Kinder­geld und Frei­beträge Special

Für Eltern gibt es jedes Jahr nur einen kleinen Nach­schlag beim Kinder­geld. Steuer­vorteile bringen aber Kinder­frei­beträge, Ausgaben für die Betreuung von Kindern und das Schulgeld. Umso wichtiger ist es für Eltern, dass sie sämtliche Kosten in ihrer Steuererklärung sauber abrechnen. Hier lesen Sie, wie Sie mit Frei­beträgen, Betreuungs­kosten und Schulgeld Steuern sparen.

Das Wichtigste in Kürze

Kinder­geld und Kinder­frei­betrag – das Wichtigste in Kürze

Kinder­frei­betrag. Bestimmte Personen­gruppen – hier Eltern – müssen für spezielle Kosten keine Steuern zahlen, sie erhalten sogenannte Frei­beträge. Das gilt für Frauen und Männer mit leiblichen und adoptierten Kindern sowie mit Pflege­kindern: Sie können 7 428 Euro im Jahr (2018) einnehmen, ohne dafür Steuern zu zahlen. Das ist der so genannte Kinder­frei­betrag. Dieser soll sicher­stellen, dass Eltern genug Geld übrig bleibt, um für ihre Kinder Essen, Wohnung, Betreuung oder Ausbildung zahlen zu können.

Kinder­geld. Den gleichen Zweck hat auch das Kinder­geld. Für jedes erste und zweite Kind bekommen Eltern 194 Euro, für das dritte 200 Euro und für jedes weitere Kind 225 Euro jeden Monat steuerfrei. Kinder­geld und Kinder­frei­betrag sind also steuer­begüns­tigt. Der Unterschied: Das Kinder­geld zahlt die Familien­kasse jeden Monat an die Eltern aus, den Kinder­frei­betrag nicht. Statt­dessen zieht das Finanz­amt die 7 428 Euro Kinder­frei­betrag rück­wirkend in der Steuererklärung von dem zu versteuernden Jahres­einkommen ab.

Auf neue Frist achten. Ab 2018 dürfen können Eltern den Antrag auf Kinder­geld nur noch bis zu einem halben Jahr rück­wirkend geltend nach­holen.

Nur eins von beiden. Allerdings gibt es für Eltern den Steuer­vorteil nur einmal: entweder Kinder­geld oder Kinder­frei­betrag. In der Steuererklärung prüft das Finanz­amt auto­matisch, was für Eltern steuerlich güns­tiger ist. Faust­regel: Für Allein­erziehende lohnt sich der Kinder­frei­betrag ab 30 000 Euro zu versteuerndes Einkommen im Jahr, für Eheleute ab 60 000 Euro. Und zwar, nachdem alle Kosten, die sie von der Steuer absetzen können, abge­zogen sind.

Alle Details zur Steuererklärung. Ausgaben für Kinder sind nicht alles. Im Steuerratgeber von Finanztest finden Sie alles, was Sie wissen müssen. Hier lesen Sie auch, wie Sie die Fahrt­kosten korrekt in die Steuererklärung eintragen.

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Kinder­frei­betrag – alle wichtigen Details

Der Kinder­frei­betrag steht beiden Eltern­teilen je zur Hälfte zu bis das Kind 18 ist. Wenn das Kind noch eine Ausbildung macht oder studiert, gibt es den Kinder­frei­betrag noch bis das Kind 25 Jahre alt ist. Der Kinder­frei­betrag kann auf Antrag in der Steuererklärung auch auf einen Stief­eltern- oder Groß­eltern­teil über­tragen werden, wenn das Kind bei einem von ihnen lebt. Die Gleich­stellung von Lebens­part­nern mit Ehegatten gilt auch bei der Über­tragung und Gewährung von Kinder­frei­beträgen (BMF-Schreiben vom 17.01.2014).

Adoptieren zum Beispiel einge­tragene Lebens­partner gemein­sam ein Kind oder adoptiert einer das Kind des anderen Lebens­part­ners, stehen beiden Adoptiv­eltern die Kinder­frei­beträge zu. Dauernd getrennt lebende Eltern und Nicht­verheiratete erhalten auto­matisch halbe Frei­beträge.

Kinder­geld immer auch beantragen

Sie haben Nach­wuchs bekommen? Informieren Sie umge­hend die Familien­kasse, damit Sie Kinder­geld bekommen. Dafür müssen sie nur ein Formular ausfüllen und den Geburts­schein Ihres Kindes vorlegen. Vorsicht: Seit 2018 kann der Antrag nur noch ein halbes Jahr rück­wirkend gestellt werden. Selbst wenn Sie wissen, dass der Kinder­frei­betrag für Sie steuerlich güns­tiger ist, sollten Sie auf jeden Fall Kinder­geld beantragen. Vorteile: Sie bekommen das Kinder­geld monatlich direkt auf Ihr Konto und nicht erst am Ende des Jahres. Zweitens geht das Finanz­amt bei allen Eltern davon aus, dass sie Kinder­geld beantragt und erhalten haben und rechnet diesen Betrag bei der Steuererklärung gegen – egal, ob sie es tatsäch­lich bekommen haben.

So wird der Kinder­frei­betrag ange­rechnet

Eltern erhalten für jedes Kind einen vollen Kinder­frei­betrag. Diesen teilen sie sich nach dem sogenannten Halb­teilungs­prinzip. Bei verheirateten Paaren, die beide in der Steuerklasse IV sind, wird der gleiche Kinder­frei­betrag ange­rechnet: Bei einem Kind wird der Zähler 1,0 und bei zwei Kindern der Zähler 2,0 pro Eltern­teil ange­rechnet. Bei Eheleuten mit den Steuerklassen III und V wird dagegen der gesamte Kinder­frei­betrag komplett bei dem Partner mit der Steuerklasse III berück­sichtigt. Für unver­heiratete Paare mit der Steuerklasse I oder Allein­erziehende mit Steuerklasse II wird pro Kind der Zähler 0,5 berück­sichtigt.

Bei Trennung oder Scheidung wird der Frei­betrag geteilt

Bei getrennten Eltern­teilen wird jeweils der halbe Frei­betrag angesetzt. In einigen Fällen können die halben Frei­beträge auf den anderen Eltern­teil über­tragen werden, sodass dieser die vollen Frei­beträge ange­rechnet bekommt. Das geht zum Beispiel, wenn Eltern getrennt leben oder geschieden sind und ein Eltern­teil seine Unter­halts­pflichten nicht erfüllt oder im Ausland lebt.

So über­tragen Sie den Kinder­frei­betrag

Da im Normalfall beiden Eltern­teilen der Kinder­frei­betrag zusteht, kann er unter bestimmten Voraus­setzungen auf einen Eltern­teil über­tragen werden. Für eine Über­tragung müssen beide Eltern­teile eine getrennte Einkommensteuererklärung abgeben. Der antrag­stellende Eltern­teil muss seine Unter­halts­verpflichtung erfüllen. Das ist der Fall, wenn das Kind bei diesem Eltern­teil lebt. Und der andere Teil seiner Unter­halts­verpflichtung zu weniger als 75 Prozent nach­kommt oder nicht unter­halts­pflichtig ist oder im Ausland lebt.

Wird der Kinder­frei­betrag auf ein Eltern­teil über­tragen, bekommt dieser Eltern­teil auch den Ausbildungs­frei­betrag in Höhe von 2 640 Euro pro Jahr und Kind. Eine Über­tragung des Kinder­frei­betrags ist auch auf Stief­eltern oder Groß­eltern möglich, wenn das Kind in deren Haushalt lebt oder sie gegen­über dem Kind unter­halts­pflichtig sind.

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Allein­ziehende bekommen mehr Entlastung

Leben Mütter oder Väter mit ihren Kindern allein, erhalten sie einen zusätzlichen Entlastungs­betrag von 1 908 Euro pro Jahr. Für jedes weitere Kind bleiben im Jahr 240 Euro steuerfrei. Der Steuerfrei­betrag soll ausgleichen, dass Allein­erziehende einen teureren Hausstand unterhalten, höhere Betreuungs­kosten haben und so steuerlich weniger leistungs­fähig sind als zusammenlebende Ehepaare.

Tipp 1: Steuerklasse II wählen. Um gleich in den Genuss des Entlastungs­betrags zu kommen, beantragen Sie beim Finanz­amt die Steuerklasse II für Allein­erziehende. Voraus­setzung: Sie leben allein mit Ihren Kindern in einem Haushalt und haben für sie Anspruch auf Kinder­geld.

Nur mit Steuerklasse II berück­sichtigt Ihr Arbeit­geber den Entlastungs­betrag direkt bei der Gehalts­abrechnung. Und das geht so: Vom Brutto­gehalt bleiben mit Steuerklasse II zusätzlich 159 Euro pro Monat steuerfrei (1/12 von 1 908 Euro). Für jedes weitere Kind kommen 240 Euro im Jahr, also 20 Euro im Monat, dazu. Bei einem Durch­schnittsverdiener mit einem Kind beträgt die Nettoentlastung nur etwa 50 Euro im Monat, Teil­zeitkräfte und Nied­rigverdiener bekommen noch weniger. Ohne Steuerklasse II mindert der Steuerbonus den Gesamt­betrag Ihrer Einkünfte.

Tipp 2: Im Haushalt melden. Den Entlastungs­betrag bekommen Sie allerdings nur, wenn Ihr Kind bei Ihnen gemeldet ist. Das gilt laut Bundesfi­nanzhof selbst, wenn Ihr Spröss­ling in einer eigenen Wohnung lebt (BFH, Az. III R 9/13). Mit der Meldung des Nach­wuchses in der Wohnung wird die Zugehörig­keit zum Haushalt unwiderleg­bar vermutet.

Sobald ein weiterer Erwachsener mit im Haushalt lebt, etwa ein neuer Partner einzieht, ist es mit dem Entlastungs­betrag vorbei. Ausnahme: Der Erwachsene ist Ihr voll­jähriges Kind, für das Sie nach wie vor Kinder­geld bekommen. Für die Höhe des Entlas­tungs­betrags spielt es keine Rolle, ob Ihnen der andere Eltern­teil Unterhalt zahlt. So urteilte der Bundes­finanzhof im Fall einer Mutter, deren Expartner für beide Kinder nicht zahlte (BFH, Az. III R 36/14).

Sie sind verwitwet? Sind Sie nach dem Tod Ihres Ehepart­ners mit Ihren Kindern allein? Um sich möglichst viel Netto­gehalt zu sichern, bleiben Sie am besten in Steuerklasse III. Falls Sie bislang in Klasse IV oder V waren, wählen sie jetzt Klasse III. Im Todes­jahr Ihres Part­ners und im Jahr danach profitieren Sie so noch vom Ehegatten­splitting. Den Entlastungs­betrag für Allein­erziehende lassen Sie sich als Frei­betrag in Ihre Lohn­steuer­daten eintragen.

So bekommen Allein­erziehende den vollen Kinder­frei­betrag

Allein­erziehende haben für jedes Kind Anspruch auf mindestens den halben Kinder­frei­betrag und den halben Betreuungs­frei­betrag. Sie können zusätzlich mit dem „Antrag auf Lohn­steuerermäßigung“ oder spätestens mit der Steuererklärung dafür sorgen, dass das Finanz­amt Ihnen die Hälften der Frei­beträge vom anderen Eltern­teil über­trägt. Wollen Sie vom vollen Betreuungs- und Kinder­frei­betrag profitieren, beantragen Sie die Über­tragung der anderen Hälfte in der Anlage Kind zur Steuererklärung. Den vollen Betreuungs­frei­betrag bekommen Sie, wenn Ihr minderjäh­riges Kind bei Ihnen lebt und nicht beim anderen Teil gemeldet ist.

Dieser kann der Über­tragung aber wider­sprechen, wenn er das Kind regel­mäßig betreut oder Betreuungs­kosten über­nimmt. Der volle Kinder­frei­betrag ist drin, wenn Sie Ihre Unter­halts­pflicht voll erfüllen, während der andere weniger als 75 Prozent leistet, mangels Einkommen nichts zahlen muss oder im Ausland lebt.

Bevor Sie sich für die Über­tragung des halben Kinder­frei­betrags entscheiden, prüfen Sie, ob es sich lohnt: Bei nied­rigem Einkommen ist es oft güns­tiger, wenn Sie nur den halben Betreuungs­frei­betrag zusätzlich nehmen, nicht aber den halben Kinder­frei­betrag. Das hängt mit der Anrechnung des Kinder­geldes auf den Kinder­frei­betrag zusammen. Wenn Sie nur Ihren halben Kinder­frei­betrag haben, rechnet das Finanz­amt auch nur die Hälfte des ausgezahlten Kinder­geldes gegen und nicht die volle Summe, um den Steuer­vorteil zu ermitteln.

Damit haben Sie schon bei nied­rigerem Einkommen eine Steuerersparnis: Hat eine Mutter mit einem Kind den vollen Betreuungs- und halben Kinder­frei­betrag, spart sie beispiels­weise für 2017 ab einem Einkommen von 16 310 Euro Steuern, beim vollen Kinder­frei­betrag erst ab 33 885 Euro.

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Betreuungs­kosten und Fahrt­kosten absetzen

Für Kinder unter 14 Jahren können Eltern unabhängig von ihrer beruflichen Situation bis zu 6 000 Euro Betreuungs­kosten abzüglich Verpflegungs­anteil jähr­lich geltend machen. Dabei spielt es keine Rolle, ob das Kind in Kita, Kinder­garten, Schulhort oder bei einer Tages­mutter betreut wird. Das Finanz­amt erkennt von diesen Ausgaben zwei Drittel, bis zu maximal 4 000 Euro im Jahr, als Sonder­ausgaben an.

Oma als Babysitter: Kosten von der Steuer absetzen

Ohne Familie geht es oft nicht: Passen Angehörige auf die Kinder auf, können Eltern ihnen die Fahrt­kosten erstatten und die Ausgaben von der Steuer absetzen. Auch an Betreuungs­kosten beteiligt sich das Finanz­amt, wenn Sie einen Arbeits­vertrag wie „unter Fremden üblich“ abschließen und per Über­weisung bezahlen.

Fahrt­kosten erstatten

Bei der Kinder­betreuung sind viele berufs­tätige Eltern auf die Unterstüt­zung von Groß­eltern, Tanten und Geschwister angewiesen. Häufig ist das ein kostenloser Dienst. Aber Eltern können den Angehörigen dann zumindest die Fahrt­kosten bezahlen: Erstatten Eltern Angehörigen oder Freunden zwecks Kinder­betreuung Fahrt­kosten für Bus, Bahn oder das eigene Auto, können sie diese Aufwendungen als Kinder­betreuungs­kosten steuerlich geltend machen. Für jeden mit dem eigenen Auto gefahrenen Kilo­meter können sie pauschal 30 Cent ansetzen. Die Angehörigen müssen die Fahrt­kosten­erstattung nicht als Einnahme in der Steuererklärung angeben, weil sie nicht mit Gewinn­erzielungs­absicht tätig sind. Das gilt, wenn die Betreuung unentgeltlich erfolgt.

Am besten schriftlich vereinbaren

Eltern und Betreuer sollten eine schriftliche Vereinbarung treffen, so wie sie auch unter Fremden üblich wäre. Darin sollte stehen, zwischen wem der Vertrag geschlossen wird, wann er beginnt, wo und in welchem Umfang die Betreuung erfolgt, an welchen Wochen­tagen oder immer dann, wenn die Kita geschlossen ist, und welche Fahrt­kosten erstattet werden. Beide Seiten müssen die Vereinbarung unter­schreiben. Damit das Finanz­amt mitzieht, sollte das Geld besser über­wiesen als bar bezahlt werden.

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Schulgeld von der Steuer absetzen

Waldorf­schule, Internat oder christliche Schule – besucht Ihr Kind eine kosten­pflichtige Schule, können Sie bis zu 30 Prozent der Ausgaben bis maximal 5 000 Euro im Jahr als Sonder­ausgaben absetzen. Einzige Voraus­setzung: Sie bekommen für Ihr Kind Kinder­geld oder den Kinder­frei­betrag. Bücher, Hefte, Stifte oder andere Schulmaterialien können Sie nicht absetzen, auch nicht wenn Ihr Kind auf eine Privatschule geht.

Für diese Schulen können Sie Schulgeld absetzen

Für die Anerkennung durch das Finanz­amt ist es egal, ob die Schule in freier oder kirchlicher Trägerschaft ist. Das Gleiche gilt für Schulen im europäischen Ausland. Der Besuch der Schule muss aber zu einem allgemein- oder berufs­bildenden Abschluss führen. Der Berufs- oder Schul­abschluss muss also dem zuständigen inländischen Schul- oder Kultur­ministerium, der Zeugnisanerkennungs­stelle oder der Kultus­minister­konferenz anerkannt werden.

Unterkunft und Verpflegung werden nicht anerkannt

Kosten für Unterkunft und Verpflegung etwa in einem Internat können Sie nicht absetzen. Aus der Rechnung der Schule Ihres Kindes zählen die Summen für Essen und Trinken sowie Unterkunft nicht zum Schulgeld und können daher nicht in der Steuererklärung abge­rechnet werden.

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So profitieren Sie von Musterklagen

Eltern investieren nach Schät­zungen des Statistischen Bundes­amtes etwa 126 000 Euro für ein Kind bis zu dessen Voll­jährigkeit. Auch deshalb greift ihnen der Staat mit Kinder­geld und Frei­beträgen unter die Arme. Doch die sichern nur das Existenz­minimum für die Kinder. Ob die Frei­beträge verfassungs­gemäß sind, ist derzeit wieder in Diskussion.

Eltern könnten auto­matisch von einer Musterklage zu den Kinder­freibe­trägen 2014 profitieren. Der Bundes­finanz­hof muss klären, ob die Frei­beträge in diesem Jahr mit 4 368 Euro zu nied­rig waren (BFH, Az. III R 13/17).

Auch das Bundesver­fassungs­gericht muss sich auf Vorlage des Finanz­gerichts Nieder­sachsen (Az. 7 K 83/16) mit der Frage beschäftigen, ob die Berechnung der Kinder­frei­beträge verfassungs­gemäß ist (BVerfG, Az. 2 BvL 3/17). Ob die Kinder­frei­beträge für 2014 zu nied­rig sind, muss nach einem Vorlagebeschluss (FG Nieder­sachsen, Az. 7 K 83/16) das Bundes­verfassungs­gericht prüfen. Bisher liegen sie bereits für Kinder ab sechs Jahren unter Sozial­hilfe­niveau. Erwachsene Kinder werden gar nicht erst einbezogen.

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