Die Erziehung von Kindern wird in der gesetzlichen Rentenversicherung jetzt stärker berücksichtigt. Geringverdienende profitieren am meisten.

Kinderkriegen und Kindererziehung sind für das finanzielle Gleichgewicht in der gesetzlichen Rentenversicherung unerlässlich. Doch erziehende Mütter oder Väter haben Nachteile bei ihrer Altersvorsorge, weil sie oft jahrelang nicht oder nur in geringem Maß erwerbstätig sind. Vor allem Frauen bekommen weniger Rente. Durch Pausen wegen Kindererziehung erreichen sie im Schnitt 15 Versicherungsjahre weniger als Männer. Außerdem sind ihre Ansprüche nach längerer Teilzeittätigkeit niedriger. Je mehr Kinder eine Frau hat, desto geringer ist oft ihre Rente.

Um diese Nachteile zumindest teilweise auszugleichen, gibt es in der Rentenversicherung jetzt weitere Ausgleichsleistungen: Zu den schon bisher fiktiv zugerechneten Beitragszeiten in den ersten drei Lebensjahren eines Kindes kommen nun Beitragsaufstockungen bis zum zehnten Lebensjahr eines Kindes hinzu.

Rentenberechnung

Die Berechnung eines gesetzlichen Rentenanspruchs ist kompliziert. Die Rentenhöhe hängt von der Anzahl der bis Rentenbeginn angesammelten so genannten Entgeltpunkte ab. Einen Entgeltpunkt gibt es, wenn ein Arbeitnehmer in einem Jahr genauso viel verdient wie das Durchschnittseinkommen. Im Jahr 2002 beläuft sich das vorläufig ­berechnete Durchschnittseinkommen­ auf 28 518 Euro. Rentenversicherte, die 2002 ein Einkommen dieser Höhe erzielen, erwerben genau einen so genannten Entgeltpunkt. Er entspricht in den alten Bundesländern aktuell einer Rente von 25,86 Euro, in den neuen von 22,70 Euro. Ein Versicherter aus den alten Ländern, der 40 Jahre lang das Durchschnittseinkommen erzielte, hätte sich mit 65 Jahren bis heute einen Rentenanspruch von rund 1 040 Euro monatlich erarbeitet.

Liegt das Einkommen eines Versicherten unter oder über dem Durchschnitt, wird ihm weniger oder mehr als ein Entgeltpunkt gutgeschrieben. Verdient jemand 2002 beispielsweise insgesamt rund 14 250 Euro, bekommt er einen halben Entgeltpunkt. Erzielt er einen Bruttojahresverdienst von 43 000 Euro, wird sein Rentenkonto um rund eineinhalb Entgeltpunkte aufgestockt. Verdient er 54 000 (Ost: 45 000) Euro oder mehr, erreicht er die Obergrenze, bis zu der Beiträge erhoben werden. Er erwirbt den maximalen jährlichen Rentenanspruch von 1,8 Entgeltpunkten.

Elternzeit

Der Ausgleich für Kindererziehung ist in der Rentenversicherung in den ersten drei Lebensjahren eines Kindes am höchsten. Für alle nach dem 31. Dezember 1991 geborenen Kinder werden einem Elternteil drei Jahre Beitragszeiten auf Basis des Durchschnittseinkommens gutgeschrieben, also drei Entgeltpunkte. Beamte und Selbstständige sind ausgenommen. Wurde ein Kind früher geboren, erhalten Mutter oder Vater Beitragszeiten für nur ein Jahr.

Mütter bekommen die Gutschrift automatisch. Dass ein Kind geboren wird, erfahren die Rentenversicherungsträger, denn die Standesämter melden jede Geburt dem Datenzentrum des Verbandes Deutscher Rentenversicherungsträger (VDR) in Würzburg. Der zuständige Träger schreibt die Mutter dann unverzüglich an, um sie über ihre zusätzlichen Rentenansprüche zu informieren.

Sollen die zusätzlichen Beitragszeiten wegen Kindererziehung dem Rentenkonto des Vaters zugeschlagen werden, muss das extra beantragt werden. Denn nur in rund zwei Prozent der Fälle nehmen Väter die bis zu dreijährige „Elternzeit“. Ein formloser Brief an den Rentenversicherungsträger reicht aus. Ein Antragsformular wird den Eltern dann zugeschickt. Der Antrag sollte aber rechtzeitig erfolgen. Nur maximal zwei Monate Beitragszeiten werden rückwirkend gutgeschrieben.

Berufstätige profitieren

Müttern (oder Vätern), die in diesen drei Jahren versicherungspflichtig beschäftigt sind, also Rentenversicherungsbeiträge zahlen, werden die Kinderzuschläge zusätzlich gutgeschrieben.

Verdient eine Mutter während ihrer Elternzeit gut, kann sie vom Kinderzuschlag aber nur bis zur Beitragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung, profitieren. Beläuft sich das Einkommen der Mutter eines zweijährigen Kindes aus den alten Ländern 2002 auf 35 000 Euro, würde es wegen Kindererziehung für die Rentenversicherung fiktiv nicht bis 63 518 Euro, sondern nur bis 54 000 (Ost: 45 000) Euro oder 1,8 Entgeltpunkte aufgestockt.

Beiträge bis zum 10. Lebensjahr

Seit der Rentenreform 2000 gibt es für Eltern in der so genannten Kinderbe­rücksichtigungszeit zwischen dem dritten und zehnten Geburtstag eines Kindes weitere Ausgleichsleistungen. Die Rentenbeiträge, die eine berufstätige Mutter (oder ein Vater) und ihr Arbeitgeber zu jeweils 50 Prozent bezahlen, werden dafür fiktiv um 50 Prozent bis maximal zur Höhe des aktuellen Durchschnittseinkommens von zurzeit 28 518 Euro aufgestockt, und zwar für die Zeit ab 1992. So gilt dies auch für vor 1992 geborene Kinder, sofern sie nach 1992 noch unter zehn Jahren alt waren. Eine Verkäuferin mit einem Kind unter zehn Jahren, die 12 000 Euro brutto verdient, wird für 2002 beispielsweise so gestellt, als habe sie 18 000 Euro erzielt.

Wer in dieser Phase mehr verdient als das Durchschnittseinkommen, hat von der fiktiven Aufstockung aber nichts. Profitieren kann außerdem prinzipiell nur, wer bis Rentenbeginn mindestens 25 Jahre rentenrechtliche Zeiten (Beitrags-, Kinderberücksichtigungs-, Ausbildungszeiten) zusammen bekommt.

Zwei und mehr Kinder

Frauen (oder Männern), die mehr als ein Kind haben, wird jetzt, solange mindestens zwei ihrer Kinder unter zehn Jahre sind oder waren, ab 1992 ein fiktiver Beitragszuschlag von 0,33 Entgeltpunkten jährlich gutgeschrieben. Für Nichterwerbstätige mit mindestens zwei Kindern zwischen drei und zehn Jahren heißt das, der Rentenversicherungsträger stellt sie 2002 so, als würden sie auf Basis eines fiktiven Einkommens von rund 9 500 Euro Beiträge einzahlen. Wer berufstätig ist, bekommt das Drittel ebenfalls, aber nicht zusätzlich die Aufstockung seiner Beiträge um 50 Prozent.

Obergrenze ist wieder das Durchschnittseinkommen. Mehr als einen Entgeltpunkt pro Jahr gibt es also nicht. Wirksam wird der Zuschlag im Rentenalter wieder nur, wenn die Mutter (oder der Vater) bis Rentenbeginn 25 Jahre rentenrechtliche Zeiten erreicht.

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