. Außerdem: Der Körper scheidet nicht benötigte wasserlösliche Vitamine wieder aus.

Kalzium: Begrenzt sinnvoll

Fast jedem dritten Produkt wurde Kalzium zugesetzt, darunter sogar Milchprodukten, die eigentlich genug von diesem Knochenbaustoff enthalten sollten. Tun sie aber nicht immer. Eine Portion Zott Monte Milchcreme kommt trotz der Zusätze auf weniger Kalzium als ein kleines Glas Milch. Beim Danone Fruchtzwerggetränk bringen die Zusätze zwar ein wenig mehr Kalzium als Milch, die Portion enthält aber viel Zucker: 25 Gramm. Kalzium wird auch Ketchup und sogar der Bärchenwurst zugefügt. Mit mäßigem Erfolg: Ein kräftiger Schluck Milch oder eine Scheibe Käse würden mehr bringen.

Zucker und Fett: Überreichlich

Kinder lieben Süßes. Ein Grundschulkind sollte aber pro Tag nicht mehr als 25 Gramm zugesetzten Zucker verputzen. Das wäre gerade mal ein Fruchtzwerggetränk oder ein Frischli Fruchtquark. Das Qoo Erfrischungsgetränk ist da mit rund 33 Gramm Zucker schon nicht mehr drin. Erst recht nicht ein zusätzlicher Schokoriegel oder ein kleines Eis.

Klar: Es ist schwierig, solche Maßstäbe genau einzuhalten. Auch Kinder essen mal mehr, mal weniger. Hauptsache die Nährstoffbilanz ist einigermaßen ausge­wogen. Das gilt auch für Fett: Für ein gesundes Lebensmittel kann man ruhig mal ein bisschen mehr in Kauf nehmen. Zum Beispiel Fisch, den Kinder meist nicht gerne pur essen. Da sind Fischstäbchen oder panierte Fischfi­guren (Frosta Piraten Beute) mit Fett aufsaugender Panade ausnahmsweise in Ordnung.

Vor allem Quark- und Joghurtspeisen haben viel Zucker und Fett. Werden sie nur gelegentlich verzehrt, lässt sich wenig dagegen sagen. Umso wichtiger, zum Ausgleich Fett zu sparen, zum Beispiel durch Milch mit 1,5 Prozent Fett. Bei den Testprodukten wird sie nur für das trinkfertige Nesquick verwendet. Mit fast 25 Gramm Zucker kommt die 0,33-Liter-Portion aber doch auf rund 260 Kilokalorien.

Portionsgrößen: Besser klein

Nesquick ist eine große Portion. Günstiger sind kleinere Portionen, vor allem bei viel Fett und Zucker – wenn nicht mehrere verdrückt werden. Andererseits: Was den Magen nicht füllt, macht kaum satt. Sorgen Sie für kalorienarmes, magenfüllendes Gemüse und Obst, dann können die Kinder ruhig Süßes naschen. Erst recht, wenn sie sich viel bewegen.

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