Viele Finanzämter verweigern Eltern Steuervorteile für die Kosten der Kinderbetreuung – offenbar aus Unkenntnis.

Jannine Schönfeld und Guido Schielke aus Zossen in Brandenburg haben es schon befürchtet: Das Finanzamt hat nur einen Teil der Kitakosten für ihre Töchter Pauline und Helene anerkannt.

Die Brandenburger Beamten hatten 2  187 Euro gestrichen. Nach dem ersten Einspruch gegen den Steuerbescheid haben sie zumindest die Kitakosten für die Monate anerkannt, in denen Jannine Schönfeld bis zu der Geburt ihrer jüngsten Tochter Luise im Juli 2007 noch gearbeitet hat.

Aber der Familie steht mehr zu. Sie kämpft noch darum, dass die Behörde für vier weitere Monate die Kitakosten abhakt. Laut Schreiben des Bundesfinanzministerium (BMF) zählen auch die Betreuungskosten für die ersten vier Monate, in denen Jannine Schönfeld ihre Berufstätigkeit unterbrochen hat (BMF-Schreiben vom 19. Januar 2007, IV C 4 – S 2221 – 2/07).

Mit einem erneuten Einspruch gegen ihren Steuerbescheid haben die Eltern das Finanzamt aufgefordert, die Kitakosten bis Ende November 2007 anzuerkennen. Jetzt warten sie schon Monate auf ihre restliche Steuererstattung von rund 200 Euro.

Eltern können pro Kind bis zu 6  000 Euro im Jahr zum Beispiel für Kita, Tagesmutter, Au-pair-Mädchen oder Babysitter in ihrer Steuererklärung abrechnen. Für jedes Kind im Haushalt unter 14 Jahren zählen jeweils zwei Drittel der Betreuungskosten, maximal 4 000 Euro als Werbungskosten, Betriebsausgaben oder Sonderausgaben (siehe Grafik).

Finanzämter machen Fehler

Die Familie aus Zossen ist kein Einzelfall. Sobald ein Vater oder eine Mutter kein steuerpflichtiges Einkommen hat, streicht das Finanzamt häufig die Betreuungskosten.

Zum Beispiel wurde eine Mutter am 15. Juni 2007 arbeitslos. Seit November 2007 arbeitet sie wieder. Das Finanzamt ließ im Steuerbescheid 1 200 Euro (4 x 300 Euro) Kitakosten für die zweijährige Tochter Maria von Juli bis Oktober unter den Tisch fallen. Hat die Mutter einen Steuersatz von 30 Prozent, bekäme sie dadurch rund 240 Euro zu wenig Steuern erstattet.

Das Geld darf die Behörde nicht verweigern. Sie muss für das ganze Jahr die Kitakosten abziehen, weil die Mutter nur vier Monate arbeitslos war.

Selbst wenn die Frau vorübergehend bis Jahresende arbeitslos gewesen wäre, zählten die Kosten bis einschließlich Oktober:

Plus vier Monate Unterbrechungszeit
6 Monate Arbeitszeit (Januar – Juni)
+ 4 Monate Unterbrechungszeit
x 300 Euro Kitakosten = 3 000 Euro
davon 2/3 = 2 000 Euro
Steuererstattung bei 30 Prozent persönlichem Steuersatz: 600 Euro

Die Betreuungskosten für die vier Monate Übergangszeit können Eltern auch ansetzen, wenn sie beide ihren Job unterbrechen. Sie müssen nur zusammenleben.

Minijob und Ausbildung übersehen

Nach der Steuererklärung gingen auch Eltern leer aus, bei denen ein Partner keine steuerpflichtigen Einnahmen hat, weil er noch studiert. Dabei steht Paaren für die Betreuungskosten ihrer Kinder der Abzug als Sonderausgaben zu, wenn einer berufstätig und der andere in Ausbildung ist.

Dasselbe Problem hatten Eltern, von denen einer einen Minijob hat. Weil der pauschal versteuerte Minijob-Verdienst nicht in der Steuererklärung auftaucht, unterstellt das Finanzamt, dass nur einer berufstätig ist und der andere zuhause. Folglich beachtet es die Betreuungskosten nicht.

Auch dieses Vorgehen ist falsch. Schon ein Minijob mit nur zehn Arbeitsstunden in der Woche zählt als Berufstätigkeit, erläutert das Schreiben des Ministeriums.

Offenbar beachtet die Finanzbehörde ihre eigenen Formulare nicht. In der Anlage Kind können Eltern ihre Gründe für die Kinderbetreuungskosten wie zum Beispiel Minijob oder Ausbildung ankreuzen. Doch die Mitarbeiter schauen oft nur darauf, ob eine Lohnsteuerbescheinigung vorliegt.

Spezialregel für Vorschulkinder

Für Kinder im Vorschulalter unterschlagen die Beamten oft die Kosten, wenn die Eltern weder arbeiten noch krank oder in Ausbildung sind. Dabei wollte der Gesetzgeber gerade für Kinder zwischen drei und sechs Jahren eine Ausnahme: Eltern, die nicht berufstätig sind, dürfen trotzdem die Betreuungskosten als Sonderausgaben abziehen.

Das bringt zum Beispiel Eltern mit Kleinkindern Vorteile. Sie können für das ältere Geschwisterkind ab dem 3. Geburtstag die Kitakosten steuerlich abziehen, auch wenn die Mutter mit dem Baby noch zuhause ist.

Zahlen die Eltern für das Kind zwischen drei und sechs Jahren etwa 2  400 (12 x 200 Euro) im Jahr, bringen zwei Drittel davon, also 1 600 Euro, Steuerabzug. Bei 25 Prozent Steuersatz gibt es 400 Euro Steuern zurück.

Das Geld sollten Eltern keinesfalls verschenken. Streicht das Finanzamt zu Unrecht Kinderbetreuungskosten, müssen sie innerhalb eines Monat nach Erhalt des Steuerbescheids Einspruch einlegen.

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