Bekommt der Nachwuchs über 18 Jahre nicht gleich einen Ausbildungsplatz oder muss er bis zum Beginn der nächsten Berufsausbildung warten, sollten Eltern Kindergeld beantragen. Auch diese Zeiten zählen als kindergeldrelevant. Aufgrund eines Schreibens des Bundesamtes für Finanzen (DA 63.3.4, unter www.bff-online.de "Familienleistungsausgleich") könnte aber die Familienkasse in vielen Fällen das Kindergeld ganz streichen. Doch vor Gericht haben Eltern gute Karten.

Häufig verdienen die Kinder während der Übergangszeit mehr als in den Ausbildungsmonaten. Beispiel Robert: Er will nach Abschluss seiner Ausbildung im Juli 2001 in seinem Beruf arbeiten und sich im November 2001 für eine weitere Ausbildung bewerben. In diesem Fall gilt für das Bundesamt die gesamte Zeit als kindergeldrelevant ­ auch die Übergangszeit. Folglich berücksichtigt die Familienkasse auch für diese Monate die Einkünfte und Bezüge. Robert käme 2001 dadurch über die brenzlige 14.040-Mark-Jahresgrenze und das Kindergeld entfällt für das ganze Jahr.

Die Finanzgerichte entscheiden in solchen Fällen längst familienfreundlich wie zum Beispiel das Niedersächsische Finanzgericht (Az. VIII 852/98 Ki). Sie wählen jeweils die günstigere Variante zum Vorteil des Kindergeldberechtigten. Im Fall von Robert würden sie die Übergangsmonate nicht berücksichtigen, sodass die Eltern, solange Robert in der Ausbildung ist, Kindergeld bis Juli 2001 bekommen.

Tipp: Zahlt die Familienkasse kein Kindergeld, weil das Kind zwischen zwei Ausbildungsabschnitten zu viel verdient hat, sollten die Eltern Widerspruch einlegen und das Ruhen des Verfahrens beantragen. Der Bundesfinanzhof muss noch entscheiden, ob Einkünfte aus einer Berufstätigkeit einzubeziehen sind, weil für diese Zeit Kindergeldanspruch dem Grund nach besteht (Hessisches Finanzgericht Az. 2 K 5281/98; Revision BFH, Az. VI R 92/99).

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