Kfz-Versicherung Meldung

Fahrer gehen oft zu sorglos mit dem Schlüssel um. Über 31 000 Autos wurden 2003 geklaut.

Ist der Autoschlüssel weg, sollten Besitzer darüber sofort ihre Versicherung informieren. Sonst gibts unter Umständen kein Geld, wenn auch noch das Auto verschwindet.

Philip Petersen* wurde in Ungarn der Autoschlüssel gestohlen. Zunächst war das kein größeres Problem. Er hatte den Zweitschlüssel bei sich, fuhr zurück und ging zur Tagesordnung über.

Ein Jahr später wird sein Auto in Deutschland geklaut. Der Bestohlene zeigt den Diebstahl an. Der Wagen wird beschädigt in Polen gefunden. Pech für Petersen: Sein Versicherer muss für die entstandenen Schäden nicht aufkommen. Denn Petersen kann nicht alle Originalschlüssel vorweisen. Und somit nicht nachweisen, dass es nicht der entwendete Schlüssel war, mit dem sein Auto geklaut wurde. Einbruchsspuren gab es nämlich nicht. Er hätte dem Versicherer den Schlüsselverlust mitteilen und sein Auto etwa durch das Austauschen der Schlösser sichern müssen.

„Der Originalschlüssel ist bei Autodiebstählen inzwischen das A und O. Dass Kriminielle mit einem Draht die Tür öffnen und dann zwei Kabel aneinander halten, kommt, seit es die elektronische Wegfahrsperre gibt, kaum mehr vor“, sagt Klaus Brandenstein vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft.

Deshalb ist es sehr wichtig, die Versicherung zu informieren, wenn ein Autoschlüssel geklaut wird oder verloren geht. Ist das Auto weg und der Besitzer kann nicht mehr alle Originalschlüssel vorlegen, prüft der Versicherer genau, ob sich der Fahrzeughalter grob fahrlässig verhalten hat. In diesem Fall kann die Gesellschaft nämlich den Schadenersatz verweigern. Was „grob fahrlässig“ bedeutet, ist allerdings nicht klar definiert und beschäftigt die Gerichte.

Beim Baden und Trinken

So handelt nach Ansicht des Oberlandesgerichts Naumburg ein Autofahrer, der am Strand seinen Fahrzeugschlüssel in seiner Kleidung versteckt und diese für kurze Zeit unbeaufsichtigt lässt, nicht grob fahrlässig (Az. 4 U 141/01). Anders sieht es aus, wenn der Fahrzeughalter in einer Kneipe seine Jacke samt Autoschlüssel an die Garderobe hängt. Er macht es den Dieben zu leicht, entschied das Amtsgericht Düsseldorf (Az. 29 C 10453/89). Die Kaskoversicherung musste nicht zahlen.

Wäre der Schlüssel dagegen nicht aus der Jacke an der Garderobe, sondern aus dem Rucksack neben dem Stuhl des Gaststättenbesuchers gestohlen worden, hätte der Versicherer zahlen müssen. Hier sei ein Diebstahl nicht absehbar gewesen und der Autofahrer habe deswegen auch nicht grob fahrlässig gehandelt, entschied das Oberlandesgericht Düsseldorf (Az. I-10 U 191/03).

Wenn man nach einem Schlüsseldiebstahl damit rechnen muss, dass das Auto geklaut wird, übernimmt sogar der Versicherer die Kosten für den Austausch der Schlösser. Der Tatort Kneipe ist hierfür ein gutes Beispiel: Wird der Schlüssel dort entwendet und ist der Autobesitzer Stammgast, muss er damit rechnen, dass der Dieb das Fahrzeug und dessen Standort kennt. Der Austausch des Schlosses würde dann dem Versicherungsnehmer als „Rettungskosten“ ersetzt.

Keinen Cent von ihrer Versicherung erhalten aber Autofahrer, die den Schlüssel im Zündschloss stecken lassen. Und sei es auch noch so kurz. Ein Versicherer weigerte sich, seinem Kunden das gestohlene Fahrzeug zu bezahlen, weil er seinen Pkw zum Beladen vor einem Geschäft unverschlossen und mit Schlüssel im Schloss stehen ließ. Obwohl er nur eine Minute weg war, sah das Oberlandesgericht Koblenz (Az. 10 U 1146/99) dieses Verhalten geradezu als Einladung für die Diebe an.

* Name von der Redaktion geändert.

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