Kinder- und Jugendreisen Test

Urlaub einmal ohne Eltern: Für Kinder und Jugendliche bedeutet das Abenteuer pur. Nur die Verpflegung ist oft nicht nach ihrem Geschmack.

Wenn Martin aus Berlin-Pankow von seiner letzten Sommerreise erzählt, leuchten seine Augen. „Es war nie langweilig. Man konnte sooo viel machen, Wassersport und so. Am coolsten fand ich die Strandpartys“, sprudelt es voller Begeisterung aus ihm heraus. Martin war mit seinem besten Freund Thilo, beide sind 15 Jahre alt, zehn Tage in einem Jugendcamp am Balaton. Knapp 250 Euro mussten die Eltern für je acht Übernachtungen, Halbpension und die Busanreise berappen. Was kann man dafür erwarten?

Das Jugendhotel, räumt Martin ein, sei schon sehr einfach gewesen und das Essen, na ja, nicht besonders lecker.

Probleme mit der Verpflegung hatte auch Isabella aus Passau. Zwar gefiel der Achtzehnjährigen der Kanuurlaub in Schweden insgesamt sehr gut, wenn nur der ständige Hunger nicht gewesen wäre. Denn sowohl im Camp als auch auf den mehrtägigen Touren gab es einfach zu wenig zu futtern.

Offenbar keine Einzelfälle. In der Studie „Kinder und Urlaub“ vom Bundesforum Kinder- und Jugendreisen (siehe Interview), für die 173 Kinder befragt wurden, war das Essen ebenfalls der häufigste Kritikpunkt. Für alle anderen Aspekte gab es fast nur positive Urteile. Am besten hat den jungen Reisenden gefallen, dass es sehr viele Freizeitangebote gab (Sport, Spiele, Disko, Lagerfeuer, Wanderungen), dass sie andere kennen lernen konnten, es nie langweilig war und dass sie ohne Eltern mehr durften als sonst. Wichtig sind ihnen nette Betreuer, die auch mal was durchgehen lassen.

Der Markt für Kinder- und Jugendreisen ist kaum zu fassen. „Vorsichtige Schätzungen“, sagt Jens Kosmale vom Bundesforum, „gehen von mindestens 70 000 Anbietern aus.“ So bieten die meisten Kirchengemeinden und Sportvereine Reisen für den Nachwuchs an und etwa jede zweite der in der Jugendhilfe des Bundes geförderten Maßnahmen betrifft die Kinder- und Jugenderholung. Gewerbliche Veranstalter spielen nur eine relativ kleine Rolle. Der Marktführer, das Bielefelder Unternehmen Ruf-Reisen, ist bei der Zielgruppe aber gut bekannt. Mit etwa 40 000 Teilnehmern im letzten Jahr liegt er weit vorn.

Wir haben die nach Expertenmeinung 40 bedeutendsten Veranstalter angeschrieben. Doch trotz Mahnung waren nur 19 bereit, Auskunft zu erteilen. Ob die anderen etwas zu verheimlichen haben? Kinder- und Jugendreisen sind vor allem deshalb etwas diffizil, weil sie einen hohen Betreuungsaufwand erfordern. Während die gemeinnützigen Organisationen meist auf einen Pool ehrenamtlicher Helfer zurückgreifen können, ent­stehen gewerblichen Veran­staltern da höhere Kosten. Ein optimales Verhältnis zwischen Betreuern und Reisenden – bei Acht- bis Zwölfjährigen zum Beispiel eins zu sechs – ist deshalb eher die Ausnahme.

Gereist wird meist mit dem Bus, was an das Durchhaltevermögen der Teilnehmer mitunter hohe Anforderungen stellt. Denn viele Auslandsreisen ziehen sich in die Länge. Mit Bordunterhaltung und häufigen Pausen können die jungen Gäste, auch wenn sie bis zu 20 Stunden unterwegs sind, bei Laune gehalten werden.

Auf viel Bequemlichkeit treffen sie am Zielort meistens nicht. Die Jugendhotels mit ihren Mehrbettzimmern und Duschen auf der Etage sind in der Regel ähnlich spartanisch wie Zeltplätze. Das muss aber kein Mangel sein, denn junge Leute stellen keine großen Ansprüche an den Komfort. Viel wichtiger sind für sie Strand, Sport, Partys und Feste aller Art.

Die Angebotspalette an Reisen ist äußerst bunt: Angelferien in Tschechien, Canyoning in den Pyrenäen, Sprachferien auf Malta, riesige Jugendcamps an der griechischen oder spanischen Küste. Auch wenn heute mehr Action angesagt ist, unterscheiden sich die beliebtesten Ziele der Kids kaum von denen der Eltern, als die noch Jugendreisen machten: Loret de Mar, Rimini oder der Balaton. Denn in einem Punkt, so die Studie „Kinder und Urlaub“, stimmen Eltern und Kinder völlig überein: Der größte Traum ist immer noch ein Badeurlaub am Meer.

Im letzten Jahr haben Jugendreisen im Gegensatz zum allgemeinen Trend einen deutlichen Aufschwung erlebt. Branchenkenner vermuten, dass viele Eltern am eigenen Urlaub sparen, um den Sprösslingen den Ferientrip zu ermöglichen. Auch der Trend weg von der Flugreise dürfte eine Rolle spielen.

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