Ab 2012 bekommen Eltern Kindergeld, egal wie viel ihr Sprössling hinzuverdient. Studenten und Auszubildende müssen jetzt keine Einkunftsgrenze mehr beachten.

Kindergeld für Volljährige Special

Ronja Lintermann freut sich über ihren Studienplatz der Theaterwissenschaften in Bochum – und ihre Eltern über sichere Kindergeldzahlungen.

Für Studentin Ronja Lintermann und ihre Eltern gibt es Entwarnung. Im November zog Ronja nach Bochum, um dort Theaterwissenschaften zu studieren. Wenn sie neben dem Studium künftig noch Zeit für einen Nebenjob haben sollte, muss sie keine Einkunftsgrenze mehr beachten. Ihre Eltern bekommen volles Kindergeld, egal wie viel sie nebenbei verdient.

Auf die Höhe der Jobeinnahmen kommt es nicht mehr an. Letztmals für die Steuererklärung 2011 gilt die Vorschrift, dass die Bezüge des Kindes nicht über 8 004 Euro pro Jahr liegen dürfen. Schon bei einem Euro mehr fordert die Familienkasse bislang das Kindergeld für das ganze Jahr zurück.

Tipp: Informationen über die Regelung für 2011 erhalten Sie im Internet unter www.test.de/kinder-ueber-18. Erst nach Abschluss der ersten Ausbildung bekommen die Eltern kein Kindergeld mehr. Aber selbst wenn das Kind nach dem ersten Berufsabschluss weiterlernt und nebenher jobbt, können Eltern noch Kindergeld erhalten. Tritt das Kind eine weitere Ausbildung an, bedeutet das nicht automatisch das Aus für die Förderung. Die Eltern müssen dann allerdings gegenüber der Familienkasse belegen können, dass ihr Kind während der Zweitausbildung keiner Tätigkeit nachgeht, die seine Zeit und Arbeitskraft überwiegend beansprucht. Unproblematisch ist ein Nebenjob bis zu 20 Stunden pro Woche, ein Minijob oder ein Ausbildungsdienstverhältnis. Generell gilt aber: Nach dem 25. Geburtstag ist mit den Kindergeldzahlungen Schluss.

Ausbildungsfreibetrag mitnehmen

Gute Nachrichten gibt es ab 2012 auch für Eltern, deren Kinder während der Ausbildung am Studienort wohnen. Neben dem Kindergeld erhalten die Eltern zusätzlich stets den vollen Ausbildungsfreibetrag von 924 Euro im Jahr, unabhängig von Einkünften und Bezügen des Kindes. Bislang durfte der Nachwuchs lediglich 1 848 Euro pro Jahr an Zusatzeinkünften haben, damit der Freibetrag erhalten blieb. Jeden Euro darüber zog das Finanzamt direkt vom Freibetrag ab, sodass er schnell bei null lag. Die Eltern bekamen dann nichts.

Beispiel: Studentin Ronja Lintermann hat seit November 2011 ein Zimmer in Bochum. Da sie 2011 nichts hinzuverdient hat, erhalten die Eltern einen anteiligen Ausbildungsfreibetrag für zwei Monate von 154 Euro(924 Euro: 12 Monate x 2).

Ausbildungskosten erst ja, dann nein

Eltern von Kindern in Ausbildung oder Studium können sich somit ab 2012 über mehr Planungssicherheit beim Kindergeld und Ausbildungsfreibetrag freuen. Weniger Grund zur Freude haben die Auszubildenden und Studenten selbst, was das Thema Ausbildung und Steuer angeht. Vor wenigen Wochen kassierte der Gesetzgeber kurzerhand mehrere Urteile, die der Bundesfinanzhof zu ihren Gunsten gefällt hatte (BFH, Az. VI R 38/10, VI R 7/10).

Harsche Kritik an der Aushebelung

Die Richter des Bundesfinanzhofs hatten im August 2011 entschieden, dass die Auszubildenden die Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Semestergebühren oder Fachliteratur steuerlich als Werbungskosten geltend machen können. Wer als Student oder Auszubildender kaum etwas verdiente, konnte sie laut den Urteilen als vorab entstandene Werbungskosten feststellen lassen. Bei späteren Steuererklärungen hätten sie dann mit steuerpflichtigem Einkommen verrechnet werden und die Steuerlast senken können. Hätte.

Aus Sorge vor Steuerausfällen schob der Gesetzgeber einen Riegel vor. Er stellte klar: Kosten für eine erste Berufsausbildung sowie ein erstes Studium unmittelbar nach dem Schulabschluss sind weder Betriebsausgaben noch Werbungskosten. Die Regelung soll rückwirkend ab dem Jahr 2004 gelten. Ob dies allerdings das letzte Wort in der Sache ist, bleibt abzuwarten.

Steuerexperten üben harsche Kritik an der rückwirkenden Aushebelung der steuerzahlerfreundlichen Urteile. Noch gibt es allerdings kein höchstrichterliches Verfahren, auf das sich Studenten berufen könnten. Es bleibt daher abzuwarten, bis ein Verfahren vor dem Bundesfinanzhof landet. Erst dann besteht die Möglichkeit, seinen eigenen Fall im Hinblick auf eine höchstrichterliche Entscheidung offenzuhalten, um dann – bei einem positiven Ausgang des Verfahrens – doch noch von den steuerzahlerfreundlichen Urteilen zu profitieren. Bis dahin heißt es, Belege über die Kosten zu sammeln und abzuwarten.

Womöglich hilft nur eigene Klage

Wenn jedoch der Ablauf der siebenjährigen Feststellungsfrist droht, sollte jeder überlegen, ob er nicht trotz der neuen Rechtslage einen Antrag auf Feststellung der Ausbildungskosten beim Finanzamt stellt. Lehnt das Amt ab, hilft derzeit nur der eigene Einspruchs- und Klageweg weiter.

Jetzt mehr Sonderausgaben absetzen

Als Bonbon für das rückwirkende Aushebeln in Sachen Berufsausbildungskosten erhöhte der Gesetzgeber den Sonderausgabenabzug. Ab 2012 können Auszubildende und Studenten statt 4 000 Euro insgesamt 6 000 Euro im Jahr für ihre Berufsausbildung absetzen. Im Vergleich zu Werbungskosten sind Sonderausgaben aber weniger lukrativ: Sie lassen sich nicht nachträglich für vergangene Steuerjahre feststellen – und auch nicht mit künftigen Einnahmen verrechnen.

Kein Studienplatz, keine Ausbildung

Bekommen Schulabgänger keinen Studien- oder Ausbildungsplatz, erhalten die Eltern weiter Kindergeld. Vorausgesetzt, Sohn oder Tochter meldet sich bei der Agentur für Arbeit arbeitsuchend und erneuert diese Meldung alle drei Monate (siehe „Erwachsener Nachwuchs“). Bei Kindern zwischen 21 und 25 Jahren ohne Ausbildungsplatz können Eltern ebenfalls weiter Kindergeld bekommen. Wichtig ist dann allerdings, dass die Kinder nachweisen können, dass sie sich ernsthaft um eine Stelle bemüht haben: durch Bewerbungen, Einladungen zu Vorstellungsgesprächen und andere Belege.

Ebenso müssen Eltern keine Einbußen hinnehmen, wenn sich das Kind in einer Übergangsphase zwischen zwei Ausbildungsabschnitten befindet – so wie Studentin Ronja Lintermann zwischen dem Abi im Mai und der Aufnahme ihres Studiums im Oktober 2011. Die Übergangsphase darf aber nur bis zu vier Monate dauern. Ist sie länger, erlischt der Kindergeldanspruch.

Neue Freiwilligendienste

Auch wenn das große Kind sich für den neuen Bundesfreiwilligendienst oder den Internationalen Jugendfreiwilligendienst entscheidet, bleibt der Anspruch auf Kindergeld erhalten. Darüber hinaus gibt es noch andere Situationen, in denen die Förderung weitergeht. Sie endet oft erst mit dem 25. Geburtstag. Spätestens dann sollten die Kinder finanziell auf eigenen Füßen stehen – zumindest nach Vorstellung des Gesetzgebers.

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