Kinder­invaliditäts­versicherung Test

Kinder haben das Leben noch vor sich. Schön, wenn sie gegen Krankheit und Unfall abge­sichert sind. Zwei Angebote sind gut.

Elisa* war andert­halb, als sie anfing, über­mäßig viel Wasser zu trinken. Ein Arzt­besuch brachte Gewiss­heit. Sie leidet an Diabetes mellitus. Nun müssen ihre Eltern bis zu acht Mal rund um die Uhr ihren Blut­zucker messen und ihr die richtige Insulindosis geben. Es muss immer jemand in ihrer Nähe sein, der sich mit der Krankheit auskennt. Dafür hat Elisas Mutter ihre Arbeit vor­erst aufgegeben, bis die Kleine mit ihrer Krankheit selbst besser umgehen kann.

Auch Erik* muss mit vielen Einschränkungen im Leben klar­kommen. Seit seinem vierten Lebens­jahr hört er schwer und mit 15 kam noch eine schwere Neuroder­mitis, eine Erkrankung der Haut, hinzu.

Der Junge trägt auf beiden Seiten Hörgeräte und muss sehr genau darauf achten, womit er in Kontakt kommt und was er isst, damit seine Neuroder­mitis sich nicht verschlechtert. Auch wird er in der Zukunft nicht jeden Beruf erlernen können, den er sich wünscht.

Hat ein Kind einen Unfall oder erkrankt es so stark, dass das zu einer schweren Behin­derung führt, stellt das meist das Leben der ganzen Familie auf den Kopf – das Kind braucht viel Zeit, Aufmerk­samkeit und häufig besondere Förderung und Therapien.

Das geht oft auch ins Geld und kann die Familie belasten. Etwa dann, wenn ein Eltern­teil zuhause bleibt und damit ein Teil des Familien­einkommens wegfällt. Kann sich ein Kind kaum oder schlecht bewegen, können noch Ausgaben für den roll­stuhlgerechten Umbau des Hauses oder der Wohnung hinzukommen.

Mit einer privaten Kinder­invaliditäts­versicherung sorgen Eltern dafür, dass mehr Geld vorhanden ist, wenn das Kind schwerbehindert werden sollte – unabhängig davon, ob eine Krankheit oder ein Unfall die Ursache ist. Geld aus der Versicherung gibt es dann, wenn das Versorgungs­amt dem Kind einen Grad der Behin­derung von mindestens 50 bescheinigt hat, so wie auch bei Elisa und Erik.

Die Vorsorge für den Enkel

Kinder­invaliditäts­versicherung Test

„Wir wissen, wie schnell Luke etwas passieren kann und haben ihn deshalb abge­sichert“, sagen seine Groß­eltern Bärbel und Ferdinand Nückel. Der 61-Jährige ist Leiter verschiedener Jugend­hilfe­einrichtungen in Schleswig-Holstein und kennt die Sorgen von Eltern mit gehandicapten Kindern daher sehr genau.

Nicht selten sind es die Groß­eltern, die die Versicherung abschließen. Das hat unsere Leser­umfrage im Januar-Heft unserer Schwesterzeit­schrift test gezeigt. Dort fragten wir nach den Erfahrungen der Leser zur Kinder­invaliditäts­versicherung. „Ich spare damit zwar nichts an, gehe so aber auf Nummer sicher“, sagt zum Beispiel Max Sebald aus München. Er hat seine drei Enkel versichert für den Fall, dass ihnen unver­hofft etwas passiert und sie später nicht mehr arbeiten können.

Bärbel und Ferdinand Nückel haben die Versicherung vor drei Jahren ihrem Enkel geschenkt: „Über­zeugt hat mich auch, dass die Versicherung beitrags­frei weiterläuft, falls ich sterben sollte“, sagt Ferdinand Nückel. Das Ehepaar entschied sich für den Tarif Junior­Schutz­Plus der Basler Versicherung, ehemals Deutscher Ring. Bei dem Abschluss enthielt der Tarif nur eine Rente. In unserem jetzigen Test ist noch eine einmalige Kapitalzahlung hinzugekommen.

Damit gehört der Tarif in unserem Test zu den Policen, die eine lebens­lange monatliche Rente von 1 000 Euro und eine kleine Kapital­leistung von zwölf Monats­renten leisten. Daneben haben wir Tarife getestet, die nur eine Rente zahlen, und ein Angebot, das im Fall einer Behin­derung einmalig einen höheren Geld­betrag auszahlt.

Zehn Tarife im Test

Zu den Testsiegern gehören die Basler mit einer Rente und einer Einmalzahlung sowie die WGV, die aber nur eine Rente ohne Kapitalzahlung bietet. Insgesamt haben wir zehn Tarife untersucht, das sind neun weniger als in unserem Test im Jahr 2010. Der Markt hat sich seitdem verändert und ist geschrumpft. Einige Versicherer haben Produkte aus ihrem Portfolio genommen und andere bewerben sie nicht mehr offensiv.

Auch wurden Gesell­schaften zusammengefasst, wie etwa die Victoria Versicherung und die Hamburg-Mann­heimer unter dem Dach der Ergo. Das Unternehmen bietet jetzt nur noch einen Tarif an.

Alle getesteten Tarife schützen bei Behin­derungen durch Unfall oder Krankheit. Am besten schnitten Angebote ab, deren Antrags­formulare fair sind – etwa bei den Gesund­heits­fragen – und die besonders kundenfreundliche Bedingungen haben. Sie bieten mehr, als die Musterbedingungen des Gesamt­verbands der Deutschen Versicherungs­wirt­schaft (GDV) vorgeben.

Bei neun Tarifen gibt es eine monatliche Rente von 1 000 Euro. Allein auf zehn Jahre gerechnet, sind das mindestens 120 000 Euro ohne Dynamisierung, also ohne regel­mäßige Erhöhung der Rentensumme zum Inflations­ausgleich. Auf mehrere Jahr­zehnte gerechnet, lohnt sich das mehr als eine große Einmalzahlung von 100 000 Euro.

Auch für das Ehepaar Nückel war das ausschlag­gebend bei der Wahl der Versicherung. „Im Ernst­fall sichert das unserem Enkel ein lebens­langes eigenes Einkommen. Damit hätte er zumindest ein Grund­einkommen, wenn er erwachsen ist“, sagt Ferdinand Nückel. So würde er voraus­sicht­lich nicht auf die Grund­sicherung angewiesen sein. Bei der Berechnung vom Sozial­amt wird die Rente aber als Einkommen ange­rechnet.

Die beste Wahl: Rente und Geld­betrag

Vorteilhaft ist es, neben der Rente anfäng­lich eine größere Geldzahlung zu erhalten, um Umbauten und Anschaffungen wie etwa einen Elektroroll­stuhl bezahlen zu können. Nur zwei der getesteten Tarife, der Junior­Schutz­Plus der Basler und der KISS der Barmenia, bieten das. Für das mit gut bewertete Produkt der Basler mit lebens­langer Rente und einem Einmalbetrag müssen Familien 420 Euro für ein Kind bis 14 Jahre im Jahr zahlen. Neben der Rente gibt es im Versicherungs­fall einmalig einen Betrag in Höhe von zwölf Monats­renten.

Angebote ohne Einmalzahlung kosten zwischen 130 und 478 Euro. Der mit gut bewertete Tarif KIZ der WGV kostet 354 Euro im Jahr.

Der mit ausreichend bewertete Tarif der DEVK ist zwar günstig, bietet aber nur eine Kapital­leistung und keine Rente. Er kostet 214 Euro im Jahr. Immerhin muss das von der Versicherung gezahlte Geld nicht mehr zurück­gezahlt werden, wenn es dem Kind später wieder besser gehen sollte und der Grad der Schwerbehin­derung verloren­geht, etwa nach einer Krebs­therapie.

Versichern oder nicht?

Mehrere hundert Euro Jahres­beitrag sind viel Geld. Nicht jede Familie kann sich das leisten. Müssen Kinder dafür auf den Reit- oder Musik­unter­richt, die Nach­hilfe­stunden oder den Klassen­ausflug verzichten, sollten Eltern es besser lassen und ihre Kinder lieber unmittel­bar fördern.

Passiert dem Kind etwas, stehen ihm auch öffent­liche Hilfen zu. „Muss es gepflegt werden, bekommt es zum Beispiel Leistungen aus der Pflege­versicherung“, sagt Claudia Groth beim Kinder Pflege Netz­werk. Die Selbst­hilf­ein­itiative unterstützt Eltern mit pflegebedürftigen Kindern, die richtigen Hilfen und Informationen zu finden. Zu den Leistungen der Pflege­versicherung zählen etwa das Pflegegeld und ein Zuschuss von 2 557 Euro zur Wohnungs­anpassung Öffentliche Hilfen.

Wird das Kind erwachsen und kann nicht selbst für seinen Lebens­unterhalt aufkommen, bekommt es die Grund­sicherung. Ohne Miete liegt sie 2014 bei 391 Euro im Monat für einen Erwachsenen.

Markt schwer zu über­blicken

Eltern oder Groß­eltern, die ihren Nach­wuchs absichern wollen, sollten sich über das für sie passende Angebot genau informieren. Neben der Kinder­invaliditäts­versicherung bieten Versicherer auch Produkte an, die manchmal nur unzu­reichend Schutz bieten Welche Verträge noch verkauft werden.

Walter Schmid aus Ditzingen hat diese Erfahrung auf seiner Suche nach einem passenden Schutz für seine Enkel auch gemacht: „Ich habe bei Versicherungs­vertretern konkret nach einer Kinder­invaliditäts­versicherung gefragt. Woraufhin mir alles Mögliche angeboten wurde, meist aber eine Kinder­unfall­versicherung.“

Mit einer Unfall­versicherung ist der Schutz aber unzu­reichend. Weit­aus mehr Kinder werden aufgrund einer Krankheit schwerbehindert.

Kinder­invaliditäts­versicherung Test

Das zeigt auch die Schwerbehinderten­statistik des Statistischen Bundes­amtes: Danach lebten 2011 rund 103 000 Kinder in Deutsch­land, die aufgrund einer Erkrankung schwerbehindert waren. Dem gegen­über standen nur knapp 500 Unfälle (siehe Grafik links).

Auch Katrin Wolf wollte einen Vertrag für ihren Sohn abschließen. Sie entschloss sich für ein Kombipro­dukt der R+V Versicherung aus Rente und Einmalzahlung. Da sich die R+V diesmal weigerte, an unserer Unter­suchung teil­zunehmen, konnten wir das Angebot nicht testen.

„Erst nach einer telefo­nischen Beratung von der General­vertretung der R+V in Dort­mund bekam ich das Angebot, das ich wollte“, sagt sie. Vorher versuchte sie es bei einer Versicherungs­vertreterin, die laut den Informationen auf der Internetseite der R+V für sie zuständig war. Die Vertreterin kannte den Tarif jedoch nicht.

Solche Erfahrungen haben auch viele andere Leser bei ihrer Suche nach einer Versicherung gemacht: Versicherungs­vertreter kennen das Produkt oft nicht. Detaillierte Informationen bekommen Interes­sierte meist nur direkt bei der Gesell­schaft.

Krankheiten nicht verschweigen

Versicherungs­nehmer, die einen Vertrag abschließen möchten, sollten das möglichst früh tun – solange sich keine Entwick­lungs­störungen beim Kind zeigen und es keinen Verdacht auf eine Krankheit gibt. Ist das nämlich der Fall, kann sich der Versicherer sperren, einen Vertrag zu schließen.

Drei Gesell­schaften in unserem Test, die Barmenia, die Basler sowie die Badische Allgemeine, versichern Kinder bereits ab der sechsten Woche, nachdem die ersten drei Vorsorgeunter­suchungen statt­gefunden haben.

Im Bogen zu den Gesund­heits­fragen müssen Eltern alle Fragen zur Gesundheit ihres Kindes ehrlich beant­worten und den behandelnden Arzt von der Schwei­gepflicht entbinden. Geschieht das nicht und verschweigen Eltern einen Krank­heits­verdacht, kann sich der Versicherer später im Krank­heits­fall weigern zu zahlen und vom Vertrag zurück­treten.

Ausschluss ist möglich

Bestimmte Erkrankungen wie Neurosen, Psycho­sen, Persönlich­keits- und Verhaltens­störungen schließen alle Versicherer im Test von vorn­herein aus. Dazu zählen auch Lernbehin­derungen, Angst­störungen und das Aufmerk­samkeits­defizit-Hyper­aktivitäts­syndrom ADHS. Sind hirn­organische Störungen die Ursache für psychische Auffälligkeiten, ist das versichert. Jedoch ist das nur schwer nach­weisbar.

Behin­derungen als Folge von angeborenen Erkrankungen dürfen Versicherungs­gesell­schaften dagegen seit 2007 nicht mehr ausschließen.

Kinder­invaliditäts­versicherung Test

Katrin Wolf und Stefan Kugel haben für ihren andert­halb­jährigen Sohn Ben eine Kinder­invaliditäts­versicherung abge­schlossen: „Auch wenn Neuroder­mitis quasi ausgeschlossen ist, war es uns wichtig, dass der Kleine abge­sichert ist.“

Ist eine Erkrankung allerdings bei Vertrags­abschluss vorhanden, schließen manche Versicherer wie beim Sohn von Katrin Wolf eine Zahlung bei dieser Krankheit aus. Ben leidet seit seinem vierten Lebens­monat an der Haut­erkrankung Neuroder­mitis. „Nachdem ich die Gesund­heits­fragen mit meinem Arzt wahr­heits­gemäß beant­wortet hatte, bekam ich ein neues Angebot von der R+V mit einer Änderung im Vertrag“, sagt die 35-Jährige.

Die Versicherung zahlt nun nicht ab einem Grad der Behin­derung von 50, sondern erst ab einem Grad von 80 bei Erkrankungen, die im Zusammen­hang mit der Haut stehen. Auch hat die R+V ein Kranken­haus­tagegeld bei einem Klinik­aufenthalt aufgrund einer Haut­erkrankung ausgeschlossen. Katrin Wolf war es das trotzdem wert und sie schloss den Vertrag für ihren Sohn ab.

* Name von der Redak­tion geändert.

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