Kind krank Meldung

Kinder sind in den Wintermonaten oft krank. Ihre Eltern können sich dann bis zu zehn Tage pro Kind vom Job frei­stellen lassen. Manche Arbeit­geber zahlen in solchen Fällen den Lohn weiter. Zahlt er nicht, springt die Krankenkasse ein und zahlt Kinder­krankengeld. test.de sagt, was Eltern beachten müssen.

Bezahlter Sonder­urlaub

Ohren­schmerzen, Fieber, Durch­fall oder Bronchitis - Kinder sind oft krank. Für ihre berufs­tätigen Eltern ist jede Krankheit ein organisatorischer Kraft­akt. Haben die Groß­eltern Zeit? Wenn nicht, wer bleibt zu Hause? Zwar regelt das Bürgerliche Gesetz­buch in Paragraf 616, dass Arbeitnehmer aus unver­meid­baren und unver­schuldeten Gründen vom Job frei­gestellt werden müssen, ohne dass ihnen der Lohn gekürzt wird. Hierzu zählt auch die Erkrankung eines Kindes unter acht Jahren, sofern ein ärzt­liches Attest vorliegt und die Eltern nicht länger als fünf Tage bei der Arbeit fehlen. (Bundes­arbeits­gericht Az. 5 AZR 834/76). Der Haken ist aber: Der BGB-Paragraf darf im Tarif- oder Arbeits­vertrag ausgeschlossen werden, zum Beispiel mit solchen Formulierungen: „Ein Vergütungs­anspruch besteht nur für tatsäch­lich geleistete Arbeit“, oder „Ein Vergütungs­anspruch besteht nur für die tatsäch­lich geleistete Arbeit“.

Bei unbe­zahlter Frei­stellung gibt es Krankengeld

Zahlt der Arbeit­geber den Lohn während der Krankheit des Kindes nicht weiter, hilft den meisten Berufs­tätigen die Krankenkasse weiter. Sie zahlt das sogenannte Kinder­krankengeld. Dies gilt allerdings nur, wenn ein Eltern­teil und das erkrankte Kind gesetzlich kranken­versichert sind. Jedes Eltern­teil kann bis zu zehn Arbeits­tage Sonder­urlaub pro Jahr erhalten – so steht es im Sozialgesetz­buch (Allein­erziehende 20 Tage). Bei zwei Kindern verdoppelt sich die Anzahl. Bei mehr als zwei Kindern gibt es jedoch eine Ober­grenze: Diese liegt bei 25 Arbeits­tagen pro Eltern­teil (Allein­erziehende 50 Tage). Außerdem müssen die folgenden Voraus­setzungen erfüllt sein:

  • Die Eltern sind unbe­zahlt von der Arbeit frei­gestellt worden.
  • Das Kind ist jünger als zwölf Jahre. (Diese Alters­grenze gilt nicht, wenn das Kind behindert und auf Hilfe angewiesen ist.)
  • Der Arzt hat ab dem ersten Tag der Krankheit ein Attest ausgestellt.
  • Die Betreuung und Pflege des Kindes ist aus ärzt­licher Sicht erforderlich.
  • Die Eltern und das kranke Kind sind gesetzlich versichert.
  • Keine anderen im Haushalt lebenden Personen, etwa die Groß­eltern können das Kind betreuen.

Sind alle Punkte erfüllt, zahlt die Krankenkasse ab dem ersten Tag 90 Prozent des regel­mäßigen Netto­lohns abzüglich des Arbeits­nehmer­anteils zur gesetzlichen Sozial­versicherung. Wenn ein Arbeitnehmer in den letzten zwölf Monaten vor Inan­spruch­nahme des Kinder­krankengeldes allerdings Einmalzah­lungen wie etwa Weihnachts- oder Urlaubs­geld erhält, bekommt er sein ursprüng­liches Netto­gehalt – ebenfalls abzüglich des Arbeitnehmer­anteils zur gesetzlichen Sozial­versicherung. Es gilt beim Kinder­krankengeld der Tages­höchst­satz von 96,25 Euro. Weil die Zahlungen nicht auf den Gehalts­zettel auftauchen, müssen die Eltern das Kinder­krankengeld in der Steuererklärung angeben.

Was gilt für Privatversicherte und Selbst­ständige?

Wer privat kranken­versichert ist, hat keinen Anspruch auf Kinder­krankengeld. Selbst­ständige, die freiwil­lig gesetzlich kranken­versichert sind und den allgemeinen Beitrag von 14,6 Prozent plus Zusatz­beitrag zahlen, haben ab dem 43. Krank­heits­tag des Kindes Anspruch auf das Kinder­krankengeld (Bundes­sozialge­richt Az.: 1 RK 1/94). Das ist der Tag, an dem sie, wenn sie selbst erkrankt wären, Krankengeld erhalten würden. Einige Krankenkassen über­nehmen diese Leistung für Selbst­ständige bereits ab dem ersten Krank­heits­tag des Kindes.

Tipp: Krankenkassen unterscheiden sich nicht nur durch ihre Leistungen und ihren Service, sondern auch durch den Preis. Das kommt jetzt besonders zum Tragen: Im Januar erhöhen viele Kassen ihren Beitrag. Ein Kassen­wechsel kann mehrere hundert Euro Ersparnis pro Jahr bringen. Unser Produktfinder Gesetzliche Krankenkasse zeigt Beitrags­sätze, Leistungen und Service von 75 Kassen.

Kinder­krankengeld bei der Kasse beantragen

Um das Kinder­krankengeld zu erhalten, müssen sich die Eltern direkt an die Krankenkasse wenden. Die Eltern erhalten vom Kinder­arzt eine Bescheinigung über die Krank­heits­dauer ihres Kindes. Sie müssen auf der Rück­seite des Formulars unter anderem angeben, ob – und wenn ja, für wie lange – ihr Arbeit­geber während ihrer Abwesenheit den Lohn weiterbezahlt, und ob sie in diesem Jahr bereits Kinder­krankengeld für das betreffende Kind erhalten haben. Das ausgefüllte Formular müssen sie an die Krankenkasse schi­cken und dem Arbeit­geber eine Kopie über­mitteln.

Sonder­regeln für Beamte

Bundes­beamte dürfen laut Verordnung über den Sonder­urlaub für Bundes­beamtinnen, Bundes­beamte, Richte­rinnen und Richter des Bundes (SUrlV) bis zu vier Tagen Sonder­urlaub pro Kind nehmen, wenn es „schwer erkrankt und unter 12 Jahren alt ist“. Einige Verordnungen für Landes­beamte haben diese Rege­lungen unter dem Stich­wort „Urlaub aus persönlichen Gründen“ über­nommen (siehe etwa NRW). Landes­beamte sollten in jedem Fall noch einmal in die für ihr Bundes­land gültige Verordnung schauen.

Tipp: Steht nichts zum Sonder­urlaub im Arbeits­vertrag, lohnt es sich, in den Betriebs­ver­einbarungen oder im Tarif­vertrag nach­zusehen. Für Landes­beamte gelten die Sonder­urlaubs­ver­ordnung bzw. die Sonder­urlaubs­bestimmungen der Bundes­länder. Wer unsicher ist, kann in der Personal­stelle oder beim Betriebsrat nach­fragen, am besten bevor das Kind zum ersten Mal krank wird.

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