Nicht viele Kinder tragen einen bleibenden Gesundheitsschaden durch Krankheit oder Unfall davon. Aber wenn es doch passiert, hilft eine Kinderinvaliditätsversicherung. Sie sichert das Kind finanziell ab.

Für alle Eltern ist es eine be­drohliche Vorstellung: Was ist, wenn mein Kind einen bleibenden gesundheitlichen Schaden erleidet? Womöglich sogar schwer­behindert wird?

Leichtes Spiel haben Versicherungsvertreter, die den besorgten Eltern in der Regel eine Unfallversicherung für das Kind verkaufen wollen. Doch Unfälle spielen bei der Entstehung schwerer ­Behinderungen kaum eine Rolle.

Das zeigen die aktuellen Zahlen aus der Schwerbehindertenstatistik des Statistischen Bundesamtes: Bei den schwerbehinderten Kindern unter vier Jahren verursachte in gerade mal 0,18 Prozent der Fälle ein Unfall den bleibenden Gesundheitsschaden.

Bei allen jungen Menschen bis 18 sind Unfälle in nur 0,67 Prozent der Fälle der Grund für eine Schwerbehinderung.

Schutz auch bei Krankheit

Die richtige Absicherung ist deshalb nicht die Unfall-, sondern die Kinderinvaliditätsversicherung. Denn sie zahlt, wenn ein Kind einen dauerhaften Schaden davonträgt – egal, ob dieser durch eine Krankheit oder durch einen Unfall entstanden ist. Sie sichert dem Kind auch im Erwachsenenalter ein regelmäßiges Einkommen, wenn die Eltern nicht mehr für das Kind sorgen können.

Zwar gibt es ein Netz von Hilfen für Behinderte und ihre Familien. Doch der Schutz vom Staat und den gesetzlichen Sozialversicherungen reicht nicht für einen angemessenen Lebensunterhalt.

Die besten Angebote

Die private Vorsorge wird daher immer wichtiger. Um Eltern oder auch Großeltern die Entscheidung zu erleichtern, hat Finanztest 28 Angebote der Versicherer untersucht. Dabei kam es uns vor allem auf die Versicherungsbedingungen an. Wir haben aber auch die Antragsformulare geprüft und beurteilt.

Von den Versicherern, die im Ernstfall eine lebenslange monatliche Rente und eine einmalige Kapitalleistung zahlen, haben wir ein Angebot der R + V am besten bewertet. Unter den Angeboten, die eine Rente von monatlich 1 000 ­Euro vorsehen, haben wir drei mit „gut“ bewertet: VGH, Victoria und Inter. Beide Varianten der Versicherung kosten 300 bis 400 Euro im Jahr. Bei der dritten Variante, den Angeboten mit einer Kapitalzahlung von 100 000 Euro, hat die DEVK am besten abgeschnitten. Hier zahlen Kunden 105 Euro im Jahr.

Wann zahlt die Versicherung?

Nicht bei jeder gesundheitlichen Beeinträchtigung zahlen die Versicherer. Einige bewerten die Invalidität ebenso wie in der Unfallversicherung nach einer unternehmenseigenen Gliedertaxe. Das ist eine Skala, die den Grad der gesundheitlichen Beeinträchtigung in Prozent ausdrückt.

Die meisten aber richten sich nach der Einschätzung der Versorgungsämter. Diese stellen den Grad der Behinderung (GdB) fest. Zugrunde liegt eine Skala, die mit 20 beginnt und in Zehnerschritten bis 100 geht. Ab einem Grad der Behinderung von 50 gilt das Kind als schwerbehindert. Die meisten Versicherer zahlen ab diesem Behinderungsgrad.

Der Verlust eines Armes oder Beines gilt als Grad der Behinderung von 100, der Verlust einer Hand von 50. Doch bei Krankheiten ist die Beeinträchtigung oft nicht eindeutig feststellbar. Hier hat der Gutachter des Amts Ermessensspielraum. Aber es gibt Richtwerte.

Diabetes mellitus, der mit Insulin­behandlung und Diät gut in den Griff zu bekommen ist, entspricht etwa einem Grad der Behinderung von 40. Bei Kindern ist die Insulintherapie jedoch viel schwerer einstellbar, sodass die Zuckerwerte oft entgleisen. Das entspricht dann etwa einem Grad von 50.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind überhaupt behindert wird, ist aber recht gering. Im Jahr 2001 beispielsweise gab es rund 165 000 Schwerbehinderte im Alter bis 18 Jahre.

Von je 1 000 Kindern unter 4 Jahren sind statistisch gesehen nur vier behindert. Im Alter zwischen 4 und 6 Jahren sind von 1 000 Kindern acht behindert, zwischen 6 und 15 sind es elf und zwischen 15 und 18 Jahren zwölf von 1 000 Kindern.

Behindert meist durch Krankheit

Die finanziellen Folgen einer angebo­renen Krankheit kann man mit dem Abschluss einer Kinderinvaliditätsversicherung in der Regel nicht ausgleichen. Denn die meisten Angebote zahlen nicht bei Behinderungen, die Folge einer angeborenen Krankheit sind.

Löbliche Ausnahmen bilden DEVK, Huk-Coburg, R + V und Schweizer National. Aber auch sie versichern keine Kinder, bei denen eine Behinderung oder schwere Erkrankung bereits festgestellt wurde.

Ein weiteres Problem sind Krankheiten, die schon in den ersten Monaten entstehen. Denn keine Gesellschaft versichert Kinder vom Tag der Geburt an. Bei den meisten können Kinder erst ab dem ersten Geburtstag versichert werden. Nur der Deutsche Ring versichert Kinder schon ab einem halben Jahr.

Rente oder Kapital?

Die Leistung der Kinderinvaliditätsversicherung wird als lebenslange Rente, als einmaliger großer Geldbetrag oder als eine Kombination aus beidem angeboten. Finanztest rät, die Kombinationsvariante oder zumindest die lebenslange monatliche Rente zu wählen.

Eine größere Zahlung hat zwar den Vorteil, dass das Kapital sofort zur Verfügung steht. Oft benötigen Familien schnell Geld, zum Beispiel um den behindertengerechten Umbau der Wohnung zu finanzieren.

Außerdem kann der Versicherer einmal gezahltes Kapital nicht mehr zurückverlangen, wenn sich der Zustand des Kindes nach einigen Jahren bessert. Eine Rente dagegen kann gestrichen werden, wenn der Grad der Behinderung wieder unter 50 sinkt.

Aber das Ziel der Versicherung sollte sein, dem Kind ein lebenslanges Grundeinkommen zu sichern. Und das geht mit dem Kapitalmodell nicht so gut. Nehmen wir an, jemand bekommt ­­­100 000 Euro von der Versicherung und legt sie an. Selbst wenn er jährlich 5 Prozent Zinsen erzielte, käme auf 60 Jahre gerechnet nur eine Monatsrente von etwa 430 Euro heraus.

Dieser Betrag ist als Grundsicherung zu gering. Um 60 Jahre lang eine Monatsrente von 1 000 Euro zu erzielen, müsste man einen Betrag von über 230 000 Euro anlegen. Eine Kinderinvaliditätsversicherung in dieser Höhe ist aber gar nicht erhältlich. Die höchstmögliche Versicherungssumme liegt bei 160 000 Euro.

Auf lange Sicht ist also ein Vertrag, der eine lebenslange Rentenzahlung garantiert, besser. Viele Versicherer bieten an, die vereinbarte Rentenhöhe zum Ausgleich der Inflation regelmäßig anzuheben. Das ist sinnvoll. Bei manchen ist das ohne Aufpreis möglich. Diese so genannte Dynamik bezieht sich aber meist nur auf die Zeit vor dem Eintreten eines Leistungsfalls.

Ist jemand erst einmal schwerbehindert und bekommt die Rente, dann sehen nur zwei Versicherer regelmäßige Anpassungen des Rentenbetrags vor: Die Schweizer National bietet in der ­Tarifvariante „Junios Ideal 3“ eine jährliche Erhöhung der Rente um 1,5 Prozent an. Die Kinderinvaliditätsversicherung der Condor erhöht die monatliche Rente jedes Jahr um 2 Prozent.

Neben der reinen Kapital- und der reinen Rentenvariante gibt es auch Angebote, die beides kombinieren. Zusätzlich zu der lebenslangen Monatsrente erhalten die Kunden hier eine Geldsumme, sobald die Invalidität festgestellt ist.

Die Summe liegt je nach Vertrag zwischen 10 000 und 50 000 Euro. Mit diesem Startkapital können Familien kurzfristig notwendige Ausgaben für ihr behindertes Kind bestreiten.

Problem Gesundheitsfragen

Eltern, die eine Kinderinvaliditätsversicherung abschließen wollen, müssen im Versicherungsantrag Fragen zur Gesundheit des Kindes beantworten. Dabei ist Ehrlichkeit unbedingt wichtig.

Verschweigen oder verharmlosen die Eltern eine Krankheit ihres Kindes, kann der Versicherer später vom Vertrag zurücktreten. Das heißt: Das Kind bekommt im Falle einer Schwerbehinderung kein Geld.

Vielen Kunden ist das nicht klar. Deshalb hat Finanztest streng darauf geachtet, dass die Versicherer in ihren Anträgen deutlich auf die Folgen unrichtiger Angaben aufmerksam machen.

Gut für die Kunden ist außerdem, wenn der Versicherer möglichst präzise Gesundheitsfragen stellt. Problematisch sind dagegen schwammige Fragen wie: „Ist das zu versichernde Kind vollkommen gesund?“ Denn eine solche Frage kann niemand sicher mit „Ja“ beantworten. Kommt es später zum Leistungsfall, kann es passieren, dass der Versicherer bei den behandelnden Ärzten nachforscht und etwas findet, das der Kunde damals vergessen oder übersehen hat.

Vertragsende

Wenn das Kind seinen 18. Geburtstag gesund erreicht, endet damit meist auch die Kinderinvaliditätsversicherung. Nur wenige Gesellschaften gewähren länger Schutz – die Westfälische Provinzial sogar bis zum 27. Geburtstag, ab 18 Jahren allerdings zu einem höheren Beitrag.

Während der Laufzeit des Vertrags haben Kunden die Möglichkeit zu kündigen. Bei einer Vertragsdauer von einem Jahr verlängert sich der Vertrag automatisch jeweils um ein weiteres Jahr, wenn nicht spätestens drei Monate vor Ablauf des jeweiligen Versicherungsjahrs schriftlich gekündigt wird.

Bei einer Vertragsdauer von über fünf Jahren kann zum Ablauf des fünften Versicherungsjahrs oder jedes weiteren Jahrs ebenfalls mit einer Frist von drei Monaten gekündigt werden.

Will ein Kunde wechseln und eine leistungsstärkere oder preiswertere Kinderinvaliditätsversicherung abschließen, wartet er besser ab, ob die neue Ge­sell­schaft den Antrag ohne Risikozuschläge annimmt. Dann erst sollte er den bestehenden Vertrag kündigen.

Gerät die Familie in eine finanzielle Notlage, zum Beispiel weil der Hauptverdiener gestorben ist, muss sie eine ­bestehende Kinderinvaliditätsversicherung aus diesem Grund aber nicht gleich kündigen. Viele Versicherer bieten an, das Kind in einem solchen Fall zu gleichen Konditionen beitragsfrei weiterzuversichern.

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