Kinder sind in den Wintermonaten oft krank. Ihre Eltern können sich dann bis zu zehn Tage pro Kind vom Job frei­stellen lassen. Manche Arbeit­geber zahlen in solchen Fällen den Lohn weiter. Zahlt der Chef nicht, springt die Krankenkasse ein und zahlt Kinder­krankengeld. Im Zuge der Corona-Pandemie wurden die Rege­lungen sogar noch ausgeweitet. test.de sagt, was Eltern beachten müssen.

Bezahlter Sonder­urlaub

Ohren­schmerzen, Fieber, Durch­fall oder Bronchitis - Kinder sind oft krank. Für ihre berufs­tätigen Eltern ist jede Krankheit ein organisatorischer Kraft­akt. Haben die Groß­eltern Zeit? Wenn nicht, wer bleibt zu Hause? Zwar regelt das Bürgerliche Gesetz­buch in Paragraf 616, dass Arbeitnehmer aus unver­meid­baren und unver­schuldeten Gründen vom Job frei­gestellt werden müssen, ohne dass ihnen der Lohn gekürzt wird. Hierzu zählt auch die Erkrankung eines Kindes unter acht Jahren, sofern ein ärzt­liches Attest vorliegt und die Eltern nicht länger als fünf Tage bei der Arbeit fehlen. (Bundes­arbeits­gericht Az. 5 AZR 834/76). Der Haken ist aber: Der BGB-Paragraf darf im Tarif- oder Arbeits­vertrag ausgeschlossen werden, zum Beispiel mit solchen Formulierungen: „Ein Vergütungs­anspruch besteht nur für tatsäch­lich geleistete Arbeit“, oder „Ein Vergütungs­anspruch besteht nur für die tatsäch­lich geleistete Arbeit“.

Bei unbe­zahlter Frei­stellung gibt es Krankengeld

Zahlt der Arbeit­geber den Lohn während der Krankheit des Kindes nicht weiter, hilft den meisten Berufs­tätigen die Krankenkasse weiter. Sie zahlt das sogenannte Kinder­krankengeld. Dies gilt allerdings nur, wenn ein Eltern­teil und das erkrankte Kind gesetzlich kranken­versichert sind. Jedes Eltern­teil kann seit dem 5. Januar 2021 bis zu 20 Arbeits­tage Sonder­urlaub pro Jahr erhalten (Allein­erziehende 40 Tage). Wegen Corona wurde der Zeitraum aufgestockt. Bei zwei Kindern verdoppelt sich die Anzahl. Bei mehr als zwei Kindern gibt es jedoch eine Ober­grenze: Diese liegt bei 45 Arbeits­tagen pro Eltern­teil (Allein­erziehende 90 Tage). Außerdem müssen die folgenden Voraus­setzungen erfüllt sein:

  • Die Eltern sind unbe­zahlt von der Arbeit frei­gestellt worden.
  • Das Kind ist jünger als zwölf Jahre. (Diese Alters­grenze gilt nicht, wenn das Kind behindert und auf Hilfe angewiesen ist.)
  • Der Arzt hat ab dem ersten Tag der Krankheit ein Attest ausgestellt.
  • Die Betreuung und Pflege des Kindes ist aus ärzt­licher Sicht erforderlich.
  • Die Eltern und das kranke Kind sind gesetzlich versichert.
  • Keine anderen im Haushalt lebenden Personen, etwa die Groß­eltern können das Kind betreuen.

Sind alle Punkte erfüllt, zahlt die Krankenkasse ab dem ersten Tag 90 Prozent des regel­mäßigen Netto­lohns. Wenn ein Arbeitnehmer in den letzten zwölf Monaten vor Inan­spruch­nahme des Kinder­krankengeldes allerdings Einmalzah­lungen wie etwa Weihnachts- oder Urlaubs­geld erhält, bekommt er sein ursprüng­liches Netto­gehalt. Es gilt beim Kinder­krankengeld der Tages­höchst­satz von 112,88 Euro. Weil die Zahlungen nicht auf den Gehalts­zettel auftauchen, müssen die Eltern das Kinder­krankengeld in der Steuererklärung angeben.

Kinder­krankengeld für häusliche Betreuung wegen Corona

Wegen der Corona-Pandemie können Eltern das Kinder­krankengeld derzeit auch einsetzen, wenn Schule oder Kita ganz oder teil­weise geschlossen sind – und sie das Kind daher zu Hause betreuen müssen. Das gilt auch, wenn sie im Homeoffice arbeiten oder arbeiten könnten. Die Kasse benötigt dafür eine Bescheinigung der betreffenden Einrichtung. Diese Sonder­regel gilt bis zum 31.12.2021 (siehe auch Meldung Kinderkrankengeld: Pandemie-frei für Eltern – das sind die Regeln).

Kinder­krankengeld für Kurz­arbeiter

Auch Eltern in Kurzarbeit können Kinder­krankengeld beantragen, wenn sie gesetzlich versichert sind. Kurz­arbeitergeld und Kinder­krankengeld dürfen nicht gleich­zeitig bezogen werden. Eltern mit einem Minijob (450-Euro-Job) haben keinen Anspruch auf Kinder­krankengeld. Denn sie sind nicht kranken­versicherungs­pflichtig.

Was gilt für Privatversicherte?

Wer privat kranken­versichert ist, hat keinen Anspruch auf Kinder­krankengeld. Müssen privatversicherte Eltern wegen der pandemiebe­dingten Schließung von Kita oder Schule ihr Kind betreuen und können deswegen nicht arbeiten, gibt es aber eine Verdienst­ausfall­entschädigung vom Staat (§ 56 Infektions­schutz­gesetz). Diesen Anspruch haben alle berufs­tätigen Eltern unabhängig vom Anspruch auf Kinder­krankengeld. Es gelten die gleichen Alters­grenzen wie beim Kinder­krankengeld. Die Entschädigung beträgt 67 Prozent des Netto­einkommens (maximal. 2 016 Euro/Monat) und gilt für insgesamt zehn Wochen je Eltern­teil, bei Allein­erziehenden 20 Wochen – dieser Zeitraum kann tage­weise aufgeteilt werden. Diese Regelung gilt bis zum 31. März 2021. Kinder­krankengeld und Entschädigung können nicht gleich­zeitig in Anspruch genommen werden.

Was gilt für Selbst­ständige?

Auch Selbst­ständige, die freiwil­lig gesetzlich kranken­versichert sind und dabei den Anspruch auf Krankengeld gewählt haben, können das aufgestockte Kinder­krankengeld beantragen. Ansonsten gilt: Selbst­ständige, die freiwil­lig gesetzlich kranken­versichert sind und den allgemeinen Beitrag von 14,6 Prozent plus Zusatz­beitrag zahlen, haben ab dem 43. Krank­heits­tag des Kindes Anspruch auf das Kinder­krankengeld (Bundes­sozialge­richt Az.: 1 RK 1/94). Das ist der Tag, an dem sie, wenn sie selbst erkrankt wären, Krankengeld erhalten würden. Einige Krankenkassen über­nehmen diese Leistung für Selbst­ständige bereits ab dem ersten Krank­heits­tag des Kindes.

Tipp: Krankenkassen unterscheiden sich nicht nur durch ihre Leistungen und ihren Service, sondern auch durch den Preis. Das kommt jetzt besonders zum Tragen: Im Januar erhöhen viele Kassen ihren Beitrag. Ein Kassen­wechsel kann mehrere hundert Euro Ersparnis pro Jahr bringen. Unser Vergleich Gesetzliche Krankenkasse zeigt Beitrags­sätze, Leistungen und Service von 75 Kassen.

Kinder­krankengeld bei der Kasse beantragen

Um das Kinder­krankengeld zu erhalten, müssen sich die Eltern direkt an die Krankenkasse wenden. Die Eltern erhalten vom Kinder­arzt eine Bescheinigung über die Krank­heits­dauer ihres Kindes. Sie müssen auf der Rück­seite des Formulars unter anderem angeben, ob – und wenn ja, für wie lange – ihr Arbeit­geber während ihrer Abwesenheit den Lohn weiterbezahlt, und ob sie in diesem Jahr bereits Kinder­krankengeld für das betreffende Kind erhalten haben. Das ausgefüllte Formular müssen sie an die Krankenkasse schi­cken und dem Arbeit­geber eine Kopie über­mitteln.

Pandemie-frei gilt auch für Bundes­beamte

Die Verdoppelung und Erweiterung des Kinder­krankengeldes in der Corona-Zeit gilt auch für die Bundes­beamten, heißt es beim Bundes­gesund­heits­ministerium. Sie erhalten entsprechend bezahlten Sonder­urlaub. Die Rege­lungen für die Landes­beamten bestimmt jedes Bundes­land selbst. So können etwa die Beamten in Thüringen die gleichen Kinder­krankentage in Anspruch nehmen wie gesetzlich kranken­versicherte Beschäftigte.

Übliche Sonder­regeln für Beamte

Ansonsten gilt: Bundes­beamte dürfen laut Verordnung über den Sonder­urlaub für Bundes­beamtinnen, Bundes­beamte, Richte­rinnen und Richter des Bundes (SUrlV) bis zu vier Tagen Sonder­urlaub pro Kind nehmen, wenn es „schwer erkrankt und unter 12 Jahren alt ist“. Einige Verordnungen für Landes­beamte haben diese Rege­lungen unter dem Stich­wort „Urlaub aus persönlichen Gründen“ über­nommen (siehe etwa NRW). Landes­beamte sollten in jedem Fall in die für ihr Bundes­land gültige Verordnung schauen.

Tipp: Steht nichts zum Sonder­urlaub im Arbeits­vertrag, lohnt es sich, in den Betriebs­ver­einbarungen oder im Tarif­vertrag nach­zusehen. Für Landes­beamte gelten die Sonder­urlaubs­ver­ordnung beziehungs­weise die Sonder­urlaubs­bestimmungen der Bundes­länder. Wer unsicher ist, kann in der Personal­stelle oder beim Betriebsrat nach­fragen – am besten, bevor das Kind zum ersten Mal krank wird.

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