Kettensägen Test

Kein Werk­zeug für Haus und Garten ist so gefährlich wie eine Ketten­säge. Doch viele liebäugeln mit dem Kauf eines solchen Kraftprotzes. Fünf der zwölf Kettensägen im Test schneiden „gut“ ab.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Kettensägen.

Mit hoher Geschwindigkeit laufen messerscharfe Miniklingen als Kettenglieder auf einer schwertförmigen Führungsschiene. Dank dieser schlanken Bauweise lässt sich eine Kettensäge auch auf engem Raum gezielt einsetzen. Und so sägt sich mancher Ofenbesitzer seinen Brennstoff im Garten oder im Wald eigenhändig zurecht, seit die gestiegenen Öl- und Gaspreise das Heizen mit Holz immer beliebter machen. Kostengünstiges Kaminholz ist aber nicht der einzige Grund, sich eine Kettensäge anzuschaffen. Für viele Heimwerker und Gartenbesitzer gilt sie als Favorit für „alles Grobe“, also auch für Balken oder dicke Bretter, bei denen die eher unsauberen Schnittkanten kein Problem sind.

Für unseren Test haben wir Elektro-Kettensägen für den Einsatz rund ums Haus und im Garten ausgewählt und außerdem Sägen mit Benzinmotor, die sich für den Einsatz fern von Steckdosen eignen.

Die spannendste Frage im Test

Kettensägen Test

Schwächling: Im Belastungstest hielt der Handgriff der Kettensäge von Plus den starken Zugkräften nicht stand und zerbrach.

Wer sich ein solches Werkzeug kauft, ist vor allem an einer hohen Schnittleistung interessiert. Die spannendste Frage im Test lautete daher: Wie viel Schnittfläche schaffen die Sägen pro Sekunde? Unsere Tester, fünf Auszubildende der Forstwirtschaft, haben die Geräte unter gleichen Bedingungen geprüft, indem sie von liegenden Stämmen Holzscheiben abschnitten. Jeder sägte mit jeder Säge mehrere Scheiben – sowohl weiches Fichtenholz als auch harte Buche. Anhand der exakt vermessenen Scheibengrößen und der gestoppten Sägezeiten ließ sich die leistungsstärkste Kettensäge präzise ermitteln: Die Benzinsäge von Dolmar schnitt am besten ab – in Fichtenholz sogar mit der enormen Leistung von 65 Quadratzentimetern pro Sekunde (38 in Buche). Die Elektrosäge von Bosch kam auf Platz zwei.

Tipp: Wer viel sägen muss, sollte eine Kettensäge mit hoher Schnittleistung auswählen. Für nur gelegentliche Schnitte im Garten reicht ein Gerät mit „befriedigend“ im Prüfpunkt Schnittleistung völlig aus.

Als Schwächling erwies sich die Aktionsware vom Discounter Plus. Bei unserem Praxistest im Wald mit vielen Schnitten durch Laub- und Nadelholz machte sich die schwache Motorleistung der Plus-Kettensäge vor allem an Stämmen mit mehr als 10 bis 15 Zentimeter Durchmesser bemerkbar. Eine unserer Prüfpersonen hatte sogar den Eindruck, „überflüssiges Spielzeug“ in der Hand zu halten. Im Belastungstest zerbrach obendrein der Handgriff . Das Wort „professional“ in der Produktbezeichnung klingt da wie Hohn.

Ärgerliches entdeckten wir auch an der Black & Decker-Elektrosäge. Im Praxistest verleidete ein lästiger Schiebeschalter den Sägespaß, weil er häufig mit Daumendruck in Position gehalten werden musste. Zwei von drei Sägen der Firma Bosch ließen sich nach einiger Zeit auf dem Prüfstand gar nicht mehr starten. Wir haben das test-Qualitätsurteil deshalb abgewertet, obwohl die Säge ansonsten durchweg gut war.

Probleme bei der Kettenspannung

Kettensägen Test

Zur Inbetriebnahme der Sägen muss zunächst die Kette auf die Führungsschiene gelegt werden. Sie wird dann so am Gerät befestigt, dass der Motor die Kraft mithilfe eines Zahnrads – ähnlich wie beim Fahrrad – auf die Kette übertragen kann . Wichtig ist die richtige Spannung der Kette. Liegt sie zu eng an, wird sie gebremst. Liegt sie zu locker auf der Führungsschiene, kann sie abspringen. Als Flop erwies sich die Kettenschnellspannung an der Ikra Mogatec, die zwar ohne Werkzeug möglich war, aber im Praxistest sehr oft nachgestellt werden musste.

Tipp: Wählen Sie eine Säge, deren Kette sich einfach spannen lässt und die gewählte Spannung zuverlässig hält. Das Urteil zur „Kettenspannung“ berücksichtigt beides.

Schutz vor dem Peitschenschlag

Kettensägen Test

Gebrochen: Im Test brach bei zwei Sägen der „Kettenfangbolzen“ (hier nicht aus Metall, sondern aus Kunststoff), der im Notfall eine reißende oder abspringende Kette abfangen soll.

Falls die Kette abspringt oder gar reißt, peitscht sie gefährlich durch die Luft. Davor muss sich der Anwender schützen (siehe Tipps). Auch die Konstrukteure beugen vor: Eine breite, stabile Kunststofffläche sichert die rechte Hand von unten. Ein Kettenfangbolzen am Gehäuse soll den Peitschenschlag abfangen. Bei den bauähnli­chen Ikra Mogatec- und Uniropa-Sägen funktionierte das aber unzulänglich: Der Kunststoff brach bei Kälte im Schlagversuch. In der Praxis besteht die Gefahr, dass der hohe Reparaturaufwand gescheut und das defekte Gerät weiter betrieben wird.

Rasend schnell rotierende Kette

Kettensägen Test

Kettenbremszeit: Ein fallendes Pendel löst die Kettenbremse aus. Gemessen wird dann die Zeit bis zum Stillstand der Kette. Im Optimalfall waren es weniger als 0,05 Sekunden.

Mindestens ebenso gefährlich wie ein Kettenriss ist ein plötzlicher Rückschlag der Säge („Kickback“). Er droht vor allem, wenn der obere Bereich der Schienenspitze unerwartet auf einen Widerstand stößt, etwa beim Entasten. Oder wenn man mit der Schienenspitze aus Unachtsamkeit verseh­entlich den Stamm berührt. Dadurch werden die enormen Kräfte der rasend schnell rotierenden Kette schlagartig umgelenkt und die Säge nach hinten und nach oben in Richtung des Kopfes katapultiert. Für diesen Notfall müssen alle Motorsägen mit einer Kettenbremse ausgestattet sein. Ausgelöst wird sie auf zwei Wegen: Zum einen durch den Kunststoffbügel vor dem vorderen Handgriff, der beim Rückschlag der Säge mit der Hand kollidiert und dabei vorklappt. Zum anderen durch die beim schnellen Hochkatapultieren auftretende Beschleunigung und die Trägheitskräfte. Bei der Black & Decker-Kettensäge löste die Bremse nur schwerfällig aus.

Besser mit Strom oder mit Benzin?

Kettensägen Test

Messerscharf: Auf der Kette sitzen messerscharfe „Meißel“ (1) und Tiefenbegrenzer (2), die ein zu schnelles Eindringen ins Holz verhindern sollen.

Ungeübten Anwendern gelingt es oft nicht auf Anhieb, eine Benzinsäge zu starten. Die richtige Kombination von „Choke (Kaltstarthilfe) einlegen“, „Starterseil ziehen“, „Choke lösen“ und „Gas geben“ erfordert Übung. Ansonsten kann das Gemisch überfetten, und die Säge springt nicht an.

Tipp: Kaufen Sie eine Säge mit Benzinmotor möglichst im Fachgeschäft. Am besten dort ausprobieren. Eine Einführung durch Profis ist besser als jede Anleitung.

Wichtiger Nachteil der Benzinsägen sind ihre bescheidenen Umwelteigenschaften: Sie sind besonders laut. Und der Nutzer muss zwangsläufig einen Teil der Abgase der Zweitaktmotoren einatmen. Die Aktionsware von Plus und die McCulloch-Säge beurteilten wir „mangelhaft“, weil sie die Abgasgrenzwerte nicht einhielten.

Zum Vergleich haben wir auch für die Elektrosägen den Energieverbrauch ermittelt und die Emissionswerte bei der Stromproduktion im Kraftwerk (bundesdeutsche Durchschnittswerte) berücksichtigt. Das Ergebnis: Die Elektrosägen schneiden in jeder Hinsicht umweltschonender ab.

Tipp: Wenn Sie in Reichweite einer Steckdose sägen, sollten Sie besser ein Elektromodell wählen – das werden Ihnen auch die Nachbarn danken.

Dieser Artikel ist hilfreich. 2049 Nutzer finden das hilfreich.