Interview: Kinder nicht überfordern: Nicht zu weit weg

Kinder- und Jugendreisen Test

Jens Kosmale
Geschäftsführer Bundesforum Kinder- und Jugendreisen e.V. Berlin.

Was ist das Bundesforum und welche Ziele verfolgt es?

Wir sind eine Fachorganisation für Kinder- und Jugendreisen, in der Verbände, Träger und Vereine zusammengeschlossen sind. Wir wollen die Qualität dieser Reisen steigern und den Austausch über pädagogische Inhalte fördern.

Können Sie kurz den Markt für Kinder- und Jugendreisen beschreiben?

Der Markt umfasst zwei Gruppen von Anbietern. Das sind zum einen die Einrichtungen der Jugendhilfe, die auch Kinder- und Jugendreisen anbieten und insofern als Reiseveranstalter antreten. Zum anderen sind es Touristikunternehmen, die sich auf allein reisende Kinder und Jugendliche ausgerichtet haben und damit auch die Betreuung und Aufsicht absichern müssen. Insgesamt ist der Markt völlig unübersichtlich und sehr stark von lokalen Anbietern geprägt.

Worauf sollten Eltern bei der Auswahl des Anbieters achten?

Den besten Schutz vor Enttäuschung bieten persönliche Gespräche mit den Reiseanbietern, besonders bei jüngeren Kindern. Günstig ist hier auch die Wahl eines Reiseziels in der Nähe und eine kürzere Reisedauer, um das Kind nicht zu überfordern. Beruhigend ist oft auch die gemeinsame Anmeldung mit Freunden des Kindes.

Welcher Betreuerschlüssel ist bei Kinder- und Jugendreisen wünschenswert?

Das ist vom Alter der Reisenden abhängig. 10 bis 15 Reisegäste für eine Betreuungsperson sind weithin üblich.

Welche Ausbildung sollten die Betreuer haben? Wie werden sie ausgesucht?

Dazu kann es keine Standardempfehlung geben. Wichtig ist, dass der Veranstalter sein Personal danach aussucht, ob ein hoher Service für die Reisenden erbracht werden kann. Ein schöner Urlaub für die Gäste muss wichtiger sein als die Praxiserfahrung des Betreuers für das Studium, das Erproben seiner eigenen Fähigkeiten oder die Selbstdarstellung.

Wie wichtig sind Vor- und Nachtreffen?

Sie sind gut, um die Reisegruppe kennen zu lernen, mehr Infos zu bekommen, nach dem Urlaub Kontakt zu halten. Aber sie sind keine Garantie für eine gute Reise.

Wie viel Taschengeld ist bei einer 10- bis 14-tägigen Reise angemessen?

Das kommt auf die Art der Reise, die enthaltenen Leistungen und das Reiseziel an. Generell lässt sich sagen, dass der Umgang mit Geld und Taschengeld im Alltag gelernt werden muss. Viele Kinder und Jugendliche haben heute mehr als vier„Großeltern“, die ihnen viel Reisetaschengeld zustecken. Da kann es nützlich sein, eher zu bremsen. Erfahrungsgemäß haben oft die Kinder am wenigsten Taschengeld, deren Eltern ihnen den Wert des Geldes vermitteln wollen, während gleichzeitig andere Eltern möchten, dass ihr Kind sich im Urlaub etwas leisten kann und nicht durch Armut auffällt.

Ist eine 24-Stunden-Hotline sinnvoll, damit Eltern jederzeit anrufen können?

Die Angabe einer Kontakttelefonnummer ist gesetzlich vorgeschrieben und sinnvoll. Es sollten aber nicht 24 Stunden jeden Tag sein. Bestimmte Zeiten reichen völlig. Problem in der Praxis sind eher sehr schnelle und spontane Anrufe der reisenden Kinder per Handy, deren erste Eindrücke die Eltern oft zu heftigen Reaktionen treiben.

Welche Rolle spielt die Qualitätssicherung bei den Veranstaltern und welche Maßnahmen werden durchgeführt?

Qualitätssicherung ist zentrales Ziel des Bundesforums. Neben Schulung der Betreuungskräfte steht die Auswertung der Erfahrungen im Mittelpunkt. Das Bundesforum hat Literaturübersichten für qualitätssteigernde Maßnahmen veröffentlicht, macht laufend Schulungsprojekte für Leitungskräfte und stellt „Best practice“-Erfahrungen vor.

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