Kfz-Servicetechnik Test

Kfz-Servicetechniker arbeiten an der Schnittstelle zwischen Werkstatt und Kunden. Die Fortbildung für Gesellen ist beliebt, fördert den Aufstieg und wird auch bei der Meisterausbildung anerkannt. Wir haben 22 Lehrwerkstätten in ganz Deutschland inspiziert.

Ihr Auto ist den Deutschen heilig. Bockt es, müssen vertrauenswürdige Profis ran, die nicht nur die Technik beherrschen, sondern auch Kundenservice groß schreiben. Das ist der Auftritt für den „Geprüften Kfz-Servicetechniker“. Auf der Karriereleiter zwischen Gesellen und Meister angesiedelt, schlägt er die Brücke zwischen beiden Qualifikationen. Er nimmt Reparaturen an, erklärt dem Kunden die nötigen Arbeiten und hakt auch bei Problemen nach. Zu seinen Aufgaben gehören Fehlerdiagnose und Instandsetzungsarbeiten am Fahrzeug. Dafür muss er in Elektrik, Elektronik, Hydraulik und Pneumatik besonders fit sein.

Jahr für Jahr lassen sich etwa 2 000 Facharbeiter auf diesen Spagat ein und büffeln in Lehrgängen für die Kammerprüfung in dem noch relativ jungen Fortbildungsberuf, der erst seit 1998 staatlich anerkannt ist. Bundesweit haben rund 100 Bildungsträger Lehrgänge im Angebot, die auf diese Prüfung vorbereiten. Aber halten sie auch, was sie versprechen? Wie steht es um die Lernbedingungen? Wie gut sind die Lehrwerkstätten ausgestattet? Wie findet man den passenden Anbieter? Und woran lässt sich erkennen, ob mit den Vertragsbedingungen alles stimmt?

22 Bildungsträger inspiziert

Unsere Kfz-Sachverständigen haben 22 Bildungsträger inspiziert, geschaut, wie es um die Ausstattung der Lehrwerkstätten bestellt ist und auch die Teilnehmer befragt. Ergebnis: Die fachlichen Inhalte orientieren sich an den Vorgaben der staatlichen Prüfungsordnung, in der die Kenntnisse, die in der Prüfung abgefragt werden, beschrieben sind. Die Vertreter der Kammern nehmen die Prüfungen direkt in den Lehrstätten ab. Deshalb haben „schwarze Schafe“ kaum eine Chance – die Qualität war also allgemein hoch.

1360 bis 2250 Euro Kosten

Bleibt für angehende Kfz-Servicetechniker aber das Problem, Kurse zu vergleichen und ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ausfindig zu machen. Denn die Kosten für die Fortbildung, die in Berufsbildungszentren der Handwerkskammern und gewerblichen Schulen stattfindet, schwanken zwischen 1 360 und 2 250 Euro. Hinzu kommen je nach prüfender Kammer 200 bis 490 Euro Prüfgebühren. Und manchmal schlägt auch Lehrmaterial noch zusätzlich zu Buche.

Die Prüfungsvorbereitung dauert dann in der Regel 300 Unterrichtsstunden à 45 Minuten. Und je nachdem, ob sie ein Vollzeit- oder Teilzeitangebot wählen, binden sich die Teilnehmer zwischen drei und zwölf Monaten.

Werkstätten sind gut

Im Test ging es vor allem um die Qualität der Lernbedingungen. Dabei wurde die technische Ausstattung positiv bewertet: 15-mal hatte sie eine „hohe“, einmal sogar eine „sehr hohe“ Qualität. Dabei achteten die Kfz-Sachverständigen besonders auf die Modelle, an denen die „Schüler“ lernen können. Richtige Fahrzeuge und Prüfgeräte, zum Beispiel für Motordiagnose, zählen dazu. Ideal ist es, wenn beides zur Verfügung steht und die angehenden Kfz-Servicetechniker auch noch an Fahrzeugen verschiedener Hersteller trainieren können. Beispiel: An einer aufgeschnittenen Pkw-Tür mit abgebauter Verkleidung bekommen die „Schüler“ direkte Einblicke in die so genannte Komfortelektronik wie Fensterheber, Spiegelverstellung und Zentralverriegelung.

Zwar war die vorhandene Ausstattung qualitativ hochwertig, doch standen leider nicht immer verschiedene Fahrzeuge und Prüfgeräte zur Verfügung. Zudem entstand der Eindruck, dass der Bezug zur Praxis und „echte“ Aufgaben aus dem Werkstattalltag bei vielen Anbietern zu kurz kommen. Dabei ist gerade die Praxis beim Kfz-Servicetechniker entscheidend: Technikwissen allein reicht nicht aus. Statt frontal theoretisches Know-how zu vermitteln, sollten die Lehrenden bei den Lernenden also eher die Fähigkeit fördern, eigenständig Lösungen zu entwickeln.

Die Qualität der Lehrgangsorganisation, zu der auch die Qualifikation der Dozenten zählt, war bei fünf Bildungsträgern „sehr hoch“, bei ganzen 14 immerhin noch „hoch“. Nur zweimal wurde eine „niedrige“, einmal eine „mittlere“ Qualität festgestellt.

Räume, EDV und sonstige Ausstattung wie Overheadprojektoren und Flipp-Charts entsprachen weitgehend den Anforderungen. Zudem waren Unterricht und Prüfung meist gut miteinander verbunden. Das heißt, die Prüfung fand in der Kursstätte mit den Kursdozenten statt, und die Schwerpunkte waren mit den Kursinhalten abgestimmt. Pluspunkte gab es auch für Angebote wie Kantine, Cafeteria oder Getränkeautomaten – denn viele Kurse finden ganztags, als Wochenend- oder Vollzeitlehrgang statt.

Dozenten mit Qualifikation

Auch das Personal als wichtigster Erfolgsfaktor bekam gute Noten. Eingesetzt wurden hauptsächlich qualifizierte Dozenten, die sich regelmäßig fachlich weitergebildet haben – neben Kfz-Techniker-Meistern auch Fachkräfte mit berufspädagogischer Ausbildung. Optimal ist ein Verhältnis von nicht mehr als fünf Teilnehmern zu einem Dozenten.

Leider konnten die von uns befragten Teilnehmer nur in wenigen Fällen auch außerhalb der Kurszeiten Kontakt zu ihren Dozenten aufnehmen. Nur 13 Prozent gaben an, dass eine regelmäßige persönliche Sprechstunde angeboten wurde. 14 Prozent berichteten immerhin von regelmäßigen telefonischen Sprechzeiten, knapp 20 Prozent dagegen von eher unregelmäßigen. Und für gut 16 Prozent der Teilnehmer war der „Lehrer“ zumindest per E-Mail erreichbar.

Dürftige Vorabinformationen

Ein Defizit stellten wir jedoch bei den Informationen zu den Lehrgängen fest. Das schriftlich oder im Internet bereitgestellte Material war allenfalls mittelmäßig: Nur in drei Fällen wurde ein „hoher“ Informationsgehalt bescheinigt, dagegen fünfmal ein „niedriger“ und dreimal sogar ein „sehr niedriger“. Problematisch erscheint dieses Ergebnis vor dem Hintergrund, dass mehr als zwei Drittel der Anbieter nach Angaben der Teilnehmer im Vorfeld in erster Linie schriftlich informierten. Nur bei einem knappen Drittel war ein persönliches Beratungsgespräch oder zumindest eine telefonische Beratung möglich.

Das heißt: Um sich zwischen verschiedenen Anbietern zu entscheiden, waren sowohl die gedruckten Informationen als auch die Internet-Seiten in der Regel unbrauchbar. Denn welche Inhalte ein Seminar tatsächlich bietet, lässt sich aufgrund der Seminarankündigungen kaum abschätzen.

Unlautere Verträge

Bevor ein Vertrag unterschrieben wird, sollte sich jeder die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) genau ansehen. Unser Rechtsgutachter hat zahlreiche unwirksame Klauseln gefunden, beispielsweise in Sachen Vorauszahlungspflicht. So sollten die Kursgebühren in acht Fällen schon sehr früh, beispielsweise bei Vertragsabschluss oder Erhalt der Rechnung, gezahlt werden. Das jedoch ist unzulässig. Die Zahlung muss zeitlich vielmehr an den Start des Unterrichts gekoppelt sein.

Genauso fand der Gutachter gleich 13-mal Klauseln, mit denen sich Anbieter vorbehalten, von vertraglichen Leistungen abzuweichen, zum Beispiel beim Unterrichtsplan oder Kurstermin. Acht behalten sich in ihren AGB auch Änderungen der Kursgebühren vor, nennen aber keine sachlich gerechtfertigten Gründe dafür. Zudem wurde kein Kündigungsrecht im Fall einer Preiserhöhung eingeräumt. Also Achtung: Eine Preisänderungsklausel birgt immer die Gefahr einer unerwarteten Preissteigerung.

Grundsätzlich gilt: Sind einzelne Vertragsklauseln unwirksam, greifen die Regelungen des Bürgerlichen Gesetzbu­ches (BGB). Sie sind für die Kunden in der Regel günstiger. Denn AGB werden meist von den Anbietern aufgestellt, um zum Nachteil der Kunden von den gesetzlichen Regelungen abzuweichen. Positiv: Drei Anbieter verwenden keine AGB. So gilt automatisch das BGB.

Fördergelder für Lehrgang

Bleibt die Frage der Finanzierung des Bildungshungers bei Preisen von zum Teil über 2 000 Euro. In der Untersuchung wurde etwa die Hälfte der Teilnehmer gefördert. Die meisten (gut 16 Prozent) bekamen Unterstützung von ihrem Chef. Fast 10 Prozent bezogen Meister-Bafög, und 8 Prozent half der Berufsförderungsdienst der Bundeswehr.

Jeweils 6 Prozent erhielten Hilfe aus EU-Fördermitteln oder nahmen mit Bildungsgutscheinen der Arbeitsagenturen an den Lehrgängen teil. Allerdings stehen diese Fördermöglichkeiten regional sehr unterschiedlich zur Verfügung. In Dresden zum Beispiel wurde über die Hälfte der Kursteilnehmer per Bildungsgutschein gefördert.

Übrigens: Das Klischee, dass der Kfz-Bereich eine Männerdomäne ist, fanden wir bestätigt. In unserer Untersuchung konnten nur drei Frauen befragt werden. Im Durchschnitt waren die 256 Teilnehmer knapp 27 Jahre alt. 89 Prozent waren ausgebildete Kfz-Mechaniker, 4 Prozent Kfz-Elektroniker, die übrigen verteilten sich auf verwandte Berufe.

Empfehlung für den Aufstieg

Die Fortbildung zum Kfz-Servicetechniker eignet sich für Gesellen, die sich für höher qualifizierte Aufgaben interessieren. Solche Profis werden im Kfz-Handwerk, das insgesamt rund 42 000 Betriebe und 485 000 Beschäftigte zählt, gesucht. Das Weiterbildungsmodell ist ein Erfolg und Vorbild für andere Branchen. Nach bestandener Prüfung winken unter Umständen mehr Verantwortung, anspruchsvollere Aufgaben und eine bessere Bezahlung – vorausgesetzt, im Betrieb sind Planstellen vorhanden. Zusatz-Bonbon: Die Fortbildung wird auf den praktischen Teil der Meisterprüfung angerechnet.

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