Kinder­fahr­radsitze im Test Test

Die Stiftung Warentest hat 17 Kinder­fahr­radsitze getestet – 5 Modelle für vorne, 12 für hinten. Im Test: Fahr­radsitze vom Baumarkt und von Marken­herstel­lern wie Britax Römer, Hamax und Thule (Preise: 30 bis 150 Euro). Vier Sitze sind mangelhaft, darunter zwei weit verbreitete von Britax Römer: Die Anschnall­gurte lassen sich zu leicht lösen. Erfreulich: Neun Fahr­radsitze schneiden gut ab. Bei Frontsitzen wie Heck­sitzen gibt es gute Modelle. Die Testsieger gehören zu den teureren Modellen.

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TestKinder­fahr­radsitze im Test20.02.2018
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Für die Kleinsten: Fahr­radsitz vorne

Sobald Kinder selbst­ständig sitzen können, dürfen sie auf dem Rad mitfahren, also etwa ab dem neunten Monat. Für solch kleine Passagiere eignen sich sogenannte Frontsitze, die vor dem Fahrer montiert werden. Mit so einem Fahr­radsitz haben Eltern ihr Kind immer im Blick. Zusätzlich erhältliche Wind­schütze halten Fahrt­wind ab. Wegen ihres güns­tigen Schwer­punkts wirken sich Vordersitze wenig auf die Fahr­stabilität aus. Die Testfahrer kamen mit fast allen Sitzen zurecht.

Für Größere: Fahr­radsitz hinten

Kinder mit einem Gewicht von mehr als 15 Kilogramm müssen nach hinten umziehen. Hier sitzen sie wind­geschützter als vorn, verlieren jedoch den freien Blick in Fahrt­richtung. Heck­sitze sind am Sitz­rohr befestigt und federn an langen Befestigungs­bügeln frei­schwebend über dem Gepäck­träger. Die Fahr­prüfung haben zwar alle Heck­sitze im Test mit gut oder befriedigend bestanden, gegen­über den Frontsitzen haben sie jedoch einen Nachteil: Auch mit wenig lebhaften Spröss­lingen können sie sich je nach Fahr­bewegung und Straßenzustand aufschaukeln. Diese unerwünschte Pendelbewegung wirkt sich vor allem auf das Fahr­verhalten von Rädern mit tiefem Durch­stieg aus, etwa Damen­rädern. Bei einigen Kinder­sitzen für hinten lässt sich die Rückenlehne in eine Ruhe­position bringen; das verstärkt die Pendelbewegung zusätzlich.

Das bietet der Kinder­fahr­radsitz-Test

Test­ergeb­nisse. Unsere Tabelle zeigt Bewertungen für 17 Kinder­fahr­radsitze, darunter 5 Fahr­radsitze für vorne und 12 Fahr­radsitze für hinten. Neben wichtigen Marken­herstel­lern wie Bobike, Britax Römer, Hamax und Thule haben wir auch Kinder­sitze aus dem Baumarkt getestet. Prüf­punkte waren: Fahren, Eignung für das Kind, Hand­habung, Sicherheit, Halt­barkeit und Schad­stoffe. Außer Konkurrenz haben wir noch den Bobike Classic Junior geprüft. Er ist bis 35 Kilogramm ausgelegt (Frontsitze: 15 Kilo; Heck­sitze: 22 Kilo) und lässt sich auf dem Gepäck­träger zusammenklappen, wenn er nicht gebraucht wird.

Kauf­beratung. Wir erklären die Vor- und Nachteile von Front- und Heck­sitzen und sagen, worauf Sie beim Kauf eines Kinder­fahr­radsitzes achten sollten.

Heft-Artikel. Wenn Sie den Test frei­schalten, erhalten Sie auch Zugriff auf das PDF zum aktuellen Testbe­richt aus test 3/2018.

Viel Kraft zum Schieben nötig

Beim Schieben zeigt sich ein weiterer Vorteil der Frontsitze gegen­über den Heck­sitzen: Durch das geringere Gewicht und die Montage am Lenkerschaft sind sie einfacher gerade zu halten. Um beladene Rück­sitze berg­auf zu schieben, ist viel Kraft und eine zweite Hand am Sattel erforderlich, um das Rad aufrecht zu halten. Je weiter hinten der Sitz angebracht ist, desto leichter kippt das Rad um. Der Schwer­punkt der Heck­sitze darf maximal zehn Zenti­meter hinter der Hinter­achse liegen. Um die Montage zu erleichtern, ist der Schwer­punkt auf allen geprüften Heck­sitzen mit einem Kreuz gekenn­zeichnet.

Video: Kinder­fahr­radsitze im Test

Schad­stoffe, mangelhafte Verschlüsse, gebrochene Fußstützen: 4 Sitze versagen im Test, darunter 2 von Britax Römer.

Maximalgewicht ist schnell erreicht

Es erfordert Übung und Konzentration, mit einem Kinder­sitz am Rad sicher durch den Verkehr zu fahren. Das gilt erst recht, wenn vorn und hinten gleich­zeitig Kinder sitzen. Ratsam ist das nicht, auch wenn die Straßenverkehrs­ordnung es erlaubt. Ein solches Drei­gestirn über­schreitet möglicher­weise auch das erlaubte Gesamt­gewicht des Fahr­rads, das üblicher­weise bei 120 bis 130 Kilogramm liegt. Für solche Touren eignen sich Fahr­rad­anhänger besser.

Helm senkt das Verletzungs­risiko

Egal, ob der Kinder­fahr­radsitz vorne oder hinten angebracht ist: Mitfahrende Kinder sollten immer einen Fahr­radhelm tragen. Er senkt das Risiko von Kopf­verletzungen. In den meisten Sitzen ist das problemlos möglich. In vier der geprüften Sitze fahren behelmte Knirpse jedoch mit abge­knickten Köpfen. Das ist nicht gerade hilf­reich, um für den Kopf­schutz zu begeistern.

Gute Kinder­sitze fürs Fahr­rad ab 60 Euro

Neun Fahr­radsitze aus unserem Test sind insgesamt gut: Sie sind sicher, robust und ordentlich zu fahren. Drei davon werden vor dem Fahrer montiert und eignen sich für Passagiere bis 15 Kilogramm. Mit den sechs anderen lassen sich Kinder mit bis zu 22 Kilogramm Gewicht im Rücken des Fahrers kutschieren. Ab 60 Euro sind die Favoriten zu haben.

Sicher­heits­probleme bei Römer-Fahr­radsitzen

Vier Fahr­radsitze bekommen nur die Note Mangelhaft, darunter die beiden weit verbreiteten Sitze von Britax Römer. Die Verschlüsse der Sitze Jockey Comfort und Jockey Relax lassen sich kinder­leicht öffnen – ein unnötiges Sicher­heits­risiko. Um die Sicherheit der Kinder zu gewähr­leisten, verlangt die Prüfnorm für Kinder­fahr­radsitze, dass die Anschnall­gurte entweder mit zwei separaten Hand­bewegungen zu öffnen sind oder mit einer Kraft von mindestens 40 Newton. Die Verschlüsse der beiden Kinder­sitze von Britax Römer lassen sich mit einem Griff und einer Kraft von etwa 20 Newton lösen. Knopf drücken, den Stecker ziehen – das schaffen selbst kleine Kinder. Eltern bemerken es möglicher­weise nicht, da die Kinder­sitze hinter dem Fahrer montiert werden.

Jockey Comfort und Jockey Relax – erst gut, jetzt mangelhaft

Beim letzten Kinder­fahr­radsitz-Test nicht geprüft. Britax Römer verwendet die fragwürdigen Verschlüsse seit vielen Jahren – auch in den gleichnamigen Jockey-Sitzen, die im letzten Test von Fahr­radsitzen für Kinder im Jahr 2007 geprüft wurden. Damals lagen weder Hinweise von Eltern vor noch hatten unsere „Test-Kinder“ im Prüf­labor die Verschlüsse geöffnet. Die erforderliche Kraft zum Öffnen ermittelte die Stiftung Warentest damals nicht. Beide Jockeys schnitten damals im Test gut ab.

Auch im Nachtest waren die Verschlüsse unsicher. Im aktuellen Test sind beide Fahr­radsitze mangelhaft. Die Stiftung Warentest informierte Britax Römer vorab über die Mess­ergeb­nisse. Das Unternehmen legte darauf­hin ein Gutachten vor, nach dem die beiden Jockey-Modelle die Norm einhalten. Darüber hinaus schickte Britax Römer einen internen Prüfbe­richt. Dieser wies darauf hin, dass bei den Messungen die Gurte vorgespannt waren, also „Zug“ auf den Gurten gewesen sei. Unsere Tester prüften darauf­hin weitere Exemplare der Sitze, auch mit gespannten Gurten. Wieder ließen sich die Verschlüsse kinder­leicht öffnen.

Britax Römer tauscht Verschlüsse nicht aus. Auf die Frage, ob verunsicherte Eltern Sitz oder Verschlüsse umtauschen können, antwortete das Unternehmen: „Falls ein Produkt beschädigt ist, tauschen wir es natürlich im Rahmen der normalen Garantie aus.“ Zu leicht zu öffnende Verschlüsse zählen jedoch nicht dazu. Das Risiko, das mit geöff­neten Gurten einhergeht, lässt sich jedoch vermeiden. Das beweisen die anderen Kinder­fahr­radsitze im Test, die alle­samt sehr sichere Gurte verwenden. Nach Einschät­zung der Stiftung Warentest sollte das Unternehmen die Verschlüsse nachbessern.

Tipps für Britax-Besitzer. Besitzer eines solchen Kinder­sitzes sollten regel­mäßig prüfen, ob der Gurt geschlossen ist und gegebenenfalls mit dem Kind darüber reden. Wer ganz sicher gehen will, sollte einen anderen Sitz nutzen.

Schad­stoffe im Kinder­sitz, Fußstütze gebrochen

Zwei weitere Fahr­radsitze fielen aus anderen Gründen durch: In Polster und Sitz­schale des Bellelli Tiger Relax fanden die Tester poly­zyklische aromatische Kohlen­wasser­stoffe (PAK), die teil­weise im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen. Beim Bobike Exclusive Mini brach die Fußstütze im Dauer­test.

Kauf und Montage vom Fachhändler

Egal, ob Kinder vorn oder hinten Platz nehmen: Der Sitz muss zum Rad passen. An manche Modelle lassen sich Sitze kaum anbauen, etwa solche mit Schwanenhals- oder Karbon­rahmen. Klassische Holland-, Touren- oder Sport­räder bereiten meist keine Probleme, aber Schnell­spanner, Bowdenzüge, ein gefedertes Hinterrad oder Rahmen mit dicken oder nicht runden Rohren können die Montage erschweren. Hinzu kommt, dass manchen Kinder­fahr­radsitzen kein Werk­zeug beiliegt. Ohne Drehmom­entschlüssel, der die Schraub­kraft begrenzt, ist es schwierig, die Halterung korrekt zu befestigen. Sitzt sie zu locker, rutscht der Sitz. Ist sie zu fest, beschädigt sie womöglich den Rahmen.

Tipp: Nehmen Sie das Fahr­rad mit, wenn Sie einen Kinder­fahr­radsitz kaufen wollen. Fachhändler können Sitze empfehlen und montieren.

Kinder­fahr­radsitze im Test Test

Auf diese Punkte sollten Sie bei der Montage achten.

Auf diese Punkte sollten Sie bei der Montage achten.

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