So haben wir getestet

Im Test

Wir haben zehn Angebote untersucht, die Kinder bei einer Schwerbehin­derung (Invalidität) absichern – egal, ob eine Krankheit oder ein Unfall Ursache ist. Bei den untersuchten Produkten zahlt der Versicherer bei Behin­derungs­grad (GdB) 50 oder einer 50-prozentigen Invalidität eine lebens­lange Monats­rente von 1 000 Euro, einmalig 100 000 Euro oder eine Kombination aus Rente und Einmalzahlung. Außer Acht geblieben sind Angebote in Kombination mit einer Berufs­unfähigkeits- oder Lebens­versicherung oder einem Alters­vorsorgepro­dukt.

Finanztest-Qualitäts­urteil

In dem Qualitäts­urteil sind die Versicherungs­bedingungen zu 70 Prozent und die Qualität der Antrags­formulare zu 30 Prozent gewichtet.

Anträge (30 Prozent)

Die Antrags­formulare wurden nach folgenden Kriterien bewertet:

  • Es wird einfach und deutlich auf die Folgen einer falschen Beant­wortung der Gesund­heits­fragen hingewiesen (vorvertragliche Anzeige­pflicht). Hinweise wie der „Versicherer kann zurück­treten“ oder „die Leistung verweigern“ sind hervorgehoben und stehen in der Nähe der Gesund­heits­fragen und vor der Unter­schrift des Kunden.
  • Die Gesund­heits­fragen beziehen sich auf einen begrenzten Zeitraum.
  • Mit den Gesund­heits­fragen wird nur nach objektiven Umständen wie etwa Krankheiten, Unfall­folgen und Behin­derungen gefragt. Es gibt keine Begriffe wie „Beein­trächtigung“, „Beschwerde“, „Auffälligkeit“ oder „Störung“.
  • Der Versicherer fragt nicht nach Erbkrankheiten in der Familie.
  • Die Formulare enthalten keine unbe­stimmten Fragen, wie etwa: „Ist Ihr Kind völlig gesund?“.

Abwertungen

Enthält der Antrag solche unbe­stimmten Fragen, konnte das Urteil zum Antrags­formular nicht besser als „mangelhaft“ sein. Das Gesamt­urteil wurde dann um eine Note abge­wertet.

Bedingungen (70 Prozent)

Die Vertrags­bedingungen wurden nach einem Punkte­system bewertet. Positiv berück­sichtigt wurde, wenn sie über die Musterbedingungen des Gesamt­verbands der Deutschen Versicherungs­wirt­schaft (GDV) hinaus­gehen.

Bewertete Bedingungen

Eintritts­alter. Kinder werden vom vollen 1. bis zum vollen 15. oder 16. Lebens­jahr versichert. Positiv ange­rechnet wurde, wenn Kinder unter einem Jahr oder länger als mit 16 Jahren versichert werden.

Höchs­tendalter. Meist endet der Schutz mit dem voll­endeten 18. Lebens­jahr. Längere Vertrags­dauer wurde positiv, kürzere negativ bewertet.

Versicherungs­ausschlüsse. Der Versicherer zahlt nicht bei bestimmten Ereig­nissen. Die Ausschlüsse sind in der Tabelle mit Buch­staben gekenn­zeichnet. Der Wort­laut der Ausschlüsse kann von unseren Formulierungen abweichen. A bis E entsprechen den Musterbedingungen des GDV. Negativ haben wir bewertet, wenn darüber hinaus weitere Ausschlüsse gelten, positiv, wenn einzelne Ausschlüsse nicht oder einge­schränkt gelten.

Höhere Leistung möglich. Kunden können eine höhere Rente oder Kapital­leistung als in unserem Modell vereinbaren.

Über­schuss­beteiligung. Der Kunde wird an den Über­schüssen der Gesell­schaft beteiligt. Bei einer Bonusrente (BR) wird die vereinbarte Leistung erhöht, bei einer Beitrags­rück­vergütung (BRV) werden die Über­schüsse ausgezahlt oder mit den nächsten Beiträgen verrechnet. Die BRV haben wir besser bewertet.

Nicht bewertete Bedingungen

Dynamik möglich. Der Kunde kann vor dem Versicherungs­fall eine regel­mäßige Erhöhung der Rentensumme als Inflations­ausgleich vereinbaren.

Beitrags­freie Versicherung. Stirbt der Versicherungs­nehmer (Eltern oder Groß­eltern) in der Vertrags­lauf­zeit, wird der Vertrag zu gleichen Konditionen beitrags­frei weitergeführt. Möglich ist das oft nur, wenn der Versicherungs­nehmer bei Vertrags­abschluss ein bestimmtes Alter (45 bis 65 Jahre) noch nicht über­schritten hat.

Jahres­beitrag. Angegeben sind die auf volle Euro-Beträge gerundeten Nettobeiträge für Jahres­verträge inklusive Versicherung­steuer. Der Vertrag verlängert sich auto­matisch um ein Jahr, wenn der Kunde nicht kündigt. Der Beitrag für eine eventuell erforderliche Unfall­versicherung ist zusätzlich zu zahlen.

Unfall­versicherung nicht notwendig. Einige Versicherer lassen eine Kinder­invaliditäts­versicherung nur als Zusatz­vertrag mit einer reinen Unfall­versicherung zu. Kunden müssen dafür gesonderte Mindest­beiträge zwischen 20 und 40 Euro im Jahr zahlen. Sie erhalten bei einer unfall­bedingten Invalidität zusätzliche Leistungen aus dem Unfall-Haupt­vertrag. Andere Versicherer lassen einen separaten Abschluss der Invaliditäts­versicherung zu, wenn der Kunde schon eine Unfall­versicherung hat. In anderen Fällen wird nur das Risiko einer Schwerbehin­derung durch Krankheit abge­sichert. Der Unfall­schutz besteht dann nur über den Haupt­vertrag, die Unfall­versicherung.

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