Fall 1: Überbiss von 4 Millimetern, Kreuzbiss: Vorschläge unklar bis nicht optimal

Kieferorthopädische Behandlung Test

Gutachterlösung: Im Oberkiefer werden einige Zähne ausgerichtet / gedreht, für den Ausgleich der Lücke bietet sich der Lückenschluss an: Eck- und alle weiteren Seitenzähne werden weiter nach vorn bewegt, eventuell später Ausgleichsextraktion im Unterkiefer notwendig. Im Unterkiefer werden einige Zähne ausgerichtet beziehungsweise gedreht, Zahnbogen ausgeformt und Engstände aufgelöst. Kreuz- und Überbiss werden korrigiert (KIG 4).

Lösungsvorschlag Praxis 1: Die Kieferorthopädin macht keine Angaben zur Vorgeschichte der Patientin. Sie plant eine nicht nachvollziehbare „Lückenverschiebung“. Auch bei den privat zu zahlenden Leistungen ist keine informierte Entscheidung möglich.

Kostenvoranschlag, Zuzahlung: Der Kostenvoranschlag enthält neben einer Zahnversiegelung weitere nicht näher spezifizierte Vorsorgemaßnahmen und eine „feste Apparatur“. Die empfohlenen Leistungen sind nicht nach ihrer medizinisch-funktionalen, Komfort- oder ästhetischen Bedeutung einzuordnen. Die hier sinnvolle funktionsanalytische Befunderhebung und die Kiefergelenkuntersuchung fehlen.

Fazit: Behandlungsweg bleibt unklar, mangelnde Transparenz.

Lösungsvorschlag Praxis 2: Kieferorthopäde plant Lückenöffnung im Bereich der fehlenden Schneidezähne, später einen Lückenschluss durch ein Implantat. Dieser Lösungsvorschlag ist aufwendig, langwierig, störanfällig und teuer. Patientin wird nicht in das Gespräch einbezogen, der Befund wenig einfühlsam erläutert.

Kostenvoranschlag, Zuzahlung: Behandlungsplan sieht neben Versiegelung nicht näher spezifizierte Vorsorgemaßnahmen vor. Medizinisch relevante Leistungen (wie Versiegelung und Zwischendiagnostik) sowie Komfortleistungen (wie selbstligierende Bracketsysteme; verkürzen unter anderem „Sitzzeiten“ in der Praxis, eventuell auch die Therapie) nicht sauber getrennt. Funktionsanalytischer Befund und Kiefergelenkuntersuchung fehlen. Spätere Implantatversorgung von etwa 1 000 bis 1 500 Euro private Zuzahlung wurde nicht einkalkuliert.

Fazit: Kein optimaler Therapieplan; mangelnde Transparenz.

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