Interview: Kämpfe und Kosten

Familien mit behinderten Kindern müssen vieles aus eigener Tasche bezahlen, sagt Katja Kruse vom Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen.

Womit haben Familien zu kämpfen, die behinderte Kinder haben?

Die Hauptarbeit ist der bürokratische Aufwand. Familien müssen erst einmal herausfinden, welche Leistungen es für ihr Kind von welcher Stelle gibt, und diese beantragen. Dafür müssen sie viele Nachweise erbringen und regelrechte Kämpfe ausfechten, oft bis zum Widerspruchsverfahren.

Können auch hohe Kosten auf die Familien zukommen?

Ja, vor allem der Umbau der Wohnung kann teuer werden, zum Beispiel wenn das Bad behindertengerecht gemacht oder ein Treppenlift eingebaut werden muss. Die Pflegeversicherung bezahlt für so einen Umbau höchstens 2 557 Euro pro Maßnahme, obwohl die Kosten oft weit darüber liegen.

Oft muss auch ein Elternteil, meist die Mutter, den Beruf aufgeben. Das bedeutet natürlich, dass die Familie mit weniger Einkommen leben muss.

Gibt es auch Behandlungen, die privat finanziert werden müssen?

Da fallen mir gleich zwei Therapieformen ein: Eine ist die konduktive Förderung nach Petö, ein ganzheitlicher Ansatz, der Kindern mit zerebralen Bewegungsstörungen hilft. Eltern müssen das selbst bezahlen, ebenso wie die Hippotherapie, eine physiotherapeutische Behandlung auf dem Pferd. Beides hält unser Verband für sehr sinnvolle Therapien, die Kassen dürfen die Kosten aber nicht übernehmen.

Wo gibt es sonst noch Lücken im Netz der öffentlichen Hilfen?

Die Leistungen der Pflegeversicherung sind auf monatliche Höchstbeträge beschränkt. Der Pflegebedarf eines behinderten Menschen lässt sich hiermit häufig nicht decken. Behinderte Menschen ab 18 Jahren erhalten keine rezeptfreien Medikamente mehr von der Krankenkasse und sie müssen für alle Leistungen zuzahlen. Für Brillen werden meist keine Kosten übernommen, und für andere Hilfsmittel wie Hörgeräte sind häufig Aufpreise zu zahlen. Andererseits wird die finanzielle Lage für Familien mit volljährigen Kindern eher besser, weil diese ab 18 Anspruch auf Grundsicherung haben, wenn sie voll erwerbsgemindert sind.

Würden Sie Familien eine Kinderinvaliditätsversicherung empfehlen?

Das ist eine Risikoabwägung, die jeder für sich selbst vornehmen muss.

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