Kindergeld Meldung

Die Finanzrichter haben den Familienkassen die gelbe Karte gezeigt. Die müssen künftig beim Kindergeld für Azubis, Studenten und andere Jugendliche großzügiger entscheiden.

Viele Eltern haben es durch: Kaum sind die Kinder 18, steht der monatliche Zuschuss für den Nachwuchs auf der Kippe. Damit fehlen nicht nur 270 Mark oder noch mehr Kindergeld auf dem Konto. Das Finanzamt streicht gegebenenfalls auch die Kinderzulage fürs Eigenheim, den Haushalts- und Ausbildungsfreibetrag und andere steuerliche Vergünstigungen. Zu Unrecht, fanden viele Eltern und lösten eine Welle von Verfahren gegen die bisherige Verwaltungspraxis aus. Einige Urteile stärken jetzt die Position betroffener Eltern. Der Bundesfinanzhof (BFH) hat klipp und klar entschieden, dass künftig wesentlich mehr Tätigkeiten der Kinder als Berufsausbildung einzustufen sind als bisher. Hinzu kommen mehrere Finanzgerichtsurteile, die für erfreuliche Aussichten der Eltern sorgen, deren Kinder bereits eigenes Einkommen erzielen. Die Berechnung dieses Einkommens soll zum Vorteil von Eltern und Kindern verändert werden.

Anerkannte Ausbildung

Kindergeld Meldung

Für Kinder zwischen 18 und 27 kann es weiterhin Kindergeld geben, wenn sie einer Berufsausbildung nachgehen. In der Vergangenheit führten nicht anerkannte Lehrberufe und zusätzlich absolvierte Ausbildungskurse meist zu einem Kindergeldstopp. Das soll sich nun ändern. Der Bundesfinanzhof hat in sechs Urteilen den Anspruch von Eltern auf Kindergeld deutlich ausgeweitet: Vorbereitende und ergänzende Aktivitäten für den künftigen Job werden jetzt stärker als Ausbildung anerkannt.

Au-pair-Aufenhalt: Die bei Mädchen beliebte Au-pair-Tätigkeit wird jetzt als Sprachausbildung anerkannt, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Das Lehrprogramm im Gastland muss von einer fachlich autorisierten Stelle vorgegeben sein und es soll etwa zehn Unterrichtsstunden pro Woche betragen. Die Richter tolerierten aber auch sechs Wochenstunden. Im Urteilsfall arbeitete eine Abiturientin für ein Jahr als Au-pair in Großbritannien. Sie ging zwar nur sechs Stunden pro Woche zur Sprachschule, hatte sich aber nachweislich zu mindestens vier Stunden zusätzlicher Hausaufgaben verpflichtet, um die Sprachprüfung ablegen zu können (BFH, Az: VI R 143/98, Az: VI R 33/98).

Ausländische Colleges: Eine Sprachausbildung wird auch anerkannt, wenn sie mit dem Besuch einer allgemeinbildenden Schule, eines Colleges oder einer Universität im Ausland verbunden wird. Es kommt nicht mehr darauf an, dass der Ausbildungsgang im Ausland für den angestrebten Beruf eine unverzichtbare Voraussetzung ist. Bei einem Fachwechsel ist kein Kindergeldstopp mehr zu befürchten und Eltern können sich auf den verhandelten Fall beziehen: Eine Abiturientin besuchte ein Jahr lang ein College für Innenarchitektur in den USA und studierte nach ihrer Rückkehr an einer deutschen Universität Theaterwissenschaften (BFH, Az: VI R 34/98).

Volontariate: Zusätzliche Kurse und Lehrgänge werden bisher als Berufsausbildung nicht anerkannt. Die Familienkasse disqualifizierte beispielsweise ein Volontariat bisher als so genanntes "Anlernverhältnis". Nicht so die höchsten Steuerrichter: Ein Volontariat fördert die berufliche Qualifikation. Für seine Anerkennung ist es aber wichtig, dass verschiedene Ausbildungsstationen und eine fachliche Unterweisung während des Volontariats nachgewiesen werden (BFH, Az: VI R 50/98).

Berufspraktika: Freiwillige Praktika hatten in der Vergangenheit keine Chance als Berufsausbildung anerkannt zu werden. Der BFH hat nun ein mehrmonatiges, nicht zwingend vorgeschriebenes Praktikum eines Jurastudenten in einer Anwaltssozietät anerkannt. Argument der Richter: Es kommt darauf an, dass das Praktikum für den angestrebten Beruf geeignet ist. Ob sich der Student dabei vom Studium beurlauben lässt oder nicht, spielt für das Kindergeld keine Rolle (BFH, Az: VI R 16/99).

Promotionen: Die Promotion wurde bisher nur dann als Ausbildungszeit akzeptiert, wenn sie an Stelle eines Staatsexamens, Diploms oder einer Magisterprüfung als alleiniger Abschluss gesetzlich vorgesehen war. Nun bescheinigte der Bundesfinanzhof einem diplomierten Mathematiker, der sein bereits abgeschlossenes Studium an der Uni fortsetzte, um sich auf eine Promotion vorzubereiten, dass er sich noch in der Berufsausbildung befindet. Begründung der Richter: Die Aussicht auf eine Anstellung steige dadurch enorm (BFH, Az: VI R 92/98).

Tipp: Das Bundesamt für Finanzen hat die Familienkassen angewiesen, in den hier genannten Fällen künftig eine Berufsausbildung anzuerkennen. Wer bereits Einspruch eingelegt hatte, kann Kindergeld sogar rückwirkend bis frühestens Juli 1997 beantragen. Lehnt die Familienkasse eine Berufsausbildung bei ähnlich gelagerten Fällen ab, sollten Eltern auf Anerkennung bestehen. Legen Sie innerhalb eines Monats Einspruch gegen den Kindergeldentscheid ein. Berufen Sie sich auf die Entscheidungen des Bundesfinanzhofs und geben Sie das entsprechende Aktenzeichen an.

Sparerfreibetrag gilt

Um steuerlich weiter als Kind zu gelten, dürfen die Einkünfte und Bezüge von Kindern zwischen 18 und 27 in diesem Jahr 13.500 Mark nicht übersteigen. Als Einkünfte und Bezüge gilt beim Finanzamt bisher fast alles, was dem Kind an Geld und Sachbezügen zufließt. Diese Vorgehensweise ist nach wie vor umstritten und beim BFH sind dazu mehrere Verfahren anhängig.

Hat ein Kind Zinseinnahmen und andere Kapitaleinkünfte unterhalb des Sparerfreibetrags, werden sie bei der Berechnung der Einkünfte und Bezüge voll berücksichtigt. Nur der Abzug von Werbungskosten (pauschal 100 Mark) ist zulässig. Dagegen hat sich das Finanzgericht Nürnberg verwahrt: Die Richter vertreten die Auffassung, dass der Sparerfreibetrag auch Kindern über 18 zusteht und Kapitaleinkünfte unterhalb von 3.000 Mark (bis 1999 lag die Grenze bei 6.000 Mark) bei der Einkünfteberechnung von Kindern nichts zu suchen haben (BFH, Az: VI R 61/99).

Abzugsmöglichkeiten

Für die Berechnung der Einkunftsgrenze des Kindes spielen Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen bisher keine Rolle. Das finden die niedersächsischen Finanzrichter nicht in Ordnung. Sollte sich deren Forderung, die Einkommensgrenze künftig auf das "zu versteuernde Einkommen" zu beziehen, durchsetzen, können sehr viel mehr Eltern als bisher mit Kindergeld rechnen. Jugendliche dürften dann neben Werbungskosten (beziehungsweise Betriebsausgaben) auch Sozialversicherungsbeiträge (rund 20 Prozent des Bruttoarbeitslohns eines Azubis, plus 108 Mark Sonderausgabenpauschale) geltend machen (BFH, Az: VI R 153/99). Auch Zahlungen für eine Lebensversicherung und die gesamte Palette der Sonderausgaben und außergewöhnlichen Belastungen müssten bei der Berechnung des Einkommens der Kinder somit berücksichtigt werden.

Tipp: Eltern, deren Kinder höhere Einkünfte und Bezüge haben oder die wegen der Einbeziehung des Sparerfreibetrags kein Kindergeld erhalten, sollten trotzdem Kindergeld beantragen. Gegen den ablehnenden Bescheid können sie Einspruch einlegen und sich dabei auf die Aktenzeichen des BFH beziehen.

Eltern, die in der Vergangenheit kein Kindergeld beantragt haben, weil sie davon ausgingen keins zu bekommen, können einen rückwirkenden Antrag stellen. Bei positiver Entscheidung ist eine rückwirkende Zahlung des Kindergelds ab 1. Juli 1997 möglich.

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