Kinder­betreuung Special

Ohne Familie geht es oft nicht: Passen Angehörige auf die Kinder auf, können Eltern ihnen die Fahrt­kosten erstatten und die Ausgaben von der Steuer absetzen. Das hat das Finanzge­richt Baden-Württem­berg entschieden. Es sah in der Betreuung durch die Groß­mutter keine familien­interne Gefäl­ligkeit, sondern eine bezahlte Dienst­leistung. Die Steuer­experten der Stiftung Warentest erklären, welche Regeln für Kinder­betreuungs­kosten gelten.

Fahrt­kosten erstattet

Bei der Kinder­betreuung sind viele berufs­tätige Eltern auf die Unterstüt­zung von Groß­eltern, Tanten und Geschwister angewiesen. Häufig ist das ein kostenloser Dienst – so auch in einem Fall, der vor dem Finanzge­richt Baden-Württem­berg verhandelt wurde. Zwei Groß­mütter betreuten abwechselnd ihr Enkelkind an einzelnen Tagen im Haushalt der berufs­tätigen Eltern. Die Fahrt­kosten von 30 Cent pro gefahrenen Kilo­meter erstatteten ihnen die Eltern. Darüber hatten sie mit den Omas einen Vertrag abge­schlossen.

Finanzge­richt entscheidet gegen Finanz­amt

Die Eltern machten die Fahrt­kosten in ihrer Steuererklärung geltend. Das Finanz­amt weigerte sich, sie als Kinder­betreuungs­kosten anzu­erkennen. Begründung: Es handele sich um familien­interne Gefäl­ligkeiten. Doch das Finanzge­richt Baden-Württem­berg gab den Eltern recht (Az. 4 K 3278/11).

30 Cent pro Kilo­meter

Kinder­betreuungs­kosten. Seitdem gilt: Erstatten die Eltern Angehörigen oder Freunden zwecks Kinder­betreuung die Fahrt­kosten für Bus, Bahn oder das eigene Auto, können sie diese Aufwendungen als Kinder­betreuungs­kosten steuerlich geltend machen. Für jeden mit dem eigenen Auto gefahrenen Kilo­meter können sie pauschal 30 Cent ansetzen.

Frei­betrag. Interes­sant ist das aber nur für Eltern, die ihren Frei­betrag für die Kinder­betreuung noch nicht ausgeschöpft haben. Die Kosten für die Kinder­betreuung sind zu zwei Dritteln anrechen­bar – und zwar bis zu einem Höchst­betrag von 4 000 Euro im Jahr. Wer also 6 000 Euro jähr­lich für die Kinder­betreuung ausgibt, kann davon höchs­tens 4 000 Euro pro Kind als Sonder­ausgaben in der Steuererklärung geltend machen. Das gilt bis zum 14. Geburts­tag des Juniors.

In diesen Fällen sind die Kosten nicht absetz­bar:

  • Über­nehmen Groß­eltern nur reine Hol- und Bring­dienste, etwa zur Schule oder zum Training, sind die Kosten nicht absetz­bar.
  • Der Steuerbonus entfällt auch, wenn derjenige, der das Kind betreut, mit den Eltern in einem Haushalt lebt.

Beispiel für die Steuerersparnis

Wie viel Steuern die Eltern sparen können, zeigt ein Beispiel: Eine Groß­mutter betreut ihren Enkel zweimal in der Woche und fährt dafür insgesamt wöchentlich 80 Kilo­meter. Dafür erstatten die Eltern ihr jähr­lich 1 248 Euro Fahrt­kosten. Zwei Drittel davon, also 832 Euro, können die Eltern beim Finanz­amt geltend machen – voraus­gesetzt, der Maximal­betrag von 4 000 Euro ist noch nicht ausgeschöpft. Bei einem angenom­menen Einkommensteu­ersatz von 30 Prozent hätten Vater und Mutter eine Steuerersparnis von 249 Euro.

Die Groß­eltern versteuern nichts

Die Angehörigen müssen die Fahrt­kosten­erstattung nicht als Einnahme in der Steuererklärung angeben, weil sie nicht mit Gewinn­erzielungs­absicht tätig sind. Das gilt, wenn die Betreuung unentgeltlich erfolgt, wie uns das Bundes­ministerium der Finanzen auf Nach­frage bestätigt.

So gehen Eltern und Betreuer vor

Schriftliche Vereinbarung. Zunächst müssen Eltern und Betreuer eine schriftliche Vereinbarung treffen, so wie sie auch unter Fremden üblich wäre. Darin sollte stehen, zwischen wem der Vertrag geschlossen wird, wann er beginnt, wo und in welchem Umfang die Betreuung erfolgt, an welchen Wochen­tagen oder immer dann, wenn die Kita geschlossen ist, und welche Fahrt­kosten erstattet werden. Beide Seiten müssen die Vereinbarung unter­schreiben.

Geld über­weisen. Die Groß­eltern haben den Eltern die Fahrt­kosten dann in Rechnung zu stellen. Das Geld darf nicht bar bezahlt werden, sondern muss über­wiesen werden, am besten monatlich. So will es das Finanz­amt.

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