Kinderbetreuungskosten Meldung

Eltern können Kosten für Kita und Tagesmutter besser steuerlich absetzen. Das ist zwar etwas kompliziert, aber lukrativ.

Kinder kosten Geld, viel Geld – das ist sicher ein Grund, warum die Geburtenraten stetig zurückgehen. Nun setzt die Regierung genau an diesem Punkt an: Neben dem neuen Eltern­geld sorgte sie für eine leichtere Absetzbarkeit von Betreuungskosten. Seit dem vergangenen Jahr dürfen berufstä­ti­ge Eltern zwei Drittel dieser Kosten beim Finanzamt abrech­nen. Als berufstätig gelten auch Mütter und Väter mit einem Teilzeit- oder einem Minijob. Ausgaben für Kindergarten, Hort, Internat, Ta­ges­mut­ter, Babysitter und an­de­res erkennt das Finanzamt an. Ebenso, wenn nahe Verwandte die Betreuung übernehmen. Es gilt aber eine Höchstgrenze: Maximal werden 6 000 Euro pro Kind und Jahr an­erkannt. Davon akzeptiert das Finanzamt zwei Drittel, sodass bis zu 4 000 Euro pro Kind in die Steuerrechnung eingehen.

Ganz neu ist, dass nun zum ersten Mal auch Paare die Förderung bekommen, bei denen nur ein Elternteil berufstätig ist – allerdings nur für drei-, vier- und fünfjährige Kinder. Insgesamt sind die neuen Regelungen deutlich lukrativer als die bisherigen. Bis Ende 2005 wurden Kosten für die Kinderbetreuung nämlich erst ab einem Mindestbetrag von 1 548 Euro anerkannt, bei Alleinerziehenden 774 Euro. Erst oberhalb dieser Grenze waren sie überhaupt abzugsfähig.

Doppelverdiener, Alleinerziehende

Doppelverdiener und berufstätige Alleinerziehende können die Betreuung für Kinder bis 14 Jahre als Werbungskosten absetzen, Selbstständige als Betriebsausgaben. Das geht auch, wenn ein Elternteil einen pauschal versteuerten Minijob hat. Dann sollte der andere, sozialversicherungspflichtig beschäftigte Partner alle Be­treuungsausgaben voll übernehmen. Denn bei zusammenlebenden berufstätigen Eltern – egal ob mit oder ohne Trauschein – ist jeder berechtigt, die Kosten abzuziehen, wenn er die Ausgaben zahlt.

Beispiel: Vater und Mutter sind Arbeitnehmer, nicht verheiratet, leben aber zusammen. Der Vater hat 1 800 Euro für die Kinderfrau bezahlt, die Mutter 2 400 Euro für den Kindergarten. Jeder Elternteil trägt in der eigenen Steuererklärung für das Jahr 2006 – in der Anlage Kind – zwei Drittel der Ausgaben als Werbungskosten ein. Beim Vater sind das 1 200 Euro, bei der Mutter 1 600 Euro. Hinzu kommt der Werbungskostenpauschbetrag für Arbeitnehmer von jeweils 920 Euro.

Ob zusammenlebende, nichtverheirate­te Paare auch eine andere Aufteilung wählen dürfen, steht noch nicht fest. So etwas kann sinnvoll sein, wenn einer viel und der andere wenig verdient. Ansonsten gilt der Grundsatz: Wer zahlt, darf auch abziehen. Auch Eltern, die nicht erwerbstätig sind, sondern in Ausbildung oder behindert oder krank, dürfen Kinderbetreuungskosten geltend machen.

Gehen dagegen beide Eltern einem Minijob nach, können sie keine Werbungskosten geltend machen. Und damit entfällt auch die Möglichkeit, Kinderbetreuungskosten abzurechnen.

Für Doppelverdiener-Ehepaare gibt es eine weitere Möglichkeit, mit Betreuungskosten Steuern zu sparen: Sie können einen Minijobber für die Betreuung einstellen und dann zwei Drittel der Ausgaben von der Steuer absetzen.

Beispiel: Zahlen die Eltern einer Bekannten 400 Euro monatlich als Lohn für den Minijob, kommt zusätzlich für Steuern, Renten- und Krankenversicherung eine Pauschale von 12 Prozent hinzu sowie 1,7 Prozent für die Unfallversicherung. Diese 13,7 Prozent gehen an die Minijob-Zentrale in Essen, wo das Arbeitsverhältnis angemeldet werden muss. Von den 5 457,60 Euro Gesamtkosten (4 800 Euro Lohn, 576 Euro Pauschale, 81,60 Euro für die Unfallversicherung) erkennt das Fi­nanz­amt zwei Drittel an, also 3 638,40 Euro. Bei einem Grenzsteuersatz von 35 Prozent bringt das 1 273,40 Euro Ersparnis.

Für die Minijobberin ist es einfach: Sie kassiert bis zu 400 Euro im Monat steuer- und abgabenfrei. Minijobs mit Angehörigen sollten wie unter Fremden schriftlich vereinbart werden. Verträge zwischen Lebenspartnern mit gemeinsamen Kindern akzeptiert das Finanzamt nicht.

Einverdiener-Ehepaare

Erstmals können auch Ehepaare Betreuungskosten absetzen, bei denen nur einer be­rufstätig ist. Vorher ging das gar nicht. Nun sind sie die Gewinner der Neure­ge­lung. Auch hier gilt als Höchstbetrag 6 000 Euro, von denen maximal zwei Drittel anerkannt werden. Aber die Förderung gibt es nur, wenn die Kinder drei, vier oder fünf Jahre alt sind. Einverdiener-Ehepaare profitieren zwar nur drei Jahre lang von der neuen Förderung, aber das mit einer erheblich höheren Entlastung als Doppelverdiener (siehe Tabelle). Sie setzen ihre Aufwendungen nicht als Werbungskosten ab, sondern als Sonderausgaben.

Tipp: In der Zeit vorm Kindergartenalter und danach gehen Einverdiener-Paare aber nicht in jedem Fall leer aus. Sie können einen Minijobber einstellen und bis 510 Euro pro Jahr direkt von der Steuerschuld abziehen. Wer es sich leisten kann, kann auch eine voll sozialversicherungspflichtig beschäftigte Kraft einstellen und bis zu 2 400 Euro geltend machen.

Nicht bar zahlen, sondern überweisen

Für alle Eltern gilt: Sie dürfen die Betreuung nicht einfach bar bezahlen. Vielmehr müssen sie dem Finanzamt eine Rechnung vorlegen und die Zahlungsnachweise, also einen Überweisungsbeleg oder Kontoauszug, aus dem hervorgeht, dass das Geld auf das Konto des Betreuers oder der Betreuungseinrichtung überwiesen wurde. Als Rechnung gilt auch ein mit der Betreuungsperson schriftlich abgeschlossener Arbeitsvertrag, mündliche Vereinbarungen werden nicht anerkannt.

Bei Ausgaben für Kindergarten, Hort und Internat reicht der Bescheid des öffentlichen oder privaten Trägers über die zu zahlenden Betreuungskosten aus.

Oma, Opa und andere Verwandte

Auch wenn nahe Verwandte den Nachwuchs betreuen, beteiligt sich das Finanzamt an den Kosten. Passt zum Beispiel die Oma auf den zweijährigen Sohn ihrer erwerbstätigen Tochter auf und erhält dafür im Monat 180 Euro, kann die Tochter zwei Drittel davon als Werbungskosten geltend machen, also 1 440 Euro im Jahr. Damit das Finanzamt mitspielt, sollte es klare Vereinbarungen über Leistung und Gegenleistung geben, wie sie auch unter Fremden üblich sind. Dazu gehört eine Rechnung von der Großmutter plus Zahlungsnachweis der Tochter auf ihr Konto.

Die Großmama muss die Einnahmen zwar angeben, wenn sie zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet ist. Doch Rent­nerinnen bekommen oft so wenig Rente, dass für das zusätzliche Geld meist keine Steuern fällig werden. Dabei spielt es keine Rolle, wenn Oma, Tochter und Enkel im gleichen Haushalt wohnen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 792 Nutzer finden das hilfreich.