Besitzer von Wohnmobilen und Pick-up-Wagen müssen seit Mai sehr viel mehr Kfz-Steuer zahlen. Dagegen sollten sie ­Einspruch einlegen. Denn das Blatt könnte sich noch wenden.

Familie Kuchmann ist sauer. Seit Mai hat sich die Kfz-Steuer für ihr Urlaubsmobil beträchtlich erhöht.

Bisher kostete ihr mühevoll ausgebauter Wohnwagen, ein VW LT, 172 Euro Kfz-Steuer im Jahr. Jetzt soll die Düsseldorfer Familie für ihr 18 Jahre altes Dieselfahrzeug 729 Euro mehr berappen: 901 Euro im Jahr. Künftig kann sich die Familie den Campingwagen wohl nicht mehr leisten.

Die Kfz-Steuer ist für die meisten Wohnmobile enorm gestiegen. Dabei sollte die Erhöhung nicht Camper treffen, sondern Besitzer von Luxusjeeps.

Besitzer von Campern, Pick-up- und Pritschenwagen dürfen aber noch hoffen. Sie sollten ihren Kfz-Steuerbescheid durch Einspruch offen halten, denn vielleicht kommt die alte Steuerregel wieder.

Bisher nur wenige Ausnahmen

Danach berechnete das Finanzamt die Steuer für Kombiwagen zwischen 2,8 Tonnen und 3,5 Tonnen nach dem Gewicht. Das war viel günstiger als die Steuer für Pkw. Dieser Steuervorteil galt auch für ­Geländewagen, für Sport-Utility-Vehicles, Großraumlimousinen, Kleinbusse und Büro- und Konferenzmobile.

Seit Mai stuft die Behörde diese Fahrzeuge nun wie Pkw nach Hubraum und Schadstoffausstoß ein. Nur falls sie zum Nutzfahrzeug umgebaut wurden und als Lkw zugelassen sind, ist ausnahmsweise die ­Besteuerung nach Gewicht möglich.

Dafür muss das Fahrzeug aber mehrere weitere Bedingungen erfüllen: Zwischen Fahrgast- und Laderaum ist eine Trennwand erforderlich. Die Ladefläche muss größer als die Bodenfläche des Fahrgastraums sein. Hinten darf es keine Sitzplätze geben und die rückwärtigen Seitenfenster des Autos müssen verblecht sein.

Steuerbescheide unter Vorbehalt

Bald könnte es noch mehr Ausnahmen ­geben. Nordrhein-Westfalen hat einen ­Gesetzesantrag in den Bundesrat eingebracht, damit die alten Steuerregeln für Wohnmobile, Pick-up-Fahrzeuge und Pritschenwagen wieder eingeführt werden. Bis das entschieden ist, sollten Halter solcher Wagen ihren Bescheid offen halten.

Zwar sind sich die Bundesländer noch nicht einig, was sie wollen. Umstritten ist auch, ob die Behörde die höhere Steuer überhaupt für Wohnmobile verlangen darf, die vor dem 1. Mai 2005 zugelassen wurden. Dennoch sind die Finanzämter in Nordrhein-Westfalen bereits angewiesen, von sich aus Wohnmobile, Pick-up-Fahrzeuge und Pritschenwagen noch nach der alten Regel zu besteuern (Erlass vom 20. April, S 6104-2 a-V A 1).

Für Kuchmanns Wohnmobil darf das Düsseldorfer Finanzamt ­deshalb vorerst nur 172 Euro Kfz-Steuer in diesem Jahr kassieren. Allerdings erteilt es den ­Bescheid unter Vorbehalt. Die Beamten können ihn wieder ändern, und die Familie muss eventuell doch mehr zahlen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 875 Nutzer finden das hilfreich.