Kinderhochstühle Test

Der Testsieger ist ein alter Bekannter: Stokke Tripp Trapp. Die Konkurrenz hat aber aufgeholt. Trotzdem fanden wir nur sieben „gute“ Modelle. Neues Ärgernis sind Weichmacher in Lack und Folien.

„Kleine Kinder leben gefährlich, auch in manchen Hochstühlen“, hieß das Fazit unseres letzten Tests (Kinderhochstühle 2003). Damals fielen 7 von 15 Modellen bei der Sicherheit durch. Doch unsere Prüfungen haben Wirkung gezeigt: Die Kinderhochstühle sind sicherer geworden. „Mangelhaft“ in der Sicherheit heißt es jetzt nur für einen der 16 Kinderhochstühle im Test. Siebenmal gab es hier allerdings nur „ausreichend“: Nicht jeder Hersteller hat in Sachen Sicherheit genug dazugelernt. Und einige haben sich sogar neue Probleme ins Haus geholt.

Zum Beispiel Storchenmühle sowie der baugleiche Recaro. Im Lack der traditionellen Tisch-Stuhl-Kombi­nation stecken gefährliche Weichmacher – Schadstoffe, mit denen vor allem Kinder nicht in Berührung kommen sollten. Außerdem sitzen Kleinere nach wie vor nicht gut in dem Modell, das im Extremfall nach vorn kippen kann. Beim Jedynak Babywelt stecken reichlich Weichmacher im Sitzbezug. In beiden Fällen handelt es sich um Diisononylphthalat (DINP), das für bestimmte Spielzeuge verboten ist. Stoffe, die gefährlichen Weichmachern verwandt sind, fanden wir im Sitz vom Chicco (TPP), im Lack vom Gulliver (TBEP), in den Stühlen von Herlag und Moizi (DIBP). Die Wirkung dieser Stoffe auf den Menschen lässt sich aber insbesondere in geringen Mengen noch nicht hinreichend bewerten. Andere Stühle zeigen aber: Es geht auch ohne kritische Weichmacher.

Schadstoffe, Sicherheitsmängel und teils wenig Sitzkomfort führen dazu, dass die Auswahl an brauchbaren Hochstühlen trotz Verbesserungen begrenzt ist: 7 der 16 Modelle sind im Qualitätsurteil „gut“ . Solche Stühle finden sich in jeder Modellgruppe: fünf mitwachsende (Stokke, Geuther, Brevi, Herlag, Hauck), ein Schalenstuhl (Peg Pérego), eine Tisch-Stuhl-Kombination (Herlag). Ein Stuhl ist „befriedigend“, fünf sind „ausreichend“ und drei Tisch-Stuhl-Kombis sogar „mangelhaft“: Jedynak Babywelt, Storchenmühle und der baugleiche Recaro.

Oft zu wenig Sitzkomfort

Kinderhochstühle Test

In Kinderhochstühlen sollen sich Kleinere wie Größere anlehnen können, die Beine gut auflegen und die Füße bequem abstellen. Die Stühle sollten auch leicht zu verstellen sein, schließlich wachsen die Kleinen schnell. Ein Baby von neun Monaten misst etwa 70 Zentimeter, ein Zweieinhalbjähriger rund 20 Zentimeter mehr. Und zwischen einem kleinen Neunmonatigen und einem großen Dreieinhalbjährigen können 35 Zentimeter liegen.

Aus der Reihe tanzt im Test der Gulliver von Ikea, bei dem sich nicht einmal die Fußstützen verstellen lassen. Kleine Kinder sitzen hier ganz gut, Größere müssen aber die Beine baumeln lassen.

  • Tisch-Stuhl-Kombinationen: Sie bestehen aus einem Tisch, auf dem ein Stuhl thront. Das scheint praktisch, weil man beide Teile auch nebeneinander auf den Boden stellen kann. Dann haben die Kinder einen niedrigen Tisch mit einem passenden Stuhl daran. Aber: Richtig gut können sie darin nur selten sitzen, die Stühle sind wenig verstellbar. Sie schaffen es nicht, Babys ebenso wie Kleinkinder bis etwa dreieinhalb Jahre gut unterzubringen. Die Sitzverkleinerer oder -auflagen, die man extra für die Kleinsten kauft, sind meist nicht stark genug gepolstert. In der kindgerechten Gestaltung ist keines dieser Modelle besser als „befriedigend“. Verbesserungen sind hier überfällig.

Besonders auffällig ist der Storchenmühle (baugleich mit Recaro). Das Modell hat die größte Sitztiefe im Test, der Sitzverkleinerer bringt aber nicht sehr viel Volumen. Kleinere können hier nicht weit genug nach vorn rücken, um ihre Füße vernünftig aufzustellen. Umso erstaunlicher ist, worauf die Firma Storchenmühle seit Jahren besteht: Ihr Modell sei schon für Kinder ab vier Monaten geeignet. Davon kann keine Rede sein. Kinder gehören in einen solchen Hochstuhl erst, wenn sie aufrecht sitzen. Das ist meist ab etwa acht Monaten der Fall. Dann können die Kleinen mit am Tisch sitzen.

Tipp: Polstern Sie wenn möglich das Kind im Rücken mit einem Kissen ab. Das mindert auch die Durchrutschgefahr.

  • Schalensitze: Nur in diesen Sitzen können Eltern ihre Kleinen schon ab fünf Monaten unterbringen – ähnlich wie in Autositzen. Diese Sitze lassen sich nach hinten neigen. Dann liegen die Minis aber fast. Die drei Stühle mit folien- beziehungsweise stoffbezogenen Schalensitzen im Test lassen sich nicht nur nach hinten verstellen, sondern auch in der Höhe. Und das Gestell kann man auch zusammengeklappt in die Ecke stellen. Im Chicco sind Babys wie Kleinkinder vergleichsweise gut untergebracht – allerdings steht der Stuhl nicht immer sicher. Der Schalensitz von Hauck Zoomy ist gerade für die Jüngsten ungünstig. obwohl er relativ klein ausfällt. Außerdem sind die Kinder aus dem mit rund 100 Euro nicht gerade billigen Stuhl in der Regel schon mit anderthalb Jahren her­ausgewachsen.
  • Mitwachsende Hochstühle: Am längsten Freude bereiten die mitwachsenden Stühle, sogar noch in der Schulzeit. Eine neuartige Konstruktion ist der Brevi Slex, ein Stahlrohrgestell mit Kunststoff. Dessen Sitzfläche lässt sich mit einem Klick stufenlos nach oben oder unten schieben. Die Kleinsten hält ein Einsatz mit einem Bügel vorn im Zaum, hinten gibt es eine zusätzliche Abstützung im Rücken. So lässt sich der Stuhl ebenso größengerecht anpassen wie beispielsweise der Stokke Tripp Trapp. Dieser Treppenhochstuhl stand wohl schon für mehrere andere Modell. Sitzfläche und Fußabstützung sind bei diesen Stühlen meist zu verstellen, indem man sie in unterschiedlich hohe Kerben der Seitenwangen schiebt. Das klappt aber nicht bei allen gleich gut. Beim Herlag Tipp Topp lässt sich die Sitzfläche gar nicht verkleinern, und der Sitzverkleinerer kann dieses Manko nicht ausgleichen. Er ist für ganz Kleine weniger geeignet.

Keine absolute Standsicherheit

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Die Erfahrung zeigt: Absolute Sicherheit gibt es für Kinder in den Hochstühlen bis jetzt nicht. Die Kleinen können sich blitzschnell samt Stuhl von der Tischkante abdrücken und ihn so zum Kippen bringen. Besser als „gut“ können wir die Standsicherheit vorläufig also nicht bewerten. Generell sollte man ein Kind im Hochstuhl nie aus den Augen lassen. Warnhinweise am Stuhl müssen das deutlich machen. Diese Hinweise waren aber nicht immer vorhanden oder deutlich genug.

Nachdem beim letzten Test fast jeder zweite Kinderhochstuhl aus Sicherheitsgründen „mangelhaft“ abschnitt, haben die Normenausschüsse die Anforderungen für die Standsicherheit erhöht. Die haben jetzt alle Modelle erfüllt. Stühle dürfen aber auch dann nicht kippen, wenn beispielsweise ein Geschwisterkind von unten an der Tischplatte zerrt. Das haben wir zusätzlich geprüft. Chicco und Hauck Zoomy kippten dabei, ebenso Roba und Storchenmühle (mit Recaro). Da es sich dabei aber um einen Extremfall handelt, haben wir hier die Standsicherheit noch mit „ausreichend“ bewertet.

Durchrutschen immer noch möglich

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Geht doch: Aus dem Herlag Tipp Topp windet sich der kleine Junge schnell heraus und zieht ein Bein hinüber. Der mitgelieferte Becken-gurt kann ein Durchrutschen verhindern – aber nur wenn man ihn anlegt, was man leicht vergisst. Sicherer wären engere Abmessungen.

Geht doch: Aus dem Herlag Tipp Topp windet sich der kleine Junge schnell heraus und zieht ein Bein hinüber. Der mitgelieferte Becken-gurt kann ein Durchrutschen verhindern – aber nur wenn man ihn anlegt, was man leicht vergisst. Sicherer wären engere Abmessungen.

Die zweite große Gefahr neben dem Kippen ist das Durchrutschen, wenn das Kind im Stuhl ein Bein zum anderen hin­überzieht. Schrittgurte oder ähnliche Hindernisse zwischen den Beinen können das verhindern. Relativ enge Sitzverhältnisse im Stuhl sind ebenfalls wichtig, auch wenn sie das Hineinsetzen und Her­ausnehmen aus dem Stuhl erschweren. Im Moizi etwa können Kleinere im Extremfall trotzdem durchrutschen. Beim Herlag Tipp Topp soll das ein Beckengurt verhindern – eine Lösung zweiter Klasse, denn einen Gurt vergisst man leicht anzulegen. Gurte verdrehen sich auch leicht, sind oft fummelig und schwer zu öffnen.

Ein Risiko sind auch vier Rollen an den Stuhlbeinen (Hauck Zoomy), selbst wenn man sie feststellen kann. Auch das vergisst man leicht. So einen mobilen Hochstuhl können andere Kinder dann mal eben zum Herd oder zur Treppe schieben.

Immer wieder Mängel beim Material

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Billig und wenig haltbar: Beim Jedynak (Oben) platzte unter dem Sitz die Holzleiste im Schraubenbereich auf. Bei Schardt X-tra (Mitte) brach die Befestigung des Tabletts, beim Roba Sit-Up (Unten) ging die Seitenwange des Babybügels zu Bruch.

Teilweise vormontierte Stühle wie die Schalensitze oder Storchenmühle und Recaro sind relativ leicht aufzubauen. Beim Moizi mussten wir lange rätseln, bis Sitz- und Fußfläche in die Bohrlöcher passten. Am Schardt wären wir sogar fast gescheitert: Mal waren die Schrauben für die Lehne zu kurz, mal die Leisten verzogen, mal passten vorgebohrte Löcher nicht. Und beim Gulliver von Ikea ließen sich die vier Beine nicht ganz gleichmäßig einstecken. Er kippelte immer ein bisschen, kippte aber nicht in den Prüfungen.

Bei einigen Holzstühlen lautet das Motto offenbar „mehr Schein als Sein“ (wichtigste Materialien siehe Tabelle). Der Roba Sit-up Plus beispielsweise, dem Stokke Tripp Trapp ähnlich, aber um einiges billiger, besteht aus Schichtholz, das nicht fest genug ist und aus dem ein Babybügel brach. Beim Storchenmühle sitzen die Kleinen auf einer stoffbezogenen gepolsterten Hartfaserplatte, beim Herlag-Kombi, Jedynak und Schardt auf einer Spanplatte mit Polster und Kunststofffolie. Folie lässt sich einfach abwischen, ihr Sitzklima ist aber nicht gut. Schön, wenn sie wenigstens frei von Schadstoffen wäre. Beim Jedynak Babywelt ist das aber nicht der Fall.

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