Interview: Sicher im „Mitmachnetz“

Kinder im Internet Meldung

Martin Müsgens, Diplom-Soziologe, Grundschullehrer und Referent der EU-Initiative klicksafe bei der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen (LfM) über Risiken im Internet.

Wo sehen Sie die größten Probleme für Minderjährige im Internet?

Wir leben im Zeitalter des „Mitmachnetzes“. Inhalte werden nicht nur konsumiert, sondern auch von Jugendlichen selber erstellt: die eigene Seite bei Facebook, Homepages, Filmchen auf youtube. Oder sie stoßen auf Seiten, die nicht altersgerecht sind, oder tauschen Dateien, ohne ans Urheberrecht zu denken. Dabei kann es schon zu Problemen führen, das Logo des Lieblingsvereins auf die eigene Schüler-VZ-Seite zu stellen. Das gilt genauso für Fotos oder Filme.

Auch für Fotos mit Freunden?

Sicher. Das „Recht am eigenen Bild“ bedeutet, dass Personen vor Veröffentlichung um Erlaubnis gefragt werden müssen. Das wird oft missachtet.

Auch mit persönlichen Daten gehen viele Jugendliche locker um.

Oft zu locker. Und selbst bei strengen Sicherheitseinstellungen können Daten von „Freunden“, also direkten Kontakten, kopiert werden. Diese können später immer wieder im Netz auftauchen. Deshalb sollte sich jeder vorm Hochladen überlegen, wie ein Foto auf andere wirkt und ob er noch in Jahren damit in Verbindung gebracht werden will.

Vielen Eltern macht das Angst. Sie sehen sich überfordert, ihren Kindern im Netz zu helfen.

Zum ersten Mal wird die Elterngeneration nicht mehr als die wahrgenommen, die aufgrund ihrer Lebenserfahrung Kompetenzen an die Kinder weitergeben kann. Aber nur weil Jugendliche bei der rein technischen Bedienung überlegen sind, heißt das nicht, dass sie auch die Risiken richtig einschätzen. Es ist eine wichtige Aufgabe von Eltern, Kinder Schritt für Schritt an das Internet heranzuführen.

Was heißt das in der Praxis?

Stets offen zu kommunizieren. Bloß nicht heimlich auf das Facebook-Profil schauen, das wäre ein Vertrauensbruch wie früher der Blick ins Tagebuch. Sinnvoller ist es, sich das Profil und die Möglichkeiten sozialer Netzwerke vom Kind zeigen zu lassen. Und dann ein Gespräch über Datenschutz oder auch Urheberrechte führen. Empfehlenswert ist ebenfalls, gemeinsam klare Regeln zu vereinbaren, auch bei Verstößen.

Und die Schulen? Gibt es dort ein Fach „Umgang mit neuen Medien“?

Neue Medien und die Förderung von Medienkompetenz ist Teil aller Lehrpläne der weiterführenden Schulen. An vielen Schulen ist Medienerziehung fester Bestandteil des Unterrichts. Ein Fach „Medienerziehung“ gibt es aber nicht. Es stellt sich auch die Frage, ob das sinnvoll wäre. Denn es bietet sich an, Internetthemen fächerübergreifend anzugehen. Zudem würde das verhindern, dass die Verantwortung ausschließlich an ein Fach „Medien-erziehung“ abgegeben wird. Um Schulen zu unterstützen, bietet klick-safe Materialien zu Themen wie soziale Netzwerke, Cybermobbing, Datenschutz und Persönlichkeitsrechte.

Wie sollen sich die Schulen schützen, etwa vor heimlichen Handy-Fotos? Ist ein Handyverbot sinnvoll?

Ein unbegründetes Verbot ist wenig zielführend. Im schlimmsten Fall verlagern sich die Probleme dann in die Freizeit außerhalb der Schule. Besser ist es, mit den Schülern einen Verhaltenskodex zu entwickeln, mit klaren Regeln für die Nutzung von Handy und Handykamera. Themen wie Cybermobbing sollten im Unterricht oder in Projektwochen behandelt werden. Das ist deshalb wichtig, weil die Täter häufig Mitschüler der Opfer sind.

Dieser Artikel ist hilfreich. 244 Nutzer finden das hilfreich.