Wenn der Nach­wuchs auswärts studiert oder für ein Jahr ins Ausland gehen will, kann es richtig teuer werden. Da ist es gut zu wissen, dass der Staat auch für den voll­jährigen Nach­wuchs weiter Kinder­geld gewährt – unter bestimmten Voraus­setzungen. Hier finden Sie alle Informationen rund um das Thema „Kinder ab 18“ aus steuerlicher Sicht.

Das Wichtigste in Kürze

Kinder­geld für junge Erwachsene – das müssen Sie wissen

Alle Infos. Alle Infos für die Steuererklärung finden Sie im großen Ratgeber Steuern von Finanztest. Die wichtigsten Fakten rund um das Kinder­geld für erwachsene Kinder und um den Unterhalt finden Sie hier im kostenlosen Special. Hinweise zu aktuellen Streitfällen beim Bundes­finanzhof finden Sie auf S. 75 des PDF zu diesem Artikel.

Neue Frist. Für erwachsene Kinder muss Kinder­geld nach dem 18. Geburts­tag extra beantragt werden. Stellen Sie den Antrag recht­zeitig, denn seit 2018 bekommen Sie Kinder­geld nur noch maximal sechs Monate rück­wirkend ausgezahlt.

Warte­zeiten. Beendet Ihr Kind demnächst die Schule und startet mit einer Ausbildung oder einem Studium? Beachten Sie die viermonatige Über­gangs­zeit. Maximal vier Monate dürfen zwischen zwei Ausbildungs­abschnitten, etwa dem Abitur und dem Studien­beginn liegen. Ansonsten zahlt die Familien­kasse nicht weiter.

In Ausbildung. Damit Sie für Ihren voll­jährigen Nach­wuchs Kinder­geld kassieren können, muss ihr Kind eine Erst­ausbildung absol­viert haben. Will Ihr Kind sein Berufs­ziel etappen­weise erreichen, klären Sie gegebenenfalls mit der Familien­kasse, ob das Berufs­ziel ihres Kindes als zweiaktiger Ausbildungs­gang anerkannt wird.

Ausbildungs­ende. Eltern steht das Kinder­geld bis zum fest­gelegten Ende der Ausbildung zu, auch wenn das Kind die Abschluss­prüfung schon vor diesem Ende bestanden hat.

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Kinder­geld trotz Warte­zeiten oder Arbeits­suche

Bis zum 18. Geburts­tag bekommen Eltern in der Regel problemlos Kinder­geld oder die Kinder­frei­beträge. Die Familien­kasse zahlt Kinder­geld bis einschließ­lich des Monats, in dem der 18. Geburts­tag liegt. Danach zahlt sie nur weiter, solange die erwachsenen Kinder studieren, eine Schul­ausbildung oder Lehre absol­vieren. Erst wenn die Ausbildung insgesamt abge­schlossen ist, stoppt die Förderung. Dies gilt auch, wenn ein Kind, wie bei einem dualen Studium, schon einen Berufs­abschluss in der Tasche hat. Endgültig Schluss ist aber mit dem 25. Lebens­jahr.

Wann es Kinder­geld gibt

Für Kinder bis 25 Jahre gibt es Kinder­geld, wenn sie eine Berufs­ausbildung wie Lehre, Schule, Studium absol­vieren oder sich zwischen zwei Ausbildungs­abschnitten befinden.

Kein Ausbildungs­platz? Die Familien­kassen müssen zahlen, wenn Kinder nach der Schule keinen Ausbildungs­platz finden. Voraus­setzung: Ihr Kind hat sich nicht nur punktuell, sondern vielfach und ernst­haft bei vielen Unternehmen um einen Platz bemüht. Eine Bewerbung pro Monat reicht nicht aus (BFH, Az. VI R 10/14). Notieren Sie Bewerbung und alle Vorstellungs­gespräche. Ohne Nach­weise kann die Familien­kasse das Kinder­geld streichen (BFH, Az. III R 66/05). Ist das Kind hingegen nach­weislich zu krank, um sich um einen Ausbildungs­platz zu kümmern, muss Kinder­geld gezahlt werden, entschied das Finanzge­richt Schleswig-Holstein (Az. 3 K 76/18). Da das Finanz­amt Revision einge­legt hat, muss nun der Bundes­finanzhof (BFH) entscheiden (Az. III R 42/19).

Arbeits­suchend? Kinder bis 21 Jahre, die ihre Ausbildung bereits abge­schlossen haben und nun auf Jobsuche sind, fördert die Familien­kasse ebenfalls, wenn sich Ihr Kind bei der Agentur für Arbeit als arbeits­suchend meldet. Tut es das, nehmen weder Familien­kassen noch Finanz­ämter weitere Prüfungen vor. Selbst wenn Ihr Kind bereits eine Einstellungs­zusage hat, sollte es sich für den Über­gang arbeits­suchend melden, um das Kinder­geld zu sichern. Die Arbeits­agentur ist verpflichtet, über die Meldung einen Nach­weis fürs Kinder­geld zu erteilen (BFH, Az. V R 22/15).

Praktikum. Gehört die berufs­praktische Zeit zur Berufs­ausbildung, gibt es währenddessen Kinder­geld. Sollten Ausbildungs- oder Studien­ordnung oder die Ausbildungs­stelle das Praktikum als ausbildungs­ergänzendes Element nicht vorschreiben oder zumindest empfehlen, müssen Eltern inhalt­lich argumentieren, warum das Praktikum Ausbildungs­charakter besitzt. Dazu eignet sich etwa ein Ausbildungs­plan, der die Praktikums­inhalte und -ziele definiert.

Freiwil­ligen­dienst. Die Kasse unterstützt junge Menschen, die einen Freiwil­ligen­dienst leisten, wenn der Träger zugelassen und anerkannt ist. So gibt es Kinder­geld zum Beispiel während eines Freiwil­ligen Sozialen Jahres (FSJ), eines Freiwil­ligen Ökologischen Jahres (FÖJ), eines Bundes­freiwil­ligen­dienstes oder während eines Freiwil­ligen­dienstes der Europäischen Union (EU). Gleiches gilt für die Dauer einer Ausbildung bei der Bundes­wehr, etwa als Rettungs­sanitäter oder die Zeit der Vorbereitung auf eine Offiziers­laufbahn.

Auslands­auf­enthalt. Bei Auslands­praktika und -semestern ist es meist leicht, den Bezug zur Berufs­ausbildung nach­zuweisen. Sammelt das Kind als Au-pair Erfahrungen, bekommen Eltern für diese Zeit Kinder­geld, wenn das Kind währenddessen an einem Sprach­kurs mit mindestens zehn Stunden pro Woche teilnimmt (BFH, Az. III R 3/16). Studiert das Kind dauer­haft im Ausland, muss dafür der Nach­wuchs weiter in Deutsch­land gemeldet sein und die Semester­ferien über­wiegend zu Hause verbringen (BFH, Az. III R 38/14).

Eine reine Auszeit im Ausland fördert der Staat allerdings nicht: Während einer Welt­reise oder eines Work-and-Travel-Trips fließt in der Regel kein Kinder­geld.

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Förderung für Kinder in Ausbildung

Kinder werden nicht nur bis zu ihrer Voll­jährigkeit gefördert, auch ihre Erst­ausbildung wird unterstützt. Allerdings zahlen die Familien­kassen dann das Kinder­geld nicht mehr auto­matisch jeden Monat aus. Vielmehr wollen sie für die Auszahlung einen Ausbildungs­nach­weis oder eine Bescheinigung der Hoch­schule sehen. Jedes Jahr müssen Sie daher – spätestens im Oktober – nach­weisen, dass die Ausbildung oder das Studium Ihre Kindes noch andauert. Für studierende Kinder kann die Meldung auch online erfolgen. Den Nutzungs­code hierzu verschickt die Familien­kasse auto­matisch nach Ende der Schul­ausbildung des Kindes. Sind Lehre oder Studium vor dem 25. Geburts­tag beendet, gibt es auch kein Kinder­geld mehr.

Neu: Beantragen Sie recht­zeitig das Kinder­geld, denn seit 2018 bekommen Sie es nur noch maximal sechs Monate rück­wirkend.

Erst- oder Zweit­ausbildung?

Nur die Erst­ausbildung wird mit Kinder­geld gefördert. Faustformel: Wer sein Berufs­ziel noch nicht erreicht hat, sich aber ernst­haft darauf vorbereitet, absol­viert eine Erst­ausbildung als Teil einer mehraktigen Ausbildung (BFH, Az. V R 27/14). ­Dazu zählen alle Maßnahmen, die zum angestrebten Beruf führen, etwa Praktika. Auch ein Volontariat kann als Berufs­ausbildung durch­gehen, wenn es die Chance erhöht, den angestrebten Job zu erhalten. Selbst Studienwechsel oder -unter­brechung zählen.

Master­studium: Einen Zusammen­hang bejahen die Gerichte bei einem Master, der zeitlich und inhalt­lich auf den voran­gegangenen Studien­abschluss abge­stimmt ist (BFH, Az. VI R 9/15). Kein Kinder­geld gab es für einen Steuerfach­angestellten, der eine Zulassung als Steuerberater anstrebte (FG Saar­land, Az. 2 K 1290/16), und eine voll berufs­tätige Steuerfach­angestellte, die Betriebs­wirtin werden wollte (FG Münster, Az. 1 K 3050/16 Kg). Begründung: Die angestrebten Abschlüsse setzten eine mehr­jährige Berufs­tätig­keit voraus. Beide Kläger haben Revision einge­legt, sodass nun der BFH entscheiden muss ( Az. VI R 13/17; XI R 25/17).

Duales Studium: Kombiniert ein Studium Ausbildung und Praxis, bekommen Sie bis zum Ende Kinder­geld – egal, wie viel Ihr Kind nebenbei arbeitet (BFH, Az. III R 52/13).

Tipp: Finanziert sich Ihr Kind das Studium selber? In unserem Special Jobben im Studium erklären wir, welche Regeln für Minijob, Midijob, Werk­studium, Ferien­job und selbst­ständige Tätig­keiten gelten.

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Kinder­geld – tausend wichtige Details

Die Familien­kasse zahlt regel­mäßig bis zum Ende der ersten Ausbildung bis maximal zum 25. Lebens­jahr. Eltern erhalten für ihr Kind in Ausbildung normaler­weise so lange Kinder­geld, bis es die Abschluss­prüfung bestanden hat. Geht die Ausbildung danach plan­mäßig aber noch weiter, muss die Familien­kasse bis zum fest­gelegten Ende zahlen. Das hat der Bundes­finanzhof in einem Urteil klar­gestellt (BFH, Az. III R 19/16).

Wie viel darf mein Kind nebenbei arbeiten?

Nur ausnahms­weise darf die Arbeits­zeit mehr als 20 Wochen­stunden betragen, aber nicht länger als zwei Monate. Über die Dauer des Beschäftigungs­verhält­nisses muss die 20-Stunden-Grenze im Schnitt einge­halten sein (BMF-Schreiben vom 08.02.2016, Voll­jährige Kinder).

Zweit­ausbildung. Es kommt grund­sätzlich nicht darauf an, ob es sich um eine Erst-, Zweit- oder Dritt­ausbildung handelt. Allerdings entfällt der Anspruch auf Kinder­geld, wenn Ihr Kind nach der Erst­ausbildung eine weitere Ausbildung absol­viert und daneben regel­mäßig mehr als 20 Stunden pro Woche arbeitet. Nur in diesen Fällen ist entscheidend, ob es sich um eine Erst- oder Zweit­ausbildung handelt.

Duales Studium. Bei einer Ausbildung parallel zum Studiumkann auch nach der Lehre weiterhin Anspruch auf Kinder­geld bestehen (FG Münster, Az. 4 K 1914/14 Kg). Das Studium muss dazu Teil der Erst­ausbildung sein. In einem solchen Fall spielt es keine Rolle, wenn Ihr Kind mehr als 20 Stunden in der Woche arbeitet. Setzt allerdings ein berufs­begleitendes Studium voraus, dass der Student vorher mindestens ein Jahr berufs­tätig war, handelt es sich um einen Weiterbildungs­studien­gang und damit um eine Zweit­ausbildung. Arbeitet der Student dann während des Studiums mehr als 20 Stunden, besteht kein Anspruch auf Kinder­geld mehr (BFH, Az. III R 14/15).

Selbst verheiratete Kinder zählen noch

Sie haben für Ihr voll­jähriges Kind Anspruch auf Kinder­geld, auch wenn es verheiratet ist, sich aber in der Erst­ausbildung befindet und das 25. Lebens­jahr noch nicht voll­endet hat. Das hat der Bundes­finanzhof entschieden (BFH, Az. III R 22/13). Auf die Höhe der Einkünfte des Kindes und auf einen etwaigen Unter­halts­anspruch durch den Ehegatten kommt es nicht an.

Längere Förderung nur in Ausnahmen

Eltern von Voll­jährigen in Ausbildung können Kinder­geld nur ausnahms­weise über deren 25. Geburts­tag hinaus beziehen, wenn

  • das Kind gesetzlichen Grund­wehr- oder Zivil­dienst geleistet hat,
  • es sich für maximal drei ­Jahre freiwil­lig zum Wehr- oder Grenz­schutz­dienst verpflichtet hat oder
  • vor dem 1. Juli 2011 einen Dienst in der Entwick­lungs­hilfe aufgenommen hat.

Der Zeitraum, für den die Familien­kasse Kinder­geld gewährt, verlängert sich dann um die Dauer eben dieses Dienstes, maximal aber um die Dauer des Grund­wehr­dienstes oder des Zivil­dienstes. Das gilt auch für arbeits­lose Kinder über den 21. Geburts­tag hinaus.

Keine Verlängerung entsteht durch ein Freiwil­liges Soziales Jahr oder einen mehr­jährigen Dienst im Katastrophen­schutz oder bei der Freiwil­ligen Feuerwehr.

Keine Alters­begrenzung bei Behin­derung

Für Kinder, die eine Behin­derung haben, gibt es Kinder­geld über das 25. Lebens­jahr hinaus – ohne Alters­begrenzung. Voraus­setzung ist, dass das Kind wegen körperlicher, geistiger oder seelischer Behin­derung außer­stande ist, sich selbst zu versorgen. Die Behin­derung muss vor Voll­endung des 25. Lebens­jahres einge­treten sein.

Mit Ausbildungs­frei­betrag Steuern sparen

Leben und studieren Ihre Kinder auswärts? Eltern bekommen in diesem Fall bis zu deren 25. Geburts­tag zusätzlich 924 Euro Ausbildungs­frei­betrag pro Jahr. Die Einkünfte Ihres Kindes spielen keine Rolle. Es muss nur ein Anspruch auf Kinder­geld bestehen. Für jeden Monat ohne Kinder­geld­anspruch sinkt der Frei­betrag um je 77 Euro. Geben Eltern ihre Erklärung getrennt voneinander ab, dürfen sie den Frei­betrag unter­einander hälftig auftei­len.

Kein Kinder­geld? Setzen Sie Unterhalt ab!

Eltern, die kein Kinder­geld mehr erhalten, ihren Nach­wuchs aber finanziell unterstützen, können für das Jahr 2019 bis zu 9 168 Euro plus Kranken- und Pflege­versicherungs­beiträge als außergewöhnliche Belastungen in ihrer Steuererklärung absetzen. Hat das Kind eigene Einkünfte über 624 Euro, mindert der über­steigende Betrag den Höchst­betrag des absetz­baren Unter­halts (So setzen Sie Unterhaltszahlungen von der Steuer ab).

Beiträge zur Kranken­versicherung fürs Kind absetzen

Haben Sie Anspruch auf Kinder­geld und sind Versicherungs­nehmer? Dann können Sie die Beiträge zur Basis­absicherung Ihres Kindes und Beiträge für Wahl­leistungen oder eine Auslands­reisekranken­versicherung in der Steuererklärung abrechnen. War Ihr Kind Versicherungs­nehmer, kann es seine Beiträge, auch wenn Sie diese gezahlt haben, in seiner Steuererklärung selbst absetzen.

Dieses Special wurde zuletzt am 3. Dezember 2019 aktualisiert. Bitte beachten Sie: Kommentare können sich auf zurück­liegende Fassungen beziehen.

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