Ein tolles Spielzeug und sinnvoll obendrein: Laufräder bringen kleine Kinder in Schwung und bereiten aufs Fahrradfahren vor. Im Test: 15 Modelle für 40 bis 199 Euro. Die böse Überraschung: Für elf Laufräder gibt die Stiftung Warentest Giftalarm. In Griffen, Sitzpolstern und Reifen steckt verdächtige Chemie. test.de klärt auf.

Krebsgift in Griffen, Polstern und Reifen

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Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe heißt das Übel – kurz PAK. Die Chemie steckt vor allem in den Reifen. Dazu kommen Weichmacher in Sitzpolstern und in Kunststoffgriffen am Lenker. PAK und Weichmacher sind Kontaktgifte. Sie dringen über die Haut in den Körper ein. Das ist nicht akut gefährlich, aber auf Dauer auch nicht gesund. Weichmacher und PAK können Krebs erzeugen. Sie verändern vermutlich das Erbgut und wirken fruchtschädigend. Möglicherweise vermindern sie auch die Fruchtbarkeit. Kurzum: Diese kritischen Substanzen gehören nicht auf die Haut. Schon gar nicht in Kinderhände.

Beim Händler reklamieren

Besonders fatal ist der Weichmacher DEHP (Di2-EthylHexylPhthalat). DEHP ist für Spielzeug und Babyartikel verboten. Trotzdem fanden die Chemiker der Stiftung Warentest die giftige Substanz. Vier Laufräder sind damit belastet. Beim FirstBike Big Apple und beim Monz Mini Viper steckt DEHP in den Griffen, beim Coolproducts und beim Kawasaki im Sitzbezug. Diese Laufräder hätten nicht verkauft werden dürfen. Wer ein solches Modell gekauft hat, sollte es zurückgeben und beim Händler reklamieren.

Nur drei sind annehmbar

Bei den anderen Laufrädern ist der Umtausch Verhandlungssache. Ausdrücklich verboten sind die gefundenen Schadstoffe nämlich nicht. Elf Modelle kassierten ein Mangelhaft, weil sie zu stark mit Schadstoffen belastet waren. Ganz ohne Schadstoffe kommen aber auch die besten Modelle im Test nicht daher. Immerhin: Bei Kettler Speedy, Kokua LikeaBike Mountain und CP-Twister sind nur die Reifen belastet: mit wenig PAK. Handgriffe und Bezüge sind schadstofffrei. Schadstoffurteil insgesamt: befriedigend. Beim Puky LR, Big Bobby-Runner, Ferbedo Runbike und Joey by Hudora Sauseschritt sind ebenfalls nur die Reifen belastet. Mit viel PAK allerdings. Deshalb lautet das Schadstoffurteil bei diesen Modellen auch mangelhaft.

Rohstoffe minderwertig

Kettler, Kokua und CP-Twister zeigen, dass es anders geht. Jetzt sind alle Anbieter gefordert, ihre Produkte zu überprüfen. Die Schadstoffe stammen vermutlich aus minderwertigen oder verunreinigten Rohstoffen. Technisch erforderlich sind die giftigen Substanzen nicht. Es gibt Weichmacher, die keine gesundheitlichen Risiken bergen. Vor allem für Lenkergriffe und Sitzpolster. In Reifen lässt sich der PAK-Gehalt zumindest reduzieren.

Elf kleine Testpiloten

Nach soviel Aufregung aus dem Labor sollte der Spaß nicht ganz verlorengehen. Denn Laufräder sind eigentlich eine tolle Sache. Elf kleine Testpiloten gingen für die Stiftung Warentest ins Rennen. Mit großer Freude fuhren die 2,5 bis 4,5 jährigen Mädchen und Jungen Slalom um aufgestellte Pylone, ackerten durch tiefen Sand und sausten kleine Hügel hinab. Besonders beliebt waren dabei die leichten Alu-Laufräder in cooler Optik oder in bunten Farben. Die klassischen Holzlaufräder kamen bei den kleinen Testpiloten weniger gut an.

Testsieger Kettler und Kokua

Unter dem Strich gibt es zwei Testsieger: Das Kettler Speedy für 40 Euro und das Kokua Mountain für 179 Euro. Das Kettler Speedy ist ein leichtes Metallmodell, das Kokua Mountain ein klassisches Holzlaufrad. Beide erreichen ein knappes gut und beide sind in puncto Schadstoffe annehmbar. Mehr Fahrspaß brachten die Modelle Kokua Jumper, Puky LR1 und Monz Mini Viper. Sie überzeugten die kleinen Testpiloten vor allem durch ihre Wendigkeit. Die Schadstoffwertung wirft Puky und Monz aber schließlich aus dem Rennen. Das Kokua Jumper landet mit befriedigend hinter den beiden Testsiegern auf Platz drei.

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