Kinderförderung Meldung

Mit dem neuen Elterngeld und der Neuregelung der Kinderbetreuungskosten werden Eltern jetzt besser gefördert. Beim Kindergeld eröffnen einige Urteile neue Chancen.

Die steuerliche Förderung von Kindern ist so unübersichtlich, dass viele Eltern Steuersparmöglichkeiten verpassen. Hätten Sie beispielsweise gewusst, dass Eltern auch mit der Nachbarin einen Vertrag zur Kinderbetreuung abschließen dürfen? test antwortet auf Leserfragen zur Kinderförderung.

Unser Baby ist unterwegs. Nun möchte meine Frau gern die Steuerklasse wechseln, um mehr Elterngeld zu kassieren. Doch das Finanzamt teilte mit, dies sei rechtsmissbräuchlich.

Ein Wechsel der Steuerklasse kann tatsächlich das Elterngeld erhöhen, denn es richtet sich nach dem Nettoeinkommen. Für Ehepaare ist ein Wechsel in der Regel einmal im Jahr möglich. Sie würden also nichts Ungesetzliches tun, wenn der weniger verdienende Partner vor der Geburt von der Steuerklasse V in die III wechselt, um netto mehr zu haben. Dennoch hat das Familienministerium hier in Bezug auf das Elterngeld Einschränkungen verordnet. Zum Beispiel, dass ein Wechsel nur akzeptiert wird, wenn der Partner, der in die III wechselt, mindestens so viel verdient wie der andere. Doch ob solche Einschränkungen rechtmäßig sind, ist umstritten. Im Einkommensteuergesetz und im Elterngeldgesetz findet sich dafür keine Grundlage. Aber selbst wenn die Elterngeldstelle bei Ihnen einen Missbrauch sieht, gibt es Elterngeld – aber nur auf der Grundlage der alten Steuerklasse.

Übrigens: Ein Wechsel in die Kombination IV/IV muss akzeptiert werden, und auch der hilft schon ein Stück weiter.

Meine Frau will nach der Elternzeit ein Jahr länger zuhause bleiben. Kann es vorteilhafter sein, das Elterngeld auf 24 Monate zu strecken?

In manchen Fällen kann sich das lohnen. Das Elterngeld ist steuerfrei, wenn es nicht mit Arbeitslohn oder anderen Einkünften zusammenfällt. Dennoch wird das steuerfreie Elterngeld vom Finanzamt indirekt berücksichtigt: Die Beamten rechnen das zu versteuernde Einkommen und das übers Jahr gezahlte Elterngeld zusammen und ermitteln den Steuersatz für diese Summe. Der erhöhte Satz wird dann auf das gesamte zu versteuernde Einkommen angewendet. Diese Belastung lässt sich mildern, wenn das Elterngeld auf längere Zeit verteilt wird. Wie viel Steuern Sie tatsächlich sparen, kommt auf den Einzelfall an. Das kann ein Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein ausrechnen.

Erhöhen bezahlte Überstunden das Elterngeld?

Ja. Wer bei Überstunden die Wahl zwischen Freizeitausgleich und Bezahlung hat, erhält mehr Elterngeld, wenn er sich für die Bezahlung entscheidet. Denn Überstundenlohn gilt als normaler Lohn. Allerdings sollten Überstunden schon möglichst früh geleistet werden, da sie während der Schwangerschaft und speziell zum Ende hin nur erschwert aufgebaut werden können.

Meine Frau will nach der Geburt wieder arbeiten, aber nur wenige Stunden pro Woche. Dürfen wir die Kinderbetreuung weiterhin absetzen?

Ja, das Finanzamt akzeptiert nicht nur eine Vollzeitarbeit beider Elternteile. Auch Teilzeitarbeit oder ein Minijob reichen. Die Beamten gehen bei mindestens zehn Stunden Wochenarbeitszeit in der Regel davon aus, dass Betreuungskosten erwerbsbedingt sind und als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgezogen werden. Sie akzeptieren dann zwei Drittel der Kinderbetreuungskosten im Jahr, maximal 4 000 Euro pro Kind.

Wir lassen unseren Sohn von der Oma betreuen. Können wir neben der Betreuung auch andere Ausgaben absetzen?

Ja, die Kosten für die Betreuungsperson. Sie können zum Beispiel die Fahrtkosten der Großmutter abrechnen, wenn sie den Enkel in der elterlichen Wohnung betreut. Dann muss die Großmutter dies aber in einer Rechnung aufführen. Oder es muss im Betreuungsvertrag stehen, den Sie mit ihr abgeschlossen haben. Das Finanzamt beteiligt sich auch an Ausgaben für Verpflegung und Unterkunft bei der Großmutter, falls sie den Enkel in ihrer Wohnung betreut und die Eltern nachweislich dafür bezahlt haben. Fahrtkosten fürs Wegbringen und Abholen des Sohnes zur Großmutter werden nicht berücksichtigt. Ebenso wenig die Fahrten, wenn Sie die Großmutter zur Betreuung abholen und wieder nachhause zurückfahren.

Können wir auch den Schulhort als Kinderbetreuung abrechnen?

Ja, aber nur die Betreuung im Hort – als Werbungskosten, Betriebs- oder Sonderausgaben. Wichtig: Bei Nachmittagsbetreuung in der Schule müssen Ausga­ben für die Hausaufgabenhilfe separat auf der Rechnung stehen. Trennen Sie die Betreuung von den Kosten für Verpflegung, Computer- und andere Kurse oder für Nachhilfe; sonst gehen Sie leer aus.

Wir haben ein Au-pair-Mädchen für die Kinderbetreuung. Genügt der Vertrag als Rechnung?

Nicht unbedingt. Für Au-pairs wird meist ein einheitliches Salär für Kinderbetreuung und Arbeit im Haushalt vereinbart. Das Finanzamt setzt dann 50 Prozent als Betreuungskosten an. Die anderen 50 Prozent können Sie für die Haushaltshilfe geltend machen. Wollen Sie andere Anteile absetzen, sollte im Vertrag stehen, für welche Tätigkeit Sie wie viel zahlen.

Wird die Kinderbetreuung auf der Steuerkarte als Freibetrag eingetragen?

Ja, erwerbstätige Eltern können auf der Lohnsteuerkarte 2007 für Kinder bis 14 Jahre einen Freibetrag für Kinderbetreuungskosten eintragen lassen. Es werden aber nur zwei Drittel der Kosten anerkannt, höchstens 4 000 Euro pro Kind. Das gilt für erwerbstätige Singles und für Paare, bei denen Vater und Mutter erwerbstätig sind. Anders als bei den üblichen Werbungskosten wird der Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 Euro nicht auf die Kinderbetreuungskosten angerechnet. Allerdings muss in der Regel die allgemeine Antragsgrenze von mindestens 600 Euro im Jahr erreicht werden, bevor das Finanzamt einen Freibetrag einträgt. Ehepaare, bei denen nur einer verdient, können sich für Kinder von drei bis sechs Jahren Betreuungskosten als Sonderausgaben in gleicher Höhe als Freibetrag eintragen lassen, wenn sie „freibetragstaugliche“ Positionen von insgesamt mindestens 600 Euro zusammenbekommen.

Ich muss mich als Student freiwillig krankenversichern. Darf ich die Beiträge von den Einkünften abziehen?

Ja. Der Bundesfinanzhof hat in zwei Urteilen zugunsten von Beamtenanwärtern in Ausbildung entschieden, für die keine gesetzliche Sozialversicherungspflicht besteht: Die Krankenkassenbeiträge oder Beiträge zu einer privaten Krankenversicherung mindern die Einkünfte (Az. III R 74/05 und III R 24/06). Die Finanzämter müssen diese Urteile in vergleichbaren Fällen anwenden, auch bei Studenten. Dadurch rutschen viele unter die Einkommensgrenze von derzeit 7 680 Euro im Jahr, sodass den Eltern Kindergeld zusteht. Wer nun eine Nachzahlung verlangt, erhält aber nur Geld, wenn der Kindergeldbescheid noch offen ist. Gute Chancen haben auch Eltern, die gar nicht erst Kindergeld beantragt hatten, weil sie glaubten, die Einkünfte ihrer Kinder seien zu hoch. Kindergeld kann vier Jahre rückwirkend beantragt werden.

Kann ich Steuern sparen, wenn ich meiner Tochter monatlich Geld überweise?

Ja. Unterhaltszahlungen an Kinder können Eltern als außergewöhnliche Belastung geltend machen – aber nur, wenn sie kein Kindergeld mehr bekommen. Wenn Sie Ihrer Tochter jeden Monat Geld überweisen, können Sie maximal 7 680 Euro von der Steuer absetzen. Allerdings schrumpft der Abzugsbetrag um den Teil des Einkommens der Tochter, der 624 Euro übersteigt, wobei Sozialversicherungsbeiträge abgezogen werden dürfen.

Meine Tochter liegt nur über dem Grenzbetrag, weil das Finanzamt auch Zinseinnahmen unter dem Sparerfreibetrag voll mitrechnet.

Das ist tatsächlich die derzeitige Rechtslage. Doch es gibt Hoffnung: Ab 2009 soll der Sparerfreibetrag vom neuen Sparerpauschbetrag abgelöst werden. Und der bringt Eltern erwachsener Kinder in Ausbildung mehr: Kapitalerträge unter 801 Euro bleiben dann beim Grenzbetrag für das Kindergeld außen vor.

Unser Sohn will in der Schweiz studieren. Wird dann das Kindergeld gestrichen?

Auch wenn Ihr Sohn im Ausland studiert, erhalten Sie Kindergeld, solange er zum elterlichen Haushalt in Deutschland gehört. Mit einem auswärtigen Studienort endet die Haushaltszugehörigkeit nicht zwangsläufig, wenn Ihr Sohn am Studienort keinen unabhängigen Haushalt führt und gelegentlich an Wochenenden oder regelmäßig in den Ferien zu den Eltern fährt, wo ihm ein Zimmer zur Verfügung steht. Seine Einkünfte und Bezüge dürfen den Grenzbetrag von derzeit 7 680 Euro aber nicht überschreiten.

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