Kinder­gesundheit Meldung

Zu viele überge­wichtige Kinder, Bewegungs­muffel, rauchende Schwangere – die neue Kiggs-Studie offen­bart verschiedene Probleme bei der Kinder­gesundheit in Deutsch­land. Es gibt aber auch sehr positive Entwick­lungen. So rauchen immer weniger Kinder und Jugend­liche. test.de berichtet über wichtige Ergeb­nisse und gibt Tipps für gesunde Ernährung und mehr Bewegung.

Zum dritten Mal Daten aus Gesund­heits­studie

Den allermeisten Kindern in Deutsch­land geht es gesundheitlich gut oder sehr gut – so antworteten rund 96 Prozent der befragten Eltern bei der jüngsten Untersuchung zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutsch­land (Kiggs). Sie ist der dritte Teil einer Erhebung, die das Robert-Koch-Institut (RKI) seit langer Zeit durch­führt, erst­mals zwischen 2003 und 2006. Auch damals bescheinigten bereits viele Eltern ihren Kinder eine gute Gesundheit – aber heute noch mehr. Allerdings offen­bart die neue Erhebung auch Probleme.

Jedes siebte Kind ist zu dick

Ein Knack­punkt: Nach wie vor ist ungefähr jedes siebte Kind zu dick. Laut der neuen Erhebung sind 15,4 Prozent der Kinder und Teen­ager zwischen drei und 17 Jahren überge­wichtig – und 5,9 Prozent sogar fett­leibig, fach­sprach­lich adipös. Die Raten sind bei Jungen und Mädchen vergleich­bar und liegen ähnlich hoch wie vor zehn Jahren. „Immerhin gibt es gegen­über damals keinen weiteren Anstieg“, kommentierte RKI-Expertin Bärbel-Maria Kurth bei einer Presse­konferenz zum Thema. Trotzdem seien die Zahlen natürlich noch zu hoch, denn lang­fristig könne Überge­wicht Herz-Kreis­lauf- und weitere Erkrankungen begüns­tigen. „Die Weichen für ungesunde Entwick­lungen werden offen­bar sehr früh gestellt. Viele überge­wichtige Kinder kommen aus erlernten Mustern nicht wieder heraus, bleiben also auch als Jugend­liche überge­wichtig.“

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Nur wenige Kinder bewegen sich ausreichend

Ein zweites wichtiges Problem, das zudem mit dem Überge­wicht zusammenhängen dürfte: Kinder und Jugend­lichen in Deutsch­land bewegen sich zu wenig. Nur knapp 30 Prozent der Jungen und rund 22 Prozent der Mädchen erreichen die Empfehlung der Welt­gesund­heits­organisation, 60 Minuten am Tag körperlich aktiv zu sein. Besonders träge sind laut der neuen Studie Jugend­liche im Alter von 14 bis 17 Jahren – und dabei vor allem die Mädchen. Bewegungs­mangel kann sich laut RKI nach­teilig auf Gesundheit, Wohl­befinden und körperliche Entwick­lung auswirken.

Viel weniger junge Raucher

Außer­ordentlich positive Nach­richten gibt es unter anderem in punkto Ziga­retten. Rauchten laut der ersten Kiggs-Erhebung zwischen 2003 und 2006 noch mehr als 21 Prozent der 11- bis 17-Jährigen, tun das laut der neuen Studie nur nur rund 7 Prozent. Präventions­maßnahmen seitens des Staates und der Schulen scheinen zu wirken. Deutlich gesunken ist auch der Nikotin­konsum in der Schwangerschaft – allerdings immer noch zu hoch, da Rauchen der Entwick­lung des ungeborenen Kindes schaden kann. Laut RKI gaben knapp 11 Prozent der Mütter von bis zu sechs­jährigen Kindern an, während der Schwangerschaft geraucht zu haben. Junge Frauen taten dies deutlich häufiger als ältere. Auch der soziale Status spielte eine Rolle: Je geringer Bildung und Wohl­stand waren, desto häufiger griffen Schwangere zur Zigarette.

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Armut als Gesund­heits­risiko

Insgesamt zeigt sich bei der Kiggs-Studie, dass Gesundheit in Deutsch­land stark vom sozialen Status abhängt. Rauchen, Bewegungs­mangel, Überge­wicht – besonders hohe Raten finden sich bei Kindern und Jugend­lichen aus einfachen Verhält­nissen. „Auch bei fast allen anderen untersuchten Para­metern sind sozial benach­teiligte Kinder auch gesundheitlich benach­teiligt“, sagt Kurth. „Wir müssen Wege finden, sie besser zu erreichen, um sie etwa in Sport­programme zu vermitteln oder ihr Ernährungs­wissen zu verbessern.“ Insgesamt seien die Daten der Kiggs-Studie wichtig, um zu sehen, in welchen Bereichen der Kinder­gesundheit Hand­lungs­bedarf besteht und inwieweit ergriffene Maßnahmen nutzen.

Viele Daten für die Forscher

Kiggs ist die größte Kinder­gesund­heits­studie in Deutsch­land. An der aktuellen Erhebung nahmen rund 15 000 Kinder und Jugend­liche mit ihren Eltern teil. Zusätzlich wurden etwa 11 000 Teilnehmer der ersten Kiggs-Studie einbezogen, um ihren jetzigen Gesund­heits­zustand zu erfassen. „Zukünftig müssen wir schauen, wie es weitergeht“, sagt Kurth. „Theoretisch haben wir die Chance, unsere Ur-Kohorte bis ins Senioren­alter zu begleiten.“

Bewegung in den Alltag von Kindern holen

Verschiedene Websites geben praktische Ernährungs- und Bewegungs­tipps für Kinder, etwa eine bundes­weite Initiative namens In Form. Hier finden sich auch die Nationalen Empfehlungen für Bewegung und Bewegungsförderung, die Forscher 2017 im Auftrag des Bundes­gesund­heits­ministeriums veröffent­lichten. Kinder und Jugend­liche sind in dem Bericht ein großes Thema. Unter anderem raten die Forscher:

Viel Platz. Säuglinge und Klein­kinder sollten sich in ihrem natürlichen Bewegungs­drang voll entfalten dürfen – natürlich in einer sicheren Umge­bung. In Kitas und Kinder­gärten nimmt Bewegung optimaler­weise viel Raum ein.

Struktur. Grund­schul­kinder brauchen jeden Tag körperliche Aktivität, wobei ein großer Teil auf „Alltags­aktivitäten“ entfallen kann. Dann spielen und toben Kinder beispiels­weise möglichst viel im Freien und sind häufig zu Fuß oder mit dem Fahr­rad unterwegs. Zusätzlich zählen mehr­mals pro Woche strukturierte Angebote, neben Schul- beispiels­weise auch Vereins­sport. Hilf­reich: verschiedene Sport­arten ausprobieren, um etwas zu finden, was Spaß macht. Auch Jugend­liche brauchen viel Bewegung. Alltags­aktivitäten wie Fußwege und Radfahren schlagen bei ihnen ebenfalls positiv zu Buche.

Wenig Sitzen. Wichtig in jedem Alter ist es laut den Forschern, „vermeid­bare Sitz­zeiten“ auf ein Minimum zu reduzieren. Das betreffe insbesondere den „Bild­schirmmedien­konsum“, also Fernseher, Computer, Tablet, Smartphone und Ähnliches. Grund­schul­kinder sollten damit höchs­tens eine Stunde am Tag verbringen, Jugend­liche maximal zwei Stunden – gerne auch weniger.

Vorbilder. Außerdem gilt: Eltern, die sich selber gern und gemein­sam mit ihren Kindern bewegen, sind ein wichtiges Vorbild.

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