Kinder im Internet Meldung

Handy, Internet, PC-Spiele – da kennen Kinder und Jugendliche sich oft besser aus als ihre Eltern. Doch viele verkennen die Gefahren. Deshalb müssen Eltern sich kümmern.

Statt mit Freunden auf der Straße treffen sie sich auf sozialen Netzwerken: Facebook, Schüler-VZ oder ähnliche Seiten sind heute die Orte, wo Kinder und Jugendliche sich austauschen. Hausaufgaben, Stress mit den Eltern, mit Freund oder Freundin – solche Themen gehen durch die Online-Community. Viele Schüler haben einen eigenen PC im Kinderzimmer, Spiele auf der Festplatte, ein Handy in der Hosentasche. Jedes dritte Kind zwischen 6 und 13 Jahren surft täglich im Internet, stellte die KidsVerbraucherAnalyse fest.

Kinder im Internet Meldung

Ein verantwortlicher Umgang mit dem Internet ist nicht schwer. Eltern können helfen, bei Fragen zur Verfügung stehen und vor allem Interesse zeigen, statt einfach Verbote auszusprechen.

Kaum ein Vater, kaum eine Mutter geht mit der neuen Medienwelt so virtuos um wie die eigenen Kinder. Und dennoch sollen sie ihren Nachwuchs informieren, vor Risiken schützen und ihm den richtigen Umgang mit dem Netz beibringen?

„Entscheidend ist nicht, wie schnell Eltern die Maus bewegen“, sagt Martin Müsgens von der EU-Initiative klicksafe (siehe Interview). „Wichtig ist, dass sie sich mit neuen Medien auseinandersetzen, dass sie soziale Netzwerke kennen, gefährliche Seiten und die PC-Spiele ihrer Kinder.“

„Viele Eltern haben keinerlei Vorstellung, was ihre Kinder da treiben“, unterstreicht der Kölner Medienpädagoge Matthias Felling. „Folge ist, dass keiner ihnen sagt, wie sie sich richtig verhalten“ – zum Beispiel dass man sich nicht überall mit Namen und Geburtsdatum einloggt. „Das Netz vergisst nichts“, warnt Felling. „Das müssen Jugendliche verinnerlichen.“ Für Bewerbungen können sich Fotos oder Statements noch Jahre später als Bumerang erweisen.

Musik kopieren als Volkssport

Teuer kann es vor allem bei Verstößen gegen das Urheberrecht werden. Unter vielen Jugendlichen ist es Volkssport, Musik und Filme herunterzuladen. Viele haben da keinerlei Unrechtsbewusstsein. Doch im Internet veröffentlichte Texte, Bilder, PC-Spiele und Musiktitel sind fast immer urheberrechtlich geschützt. Wer auf Tausch- oder Filesharing-Börsen aktiv ist, geht ein hohes Risiko ein, entdeckt zu werden. Denn die Unterhaltungsindustrie durchforstet systematisch Tauschbörsen anhand ausgeklügelter Software nach illegal eingestellten Inhalten. Zigtausendfach werden Abmahnschreiben verschickt, Anzeigen erstattet, Prozesse angestrengt. Im Regelfall gibt es lediglich eine Abmahnung, und der Täter wird aufgefordert, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Aber schon da können die Anwaltskosten mehrere hundert Euro betragen.

Teurer Denkzettel oder Strafanzeige

Das hat Anna Schröder erlebt. Ende Mai erhielt sie den Brief einer Münchner Anwaltskanzlei. Es ging um ein Computerspiel, das sie auf einer Tauschbörse zum Download angeboten haben soll. Dies sei eindeutig durch die spezielle Software einer zertifizierten Antipiracy-Firma festgestellt worden. Der Anwalt verlangte eine straf-bewehrte Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung, dazu 320 Euro Honorar.

Bei pünktlicher Überweisung werde keine Strafanzeige gestellt, denn das Ganze sei als Denkzettel gedacht. Ansonsten kämen 5 571 Euro Anwalts- und Gerichtskosten auf sie zu. Zwar traf sie keine Schuld, doch ihr 16-jähriger Sohn beichtete die Geschichte.

Fraglich ist in solchen Fällen, inwieweit Eltern als Anschlussinhaber haften. Eine klare Linie gibt es da in der Rechtsprechung nicht. Der Ascheberger Rechtsanwalt Michael Bohnenkamp fuhr deshalb eine andere Linie: Er bestritt, dass die Downloads auf Schröders PC liefen. Gleichzeitig gab er eine Unterlassungserklärung ab, ohne Anerkennung einer Rechtspflicht – eine Strategie, die manchmal hilft. „Inzwischen arbeitet die Prüfsoftware der Firmen so exakt, dass kaum noch Fehler passieren“, erklärt der Anwalt. Am Ende bleibt nur, die Vergleichssumme herunterzuhandeln.

Tipp: Eltern sollten den Kindern einschärfen, dass fast alles im Internet urheberrechtlich geschützt ist.

Sparsam mit Daten

Grundsätzlich gilt das Gebot der Datensparsamkeit: Wann immer Nutzer um persönliche Daten gebeten werden, sollten sie fragen, ob der Anbieter diese Infos wirklich braucht: Wer einen Schlafsack bestellt, muss die Adresse nennen, damit das Teil zugestellt werden kann. Aber wozu das Geburtsdatum? Und ein Shop, der Gratis-Programme zum Download anbietet, braucht weder Namen noch Anschrift. Zurückhaltung ist vor allem bei Telefonnummern und Adressen oberstes Gebot.

Bei Facebook sollten Nutzer immer überlegen, bevor sie Fotos oder Bemerkungen hineinschreiben: Können diese Daten später unangenehm werden? Verabredungen mit Zeit und Ort haben auf einer Pinnwand nichts zu suchen. Wer eine lange Freundesliste hat, wo auch entfernte Bekannte und Kollegen stehen, sollte Freundesgruppen einrichten. Außerdem lässt sich einstellen, dass die eigene Seite nicht bei Suchmaschinen gezeigt wird, sondern nur, wenn jemand direkt auf der Plattform sucht.

Nicht in Abofallen tappen

Datensparsamkeit hilft auch gegen Abofallen: Seiten, die aufgemacht sind, als sei alles kostenlos, etwa Hausaufgabenhilfen, Witze, Lehrstellenangebote, Horoskope, Lagerverkäufe und vieles mehr. Tage später kommt dennoch eine Rechnung, weil irgendwo im Kleingedruckten ein Preis versteckt war. Später folgt ein Anwaltsschreiben mit Androhung rechtlicher Schritte, Strafverfahren, Meldung bei der Schufa und hohen Zusatzkosten. „Solche Rechnungen muss niemand akzeptieren“, sagt Heiko Wichelhaus von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Es liegt kein wirksamer Vertrag vor.“

Tipp: Wirklich kostenlose Angebote fragen nicht nach Adresse und Telefonnummer.

Vorsicht bei persönlichen Fragen

Besonders auf Chat-Foren ist Misstrauen angesagt. Fragen nach Hobbys, Alter oder Haustieren sind okay. Aber bei der Wohnregion wird es heikel. Und völlig tabu sind Fragen nach dem Wohnort oder nach der Schule. Ebenso: „Bist du allein? Wissen deine Eltern, dass du chattest? Hast du einen Freund?“ Eltern sollten Interesse zeigen, ab und zu nach den Erlebnissen im Chat fragen und den Kindern klarmachen, dass sie sich auf keinen Fall mit unbekannten Chat-Partnern treffen, dass man schlechte Dialoge abbrechen kann und dass gute Chats einen Moderator haben.

Gefährliches Cybermobbing

Ganz schlimm wird es, wenn das Kind im Internet gemobbt wird: Wenn auf Foren systematisch gestänkert wird, wenn massenhaft beleidigende E-Mails eintreffen oder jemand unter fremden Namen anstößige Bilder verschickt. Teils werden auch private Geschichten ins Netz gestellt.

Oft laufen die Attacken zusätzlich übers Handy. Cybermobbing kann fast jeden treffen, doch die meisten tun sich sehr schwer, die Eltern einzuschalten. Gut, wenn dann Vertrauenslehrer, Freunde oder Betreuer im Verein ein offenes Ohr haben.

Denn Hilfe ist möglich. Oft lässt sich der Täter finden, auch wenn er glaubt, im Internet anonym zu sein. Mail-Provider oder soziale Netzwerke können Accounts sperren, von denen die Angriffe ausgehen.

Tipp: Eltern sollten hin und wieder die eigenen Kinder googeln. So lässt sich herausfinden, was über sie verbreitet wird.

Fremde im Kinderzimmer

Oder der Fall von Niklas: „Ist das dein Vater neben dir? Stinkt der nicht?“ Völlig überraschend tauchte dieser Text auf dem Bildschirm des 13-Jährigen auf, als er Mathe büffelte – sein Vater saß daneben. Offenbar war es einem Unbekannten gelungen, die Videokamera des Notebooks zu aktivieren. Vater und Sohn zogen erstmal den Stecker.

Niklas war Opfer eines Hackers geworden, der mit einer Schadsoftware seinen PC übernommen hatte. Wer sich davor schützen will, sollte Virenschutz und Firewall aktuell halten, ebenso Browser und Betriebssystem, verdächtige E-Mails nicht öffnen und nicht auf unbekannte Links klicken. In solch krassen Fällen hilft es nur, den PC von einem Fachmann prüfen zu lassen.

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