Öffentliche Hilfen: Was Familien zusteht

Familien mit behinderten Kindern können von vielen Seiten Hilfe bekommen. Sie müssen nur erst einmal herausfinden, was sie wo beantragen können. Hier eine Auswahl der wichtigsten Hilfen und Rechte.

Krankenkasse. Die gesetzliche Krankenversicherung bezahlt medizinisch notwendige Untersuchungen und Behandlungen, Therapien wie Physiotherapie oder Logopädie und Hilfsmittel wie Rollstühle. Für Kinder mit Entwicklungsstörungen bezahlt die Kasse auch nichtrezeptpflichtige Arzneimittel, bis sie 18 sind (sonst nur bis 12).

Pflegekasse. Behinderte Kinder haben Anspruch auf Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung, wenn der Vater oder die Mutter mindestens fünf Jahre lang Beiträge eingezahlt hat. Die Höhe der Leistung hängt davon ab, wie viel pflegerische Hilfe das Kind aufgrund seiner Behinderung benötigt. Bei kleinen Kindern wird nur der Zeitbedarf berücksichtigt, der über die Versorgung eines gleichaltrigen gesunden Kindes hinausgeht.

Sozialamt. Gibt es kein Geld von der Pflegekasse oder reicht das nicht aus, dann hilft manchmal das Sozialamt mit „Hilfe zur Pflege“. Die Leistungen gleichen denen der Pflegekasse, sind aber Familien mit geringem Einkommen und Vermögen vorbehalten. Die Freibeträge sind in den einzelnen Bundesländern unterschiedlich. Eine Rente aus einer privaten Kinderinvaliditätsversicherung zählt als Einkommen.

Frühförderung. Um bei kleinen Kindern die Nachteile einer Behinderung auszugleichen, gibt es die Frühförderung. Für medizinisch-therapeutische Behandlungen wie Sprachtherapie bezahlt die Krankenkasse, für heilpädagogische Hilfe das Sozialamt.

Kindergarten. Die Kosten für den Besuch eines Sonderkindergartens trägt das Sozialamt, für einen integrativen Kindergarten müssen in manchen Bundesländern die Eltern bezahlen.

Schule. Kann ein behindertes Kind eine Regelschule besuchen, übernehmen die Sozialhilfeträger alle Kosten, die entstehen, um einen Schulbesuch am Wohnort zu ermöglichen, zum Beispiel die für persönliche Assistenten oder für Fahrten mit Spezialbussen.

Wohnheim. Bringen Eltern ihr behindertes Kind in einem Wohnheim unter, müssen sie nur einen Kostenbeitrag in Höhe ihrer Ersparnis zuhause leisten. Die Höhe richtet sich nach der finanziellen Situation der Familie.

Kindergeld. Ist ein Mensch wegen einer Behinderung außerstande, seinen Lebensunterhalt selbst zu verdienen, steht den Eltern unbegrenzt lange Kindergeld zu. Das gilt allerdings nur, wenn die Behinderung vor dem vollendeten 25. Lebensjahr eingetreten ist.

Grundsicherung. Ist ein behinderter Mensch volljährig und als „nicht erwerbsfähig“ eingestuft, erhält er vom Sozialamt zum Lebensunterhalt die Grundsicherung. Sie entspricht etwa dem Arbeitslosengeld II, aber das Amt greift normalerweise nicht auf das Einkommen oder Vermögen der Eltern zu.

Versorgungsamt. Die Versorgungsämter stellen auf Antrag einen Schwerbehindertenausweis aus, wenn der Grad der Behinderung (GdB) mindestens 50 beträgt. Der Ausweis verhilft behinderten Menschen zu einer Reihe von Erleichterungen.

Bahn. Ein behindertes Kind kann viele öffentliche Verkehrsmittel kostenlos nutzen, wenn es den Schwerbehindertenausweis und eine Wertmarke vom Versorgungsamt hat. Ist eine Begleitperson nötig, fährt diese kostenlos mit.

Tipp. Einen Überblick gibt der Leitfaden „Mein Kind ist behindert – diese Hilfen gibt es“ vom Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen (BVKM). Er ist unter www.bvkm.de erhältlich oder kann bestellt werden beim BVKM, Brehmstr. 5–7, 40239 Düsseldorf, Tel. 02 11/ 64 00 40.

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