Kinderlaufräder Test

Schon Dreijährige kommen auf Laufrädern zügig voran und trainieren so ihren Gleichgewichtssinn. Schadstoffe in Griffen, Sitzbezug und Reifen trüben die Testergebnisse jedoch stark.

Freiherr Karl Friedrich von Drais fuhr schon 1817 mit einem Holzlaufrad durch Mannheim. Heute sind die Nachfolger seines Vehikels vor allem bei Kindern ab etwa drei Jahren sehr beliebt. Bequemer als ein Roller, leichter und platzsparender als ein Dreirad, trainiert das Laufrad die Koordinationsfähigkeiten der Kleinen. Spielerisch bereitet es sie aufs Radfahren vor.

Schadstoffe vermiesen den Spaß

Vom einfachen Holzrad bis zum glänzenden Alurad mit Hinterradfederung waren im Test 15 Modelle vertreten. Im Labor mussten sie harte Belastungen aushalten, was den meisten klaglos gelang. Allerdings offenbarten die Laborprüfungen ein anderes Problem: Wir fanden Schadstoffe in Griffen, Sitzbezügen und Reifen, zum Beispiel polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Weichmacher. Sie können krebserzeugend, fruchtschädigend und erb­gutverändernd wirken, möglicherweise auch die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Sie sind vor allem in weichen Kunststoffmaterialien zu finden. PAK und Weichmacher sind Kontaktgifte, sie dringen über die Haut in den Körper ein. Akut gefährlich ist das nicht – aber über längere Zeit drohen ernsthafte gesundheitliche Schäden.

Besonders fatal: In vier Laufrädern fanden wir den für Spielzeug und Babyartikel verbotenen Weichmacher Di(2-ethylhe­xyl)­phthalat, DEHP. Laufräder gelten auch als Spielzeug. Demnach hätten diese vier gar nicht verkauft werden dürfen. Das FirstBike Big Apple und das Monz Mini Viper haben DEHP in den Griffen, das Coolproducts und das Kawasaki im Sitzbezug. Wer ein solches Laufrad gekauft hat, sollte es zu seinem Händler zurückbringen und den Mangel reklamieren.

Quelle der Schadstoffe sind offenbar vor allem minderwertige oder verunreinigte Rohstoffe. Technisch erforderlich sind sie nicht. Es stehen auch Chemi­kalien zur Verfügung, die keine Gesundheitsrisiken bergen. Einige Räder im Test zeigen, dass es besser geht. Die anderen Anbieter sollten also schleunigst nachbessern.

Beim Hudora-Laufrad fanden wir 2005 Schadstoffe in Griffen und Reifen (siehe Test Kinderräder aus test 05/2005). Beim aktuellen Modell Joey by Hudora Sauseschritt verwendet der Anbieter schadstofffreie Handgriffe – und bietet sie auch als Ersatz für ältere, belastete Griffe an. Allerdings fanden wir beim Labortest in den Reifen immer noch das giftige PAK. Besser schneiden unter anderem die Big-Apple-Reifen auf dem FirstBike, Coolproducts und Kokua Jumper ab. Sie haben nicht nur einen geringeren PAK-Gehalt, sondern sind auch mit einem Pannenschutz und Reflexstreifen ausgestattet.

Tipp: Fragen Sie den Fahrradfachhändler, ob er diese Reifen auch auf ein anderes Kinderlaufrad montieren kann. Auch der Austausch belasteter Handgriffe sollte für ihn kein Problem sein. Dann steht dem Fahrvergnügen nichts mehr im Wege.

Sie fahren „gut“ bis „befriedigend“

Wir nahmen die Räder nicht nur im Labor in die Mangel, sondern ließen sie auch von 2,5- bis 4,5-jährigen Mädchen und Jungen testen. Mit großer Freude fuhren sie Slalom um aufgestellte Pylone, ackerten durch tiefen Sand und nutzten kleinste Hügel, um sich hinabrollen zu lassen. Unsere Experten haben die Kinder aufmerksam beobachtet, ihre Vorlieben, Erfahrungen und Probleme protokolliert. Dabei fiel auf: Während viele Eltern eine Bremse als Sicherheitsgewinn betrachten, benutzten selbst die älteren Testkinder sie nicht. Vielmehr zeigte sich ein gravierender Nachteil: Der Bremszug wickelte sich beim Big Bobby-Runner, Ferbedo (bei ausgebautem Anschlag) und beim Mini Viper so oft um die Lenkachse, bis das gebremste Hinterrad blockierte. Bei den Rädern ohne Lenkanschlag lässt sich der Lenker um 360 Grad drehen. Auch eine Bremse, die beim Coolproducts Rennrad auf das Vorderrad wirkt, ist wenig kindgerecht.

Tipp: Montieren Sie Bremszug und -hebel ab, solange das Kind zu klein ist, um die Bremskraft dosiert einzu­setzen. Laufräder werden üblicherweise gestoppt, indem die Schuhsohlen gegen den Boden gestemmt werden. Achten Sie deshalb darauf, dass Ihre Kinder beim Laufradeln Schuhe tragen und den Flitzer auch im Hochsommer nicht barfuß bewegen.

Auch die Glocke benutzten die kleinen Radler im Test nach Lust und Laune und nicht zur Gefahrenabwehr. Um das Verletzungsrisiko bei einem Sturz zu mindern, ist es also zweckmäßig, auf die Klingel zu verzichten und sie nicht anzubringen.

Weniger gut fanden wir auch die Begrenzung des Lenkeinschlags. Bei zu engem Winkel erschwert der Anschlag nicht nur das Kurvenfahren, wie die Testkinder beim Slalomparcours erfuhren, sondern er kann auch Klemmstellen aufweisen. Genial einfach und wirkungsvoll ist dagegen der Gummiring, der beim Kokua Jumper das Vorderrad in Laufrichtung zieht, aber so flexibel ist, dass der Lenker bei einem Sturz nicht gefährlich hochsteht wie bei Modellen mit festem Lenkan­schlag. Im Übrigen beobachteten wir im Test keinen einzigen Sturz, der durch einen verrissenen Lenker ohne Anschlag entstanden wäre.

Die Laufräder Coolproducts, Nic Runnic, Mini Viper und Puky haben einen Seitenständer. Der birgt eine Verletzungsgefahr durch Klemmstellen und ist überflüssig. Benutzt wurde die Abstellstütze von den Testkindern nicht. Sie legten die Räder einfach ab. Das erleichtert den Kleinen auch das Aufsteigen. Sie stellen sich über das liegende Rad und ziehen es an den Lenkergriffen hoch. Das ist einfacher, als das Bein über die teilweise hohen Rahmen zu schwingen. Einen sehr niedrigen Rahmendurchstieg haben das Puky LR1 und das Monz Mini Viper. Das erleichtert das Aufsteigen.

Die Fahnenstange am CP-Twister wurde beim Auf- und Absteigen regelmäßig umgebogen und brach schließlich ab. Ohne den flatternden Wimpel war der Twister – wie die anderen Holzlaufräder auch – für die Testkinder weniger interessant. Bei freier Auswahl stürzten sich fast alle auf die bunten Exemplare aus Metall.

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