Kinderlebensmittel Test

Fruchtzwerge, Monsterbacke, Bärchenwurst: Lebensmittel für Kinder sind in. „So wertvoll wie ein kleines Steak“. Der Fruchtzwerge-Slogan hat Geschichte gemacht. Werbegeschichte zumindest. Fast jeder kennt ihn. Dabei ist er selbst Geschichte. Seit BSE werben die Anbieter lieber mit Milch und Vitaminen: „lecker und gesund“. Die Stiftung Warentest hat 40 Lebensmittel für Kinder getestet. Oft stecken sie voller Zucker und Fett. Das ist nicht besonders gesund. test.de gibt Tipps zur Ernährung.

Jedes fünfte Kind zu dick

Die Weltgesundheitsorganisation WHO will stärker gegen Fettleibigkeit kämpfen. Herzbeschwerden, Diabetes und andere ernährungsbedingte Krankheiten nehmen weltweit zu. Hauptursache: falsche Ernährung und zu wenig Bewegung. Das fängt bei Kindern an. In Deutschland ist etwa jedes fünfte Kind zu dick. Experten sprechen bereits von einer Epidemie. Viele Eltern wollen ihren Kindern Gutes tun und kaufen spezielle Kinderprodukte wie Froot Loops, Fruchtzwerge, Frucht-Tiger und Co. Doch gerade darin stecken oft Dickmacher satt.

Zucker, Fett und Kalorien

Die bunten Lebensmittel für Kinder enthalten viel Zucker, Fett und Kalorien. Vitamine sind oft überdosiert. Ihr Nutzen verpufft: Der Körper scheidet wasserlösliche Vitamine die er nicht mehr verwerten kann wieder aus. Auch der Zusatz von Kalzium bringt nicht viel. Die meisten Kinderprodukte mit Zusatz enthalten weniger Kalzium als ein Glas Milch. Die Stiftung Warentest hat 40 Kinderprodukte mit normalen und selbst gekochten Lebensmitteln verglichen. Maßstab ist die optimierte Mischkost – kurz: optimiX. Ein Konzept für gesunde Ernährung, entwickelt vom Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund.

Normale Lebensmittel sind besser

Die Experten empfehlen drei Haupt- und zwei Zwischenmahlzeiten am Tag. Optimix heißt: viel Gemüse, Obst und Getreide, mäßig Milch, Milchprodukte, Fisch, Fleisch und Eier, wenig Zucker, Süßigkeiten und Fett wie Butter, Margarine und Öl. Kinderprodukte können hier kaum punkten. Beispiel: Froot Loops von Kellogg's. „Getreideringe aus gesundem Weizen, Hafer und Mais mit dem Riesenfruchtgeschmack“, so die Werbung. Tatsächlich enthalten Froot Loops fast 40 Prozent Zucker, aber nur wenig Ballaststoffe. Müsli, Haferflocken und schwach gezuckerte Cornflakes sind besser.

Überdosis Zucker

Kinder lieben Süßes. Doch ein Grundschulkind sollte pro Tag höchstens 25 Gramm zugesetzten Zucker essen. Das wäre gerade mal ein Fruchtzwerggetränk. Die Stiftung Warentest hat zwei Tagesrationen verglichen: Fertigprodukte gegen Selbstgemachtes (Details: siehe pdf-Datei). Der Tag mit Selbstgemachtem bringt 1 550 Kilokalorien, 45 Gramm Fett und 23 Gramm Zucker. Der Tag mit Fertigprodukten 1 864 Kilokalorien, 64 Gramm Fett und 124 Gramm Zucker. Das ist fünfmal mehr Zucker als empfohlen.

Auflagen für die Werbung

Fazit: Kinderprodukte machen keine gute Figur. Nur fünf von 40 Produkten im Test sind für Kinder geeignet. Der Rest gehört bestenfalls gelegentlich auf den Tisch. Besonders ärgerlich: Die Werbung trommelt für diese Produkte. Mit bunten Packungen, putzigen Bildern und dem Stempel „gesund“. Die Kinder quengeln und die Eltern kaufen. Verbraucherschützer fordern deshalb Auflagen für die Lebensmittelindustrie: Fette und überzuckerte Produkte dürften nicht mehr als gesund beworben werden.

Optimale Mischkost: Ein Beispiel (pdf-Datei)

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