Geld hilft, das Leben zu meistern, wenn ein Kind schwerbehindert wird. Mit einer Kinderinvaliditätsversicherung können Eltern und Großeltern Vorsorge treffen. Vier Angebote haben im Test „gut“ abgeschnitten.

Alle Kinder sind mal krank. Und fast alle haben irgendwann mal einen Unfall. Das ist kein Drama, denn in den allermeisten Fällen werden sie wieder vollständig gesund. Doch was ist, wenn das Kind einen bleibenden Gesundheitsschaden erleidet? Die meisten Familien möchten sich das lieber nicht vorstellen. Doch wenn es passiert, dann benötigen sie viel Zeit, Informationen, Unterstützung – und Geld.

Privater Schutz ist sinnvoll

Eine private Absicherung für diesen Fall ist nicht zwingend, aber sinnvoll. Die medizinische Behandlung und die schulische Förderung sind über die Krankenversicherung und öffentlichen Hilfen sichergestellt (siehe „Öffentliche Hilfen für behinderte Kinder“). Dennoch gibt es eine Menge zusätzlicher Kosten, die Familien mit einem schwerbehinderten Kind zu tragen haben.

Das fängt an mit dem Umbau der Wohnung, geht weiter mit einem größeren Auto und reicht bis zu Hilfsmitteln, die eine Krankenkasse nicht bezahlt. Manchmal ist es auch einfach ein Segen für die Eltern, Betreuungsstunden dazukaufen zu können. Denn das Leben mit einem behinderten Kind kann anstrengend sein – besonders wenn Geschwisterkinder ebenfalls Zuwendung für sich beanspruchen.

„Geld hilft“, sagt Anne Schilling. Sie ist Geschäftsführerin des Müttergenesungswerks. Mehrere Häuser ihrer Organisation sind auf Mütter mit behinderten Kindern spezialisiert. So schwer es Eltern fällt, ein hilfsbedürftiges Kind in fremde Hände zu geben: Manchmal geht es einfach nur darum, für einen Vormittag jemanden zu haben, der das Kind betreut.

Einige Beeinträchtigungen sind außerdem so stark, dass das Kind keinen Beruf erlernen und sich als Erwachsener nie seinen Lebensunterhalt selbst verdienen können wird. Der Erwachsene hat dann zwar einen Anspruch auf eine Grundsicherung vom Staat, aber mehr nicht. Zurzeit sind das bis zu 400 Euro plus Miete.

Eine private Kinderinvaliditätsversicherung zahlt eine lebenslange monatliche Rente oder einmalig eine hohe Summe, wenn ein Kind schwerbehindert wird. Wie viel, wird bei Vertragsabschluss vereinbart.

Ob ein Unfall oder eine Krankheit die Behinderung verursacht hat, ist später für die Zahlung egal. Das ist ein weitaus umfassenderer Schutz als ihn die viel häufiger verkaufte Unfallversicherung bietet.

Das Risiko, durch einen Unfall eine schwere Behinderung davonzutragen, ist winzig. Über 58 Prozent der schwerbehinderten Kinder und Jugendlichen wurden durch Krankheiten schwerbehindert, Unfälle sind nur in 0,59 Prozent der Fälle die Ursache (siehe „Krankheit Hauptursache“).

Die besten Angebote im Test

Alle Angebote in unserem Test bieten diesen umfassenden Schutz für Behinderungen durch Krankheiten und Unfälle. Am besten abgeschnitten haben Angebote, deren Bedingungen kundenfreundlich und deren Antragsformulare fair sind.

Je nach Alter des Kindes bei Vertragsschluss müssen Familien für eine „gut“ bewertete Versicherung zwischen 340 und 471 Euro im Jahr zahlen, wenn das Kind eine lebenslange monatliche Rente von 1 000 Euro oder eine Kombination aus monatlicher Rente und einer einmaligen Summe von 12 000 Euro erhalten soll.

„Gute“ Angebote ohne Rente mit einer einmaligen Kapitalzahlung gibt es schon für 161 oder 198 Euro Jahresbeitrag.

Im besten Fall sieht eine Familie keinen Cent von dem Geld wieder, weil ihre Kinder gesund heranwachsen. Wenn ein Kind aber an einer sehr schweren Krankheit leidet, sollten Eltern sich nicht scheuen, eine Schwerbehinderung vom Versorgungsamt feststellen zu lassen. Denn nur dann bekommen sie private Versicherungsleistungen und öffentliche Hilfen.

Gute Bedingungen

Als schwerbehindert gilt jemand mit einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 50. Er bemisst sich daran, wie stark eine gesundheitliche Beeinträchtigung jemanden daran hindert, am täglichen Leben teilzunehmen.

Eine Invaliditätsabsicherung sollte so geregelt sein, dass die Versicherten in so einem Fall möglichst problemlos die vereinbarten Leistungen bekommen. Das hängt ganz entscheidend von den Versicherungsbedingungen ab.

Bei fast allen Angeboten bekommt das Kind die vereinbarte Versicherungsleistung ab einem Grad der Behinderung von 50. Schon das ist eine hohe Hürde.

Einen GdB von 50 können beispielsweise Kinder mit Diabetes vom insulinpflichtigen Typ I, Kinder mit Mukoviszidose oder autistische Kinder bekommen. Auch krebs- oder herzkranke Kinder gelten während der akuten Krankheitsphasen und der Behandlung als schwerbehindert.

Eltern sollten keinen Vertrag abschließen, in dem der Versicherer seine Leistung von noch schwereren Beeinträchtigungen abhängig macht: Die Gesellschaften VPV und VRK leisten bei krankheitsbedingter Invalidität erst, wenn das Kind die Pflegestufe III der gesetzlichen Pflegeversicherung hat oder an bestimmten schweren Erkrankungen wie Krebs, Kinderlähmung oder HIV leidet. Das ist völlig überzogen.

Ein ebenso wichtiger Punkt sind die Versicherungsausschlüsse. Sie bestimmen, wann ein Kind trotz festgestellter Schwerbehinderung kein Geld von der Versicherung bekommt.

Für die Versicherten am problematischsten sind zwei Ausschlüsse: Angeborene Behinderungen sind fast immer vom Versicherungsschutz ausgeschlossen. Löbliche Ausnahmen machen nur die Barmenia, DEVK, Huk-Coburg, R + V und Schweizer National.

Der andere kritische Ausschluss betrifft Neurosen, Psychosen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen. Ein Kind, das aufgrund von Autismus, Angsterkrankungen oder einer Essstörung schwerbehindert wird, hat bei den meisten Versicherern – wieder mit Ausnahme der R + V – keinen Anspruch auf Hilfe von der Versicherung.

Je weniger Ausschlüsse eine Police enthält, desto besser. Auch beim kundenfreundlichsten Versicherer gilt jedoch: Wenn das Kind beim Vertragsschluss bereits eine Krankheit hat, werden daraus folgende Behinderungen nicht versichert.

Deshalb haben wir es im Test positiv bewertet, wenn der Versicherer einen Vertragsschluss schon sehr frühzeitig zulässt. Deutscher Ring und Barmenia versichern schon ab der sechsten Woche, DEVK und Nürnberger ab dem zehnten Lebensmonat des Kindes.

Der Versicherungsschutz endet normalerweise, wenn das Kind 18 Jahre alt wird. Pluspunkte erhielten Versicherer auch, wenn der Versicherungsschutz länger gilt.

Rente oder Einmalzahlung

Eine Kinderinvaliditätsversicherung ist ein Schutz für einen schlimmen Fall. Wenn er eintritt, sollte die Absicherung hoch genug sein. 20 der 30 Versicherer im Test bieten eine lebenslange Rente an, drei davon zusätzlich zur Rente eine kleinere Einmalzahlung. Sie sichern dem behinderten Menschen ein lebenslanges Grundeinkommen.

Die Alternative sind Angebote, bei denen der Kunde einmalig einen hohen Geldbetrag erhält. Die Beiträge dafür sind niedriger, die Leistungen bei einem Invaliditätsgrad von 50 aber auch: Verbraucht jemand monatlich 1 000 Euro, dann reicht eine Einmalzahlung von 100 000 Euro, selbst bei gut verzinster Anlage, nicht einmal für zehn Jahre. Behinderte oder chronisch kranke Menschen können heutzutage aber aufgrund der besseren medizinischen Behandlung älter werden als noch vor 10 oder 20 Jahren.

Bei sehr hoher Invalidität leisten die Angebote mit Kapitalzahlung in unserem Test allerdings bis zu 350 000 Euro. Daraus könnte man eine lebenslange Monatsrente von 1 000 Euro finanzieren. So schwere Fälle sind aber extrem selten. Einen Vorteil bietet diese Produktvariante aber auch bei den häufiger auftretenden geringeren Invaliditäten: Die von uns „gut“ bewerteten Versicherer zahlen bereits anteilig ab einem Invaliditätsgrad von 25 Prozent.

Ein großes Plus gegenüber den Angeboten mit Monatsrente: Der Versicherer fordert die einmal ausgezahlte Kapitalleistung nicht zurück, wenn das Kind wieder so gesund wird, dass der Schwerbehindertenstatus erlischt. Das ist zum Beispiel bei Kindern mit Diabetes der Fall, wenn sie mit Insulin stabil eingestellt sind. Auch manche Formen von Krebs wie Leukämie können bei Kindern erfolgreich behandelt werden. Eine Rente aus der Kinderinvaliditätsversicherung würde dann gestoppt.

Grundversorgung gesichert

„Ich würde für meine Kinder gar keine Invaliditätsversicherung abschließen“, sagt Norbert Müller-Fehling, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Körper- und Mehrfachbehinderten. Zum Glück seien die öffentlichen Hilfen so gut, dass eine Familie durch ein behindertes Kind finanziell nicht überfordert würde.

Die große Zahl von Unfallversicherungen für Kinder, die Eltern bereits abgeschlossen haben, zeigt jedoch, dass vielen diese Mindestabsicherung nicht genügt.

Sie sollten bei der Planung des Leistungsumfangs für den Invaliditätsschutz aber wissen, dass die öffentliche Hilfe gekürzt wird, wenn der behinderte Mensch über Einkommen oder Vermögen verfügt.

Schwerbehinderte Erwachsene, die keiner Erwerbstätigkeit nachgehen können, haben einen Anspruch auf Grundsicherung. Diese Leistungen können zurzeit bis zu 400 Euro im Monat betragen, wenn sie beispielsweise gehbehindert sind. Hinzu kommen die Aufwendungen für Unterkunft und Heizung.

Eine monatliche Rente von 1 000 Euro aus der Invaliditätsversicherung führt dazu, dass der Anspruch auf Grundsicherung entfällt. Ein echtes Plus ist nur die Summe, um die die Rente den Betrag aus der Grundsicherung übersteigt.

Der Weg zum Vertrag

Entschließen sich Eltern oder Großeltern, ihr Kind oder Enkelkind gegen das Risiko einer Schwerbehinderung abzusichern, müssen sie im Antrag Fragen zum Gesundheitszustand des Kindes beantworten. Verschweigen oder verharmlosen sie dabei etwas, dann kann der Versicherer später vom Vertrag zurücktreten. Das Kind würde seinen Versicherungsschutz einbüßen, die über die Jahre eingezahlten Beiträge wären verloren.

Damit das nicht passiert, müssen die Kunden Krankheiten ehrlich angeben. Sicherheitshalber können sie bei mehreren Gesellschaften gleichzeitig Angebote einholen. So haben sie die Chance, das Kind vielleicht trotz Vorerkrankungen bei einem Versicherer unterzubringen.

Der Versicherer muss aber auch faire Fragen stellen. Fragen, die unbestimmt sind, wie „Ist Ihr Kind ganz gesund?“ sind nicht fair, weil die Versicherungsgesellschaft immer einen Grund finden kann, die Leistung wegen unvollständiger Angaben zu verweigern.

Deshalb haben wir in unserem Test auch die Anträge bewertet. Ergebnis: Alle Anbieter, die für ihre Bedingungen ein „gut“ bekommen haben, haben auch „gute“ oder sogar „sehr gute“ Antragsformulare.

Dieser Artikel ist hilfreich. 1767 Nutzer finden das hilfreich.