Kieferkorrektur für Große und Kleine – was die Kasse zahlt

Ob die gesetzliche Krankenkasse für eine kiefer­ortho­pädische Behand­lung aufkommt, hängt davon ab, wie schwer die Fehl­stellung des Kiefers oder der Zähne ist. Der Zahn­arzt beur­teilt das mithilfe von kiefer­ortho­pädischen Indikations­gruppen (KIG). Sie teilen Fehl­stel­lungen in fünf Schweregrade ein. Geregelt ist dies in den Kieferorthopädie-Richtlinien.

Selten Zuschuss für Erwachsene

Erwachsene bekommen nur bei schweren Kiefer­anomalien einen Kassen­zuschuss, und auch nur dann, wenn neben der Zahn­spange eine kieferchirurgische Operation nötig ist.

Milli­meter im Kinder­gebiss

Kindern und Jugend­lichen, die bei Behand­lungs­beginn noch nicht 18 sind, bezahlt die Kasse die Behand­lung für die Indikations­gruppen 3 bis 5. Will jemand eine leichte Zahnfehl­stellung der KIG 1 oder 2 korrigieren lassen, müssen die Eltern entscheiden: Warten sie ab, bis die Zähne sich weiter verschieben, oder zahlen sie privat?

Oft kommen verschiedene Probleme zusammen, zum Beispiel ein Über­biss und Platz­mangel im Kiefer. In diesem Fall genügt es, wenn einer der Befunde mindestens der KIG 3 entspricht.

Ein häufiges Problem ist der Über­biss, bei dem der Oberkiefer über den Unterkiefer ragt. Stehen die oberen Schneidezähne um 4 oder 5 Milli­meter über, fällt das noch unter die KIG 2. Erst bei einem Über­biss von mehr als 6 Milli­metern zahlt die Kasse. Ein vorstehender Unterkiefer wird dagegen immer auf Kassen­kosten behandelt.

Eigen­anteil wird später erstattet

Die Kassenpatienten müssen 20 Prozent der Kosten zunächst selbst zahlen. Erst nachdem die Behand­lung erfolg­reich abge­schlossen ist, erhalten sie dieses Geld von der Kasse zurück. Sind mehrere Kinder einer Familie gleich­zeitig in Behand­lung, beträgt der Eigen­anteil nur für das erste Kind 20 Prozent, für jedes weitere Kind ist der Eigen­anteil auf 10 Prozent reduziert.

Kasse bezahlt nur güns­tige Variante

Die Leistung der Krankenkasse deckt vor allem bei fest­sitzenden Spangen meist nicht alle Kosten. Laut Richt­linien kommt die Kasse nämlich nur für das kostengüns­tigste Material auf, das den medizi­nischen Zweck erfüllt.

Zahn­spange meist ab neun Jahren

Je nach Fehl­stellung ist geregelt, ab wann das Kind die Behand­lung beginnen kann. Üblich ist ein Beginn mit neun oder zehn Jahren. Bei extremen Zahn- oder Kieferfehl­stel­lungen genehmigen die Kassen eine Behand­lung von jüngeren Kindern, aber nur in Ausnahme­fällen bei vierjäh­rigen Kindern, die noch die Milchzähne haben.

Bevor es losgeht, erstellt der Kiefer­ortho­päde einen Behand­lungs­plan und bespricht ihn mit den Eltern und dem Patienten. Der Plan wird dann der Krankenkasse zur Genehmigung vorgelegt. Über die darüber hinaus privat zu tragenden Kosten schließen die Eltern mit dem Kiefer­ortho­päden eine Mehr­kosten­ver­einbarung.

Mit Check­liste zum Zahn­arzt

Eine kiefer­ortho­pädische Behand­lung ist nicht nur eine finanzielle Frage. Sie ist lang­wierig, oft unangenehm und erfordert akribische Zahn­pflege. Erwachsene Patienten und Eltern, die für ihre Kinder entscheiden müssen, sollten sich vom Kiefer­ortho­päden genau erklären lassen, was auf sie zukommt:

  • Wie lautet die Diagnose genau?
  • Was soll gemacht werden?
  • Ist das medizi­nisch notwendig?
  • Was kann passieren, wenn man die Behand­lung nicht macht oder hinaus­zögert?
  • Was kann bei der Behand­lung schief­gehen?
  • Welche unterschiedlichen Verfahren und Materialien gibt es?
  • Was kosten diese jeweils und was davon zahlt die Krankenkasse?

Geht der Kiefer­ortho­päde kompetent auf solche Fragen ein, ist das eine gute Basis für die Zusammen­arbeit in den nächsten Jahren. Während einer Behand­lung auf Kassen­kosten ist ein Wechsel des Zahn­arztes nämlich nur in Ausnahme­fällen zulässig, zum Beispiel wenn die Familie in eine andere Stadt zieht. Brechen Versicherte die Behand­lung einfach ab, zahlt die Kasse den Eigen­anteil nicht zurück. Ein Wechsel der Krankenkasse ist dagegen problemlos möglich. Die neue Kasse erstattet nach Behand­lungs­abschluss den Eigen­anteil.

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